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Dramatische Sparmaßnahmen : Fast 100 psychisch Kranke in Südafrika nach Verlegung gestorben

  • Aktualisiert am

Skyline von Johannesburg Bild: AFP

Um Kosten zu sparen, hat eine Provinzregierung in Südafrika eine Klinik für psychisch Kranke schließen lassen, die Patienten wurden zu billigeren Anbietern verlegt. Die hatten keine Lizenz für die Behandlung und waren völlig überfordert.

          Als der 61 Jahre alte Freddie Collit im August 2016 in einem Altersheim für psychisch Kranke in Südafrika starb, hatte er Wunden auf dem Kopf und auf der Nase sowie Blasen an den Knöcheln. Seine Frau Marie Collitz sagt: „Er hätte so nicht sterben dürfen.“ Sie habe ihren Mann zwei Stunden vor seinem Tod noch gesehen, Pfleger hätten die Verletzungen damit erklärt, dass er auf dem Rasen gestürzt sei. Ihr Mann hätte aber auch viel Gewicht verloren, seit er in die Einrichtung gekommen war, und habe dehydriert auf sie gewirkt. In seinem Bett hätte es weder Kopfkissen noch eine Bettdecke gegeben, habe sie später herausgefunden. „Sie hätten uns sagen müssen, dass sie sich nicht um ihn kümmern können, dann hätten wir es gemacht.“

          Ihr Mann hatte Depressionen, eigentlich war er in einem Krankenhaus in Randfontein untergebracht. Um Kosten zu sparen, hatte die Provinz Gauteng den langjährigen Vertrag mit der privaten Klinik aber aufgekündigt und mehr als tausend psychisch kranke Patienten von März bis Dezember auf günstigere Anbieter verteilt. Schon damals waren Angehörige verzweifelt. Die 27 Jahre alte Nomvula Nonjabe erzählte dem „Randfontein Harold“: „Ich bin 27, meine Schwester ist 24 und sie ist hier Patientin. Ich habe keine Möglichkeit, mich um sie zu kümmern.“

          Wie vielen anderen Angehörigen blieb ihr wohl nichts anderes übrig, als ihre Schwester in eine Einrichtung zu bringen, die für die Behandlung überhaupt keine Lizenz hatte. Jetzt wurden die dramatischen Folgen dieser Aktion bekannt: Mindestens 94 psychisch kranke Patienten sind nach ihrer Verlegung aus dem Krankenhaus zu billigeren und überforderten privaten Anbietern gestorben. An den Folgen seiner psychischen Krankheit starb nur ein Patient, die anderen überlebten nicht, weil sie „schlecht behandelt“ wurden. Viele litten unter Atembeschwerden, Tuberkulose oder Gelbsucht und bekamen keine angemessene Behandlung.

          Die Zahl der Toten könnte sogar noch steigen: „Es könnten noch mehr Opfer sein“, sagte Experte Malegapuru Makgoba am Mittwoch in Pretoria bei der Vorlage eines Untersuchungsberichts zu der Todesserie des vergangenen Jahres. Aus diesem Untersuchungsbericht stammt auch die Beschreibung des Todes von Freddie Collit. Keine der 27 Einrichtungen, auf die die Patienten verteilt wurden, hatte demnach eine Lizenz für die stationäre Behandlung psychisch Kranker.

          Sie hätten weder die Kompetenz noch die Ressourcen für die Behandlung der Patienten gehabt, heißt es in dem Bericht. Die Aufkündigung des Vertrags mit der etablierten Klinik und die rasche Verlegung sei „chaotisch“ und „übereilt“ gewesen. Die Provinz Gauteng umfasst unter anderem die Hauptstadt Pretoria und die Wirtschaftsmetropole Johannesburg. Die Gesundheitsministerin von Gauteng, Qedani Mahlangu, erklärte ihren Rücktritt.

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