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Rätselhaftes Tropenvirus : Erste Zika-Fälle in Dänemark und der Schweiz

  • Aktualisiert am

Bild: AP

Meldungen von Zika-Infektionen aus verschiedensten Ländern mehren sich. Weil über das Virus bisher wenig bekannt ist, hat Präsident Obama jetzt mehr Forschungsanstrengungen angemahnt.

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          Das vor allem für Schwangere gefährliche Zika-Virus tritt immer öfter in Europa auf. Aus der Schweiz wurden am Mittwoch zwei Infektionsfälle vermeldet, aus Dänemark einer. Das Virus sei bei einem dänischen Touristen festgestellt worden, der aus Südamerika heimgekehrt sei, meldete das Universitätskrankenhaus in Aarhus am Dienstagabend. Der Däne habe sich bei einer Reise nach Süd- und Lateinamerika mit dem durch Mücken übertragenen Erreger angesteckt und danach über Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen geklagt. Eine Untersuchung habe die Infektion am Dienstagabend bestätigt. Der Patient werde ambulant behandelt. „Sein Zustand ist gut“, hieß es.

          Zuvor waren bereits mehrere Zika-Fälle aus Großbritannien, Schweden und den Niederlanden gemeldet worden. Auch außerhalb Europas mehren sich die Fälle von Zika-Infektionen: Die „New York Times“ vermeldete am Dienstag, im amerikanischen Bundesstaat Virginia sei ein Mann positiv auf das Virus getestet worden. Auch in Costa Rica wurde erstmals eine Zika-Infektion festgestellt. In der Karibik wurden neue Infektionen mit dem Zika-Virus bestätigt. Puerto Rico registrierte seit Dezember 19 Fälle, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Das Virus könne von Touristen in das amerikanische Außengebiet gebracht worden sein, hieß es.

          Kolumbien gab unterdessen wegen Zika einen Gesundheitsalarm aus. Alle unter einer Höhe von 2200 Metern liegenden Ortschaften sollten Notvorsorge treffen, erklärte das Gesundheitsministerium. Öffentliche und private Kliniken sollten Maßnahmen in Kraft setzen, um den erwarteten Anstieg der Fälle beherrschen zu können. Bisher wurden in Kolumbien bereits mehr als 13.000 Infektionen registriert. Die Behörden rieten Frauen dazu, gewollte Schwangerschaften zu verschieben.

          Zehn Infektionen in Deutschland seit 2013

          Auch nach Deutschland haben schon mehrere Reisende das Virus eingeschleppt. Das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin habe seit 2013 zehn Infektionen festgestellt, sagte der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit der Deutschen Presse-Agentur. Dabei handle es sich ausschließlich um importierte Fälle, das heißt, die Betroffenen holten sich das Virus auf einer Reise in ein tropisches Land.

          Ein genaues Bild von eingeschleppten Virus-Fällen in Europa gibt es nicht, denn die Infektion ist nicht meldepflichtig. Gute Aufzeichnungen über das Auftreten der Krankheit fehlten, kritisiert Schmidt-Chanasit. Es gibt nur wenige Referenzzentren, die die Infektion diagnostizieren könnten, neben dem Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg noch das Pasteur-Institut in Paris und zwei weitere Einrichtungen in Großbritannien und den Niederlanden. Jetzt steige die Zahl der Fälle täglich, weil sich mehr Patienten untersuchen ließen und die Mediziner genauer hinschauten.

          Der Erreger verursacht meist keine schwere Erkrankung; bei rund 20 Prozent der Infizierten führt er zu grippeähnlichen Symptomen und ist normalerweise nicht tödlich. Er steht aber im Verdacht, bei Schwangeren das ungeborene Kind zu schädigen. Die Kinder kommen mit einem zu kleinen Kopf auf die Welt, was mit Fehlbildungen im Gehirn einhergeht. „Dieser Zusammenhang ist sehr wahrscheinlich“, sagte Schmidt-Chanasit. Er fügte aber hinzu: „Der endgültige Beweis steht noch aus.“

          Missbildungen Neugeborener auch in Deutschland

          In Brasilien, das mit rund 4000 registrierten Fällen der sogenannten Mikrozephalie am stärksten betroffen ist, gebe es derzeit Fallkontrollstudien. Dabei werden Frauen mit fehlgebildeten und gesunden Kindern auf Antikörper gegen Zika-Viren getestet. Bei gestorbenen Babys und im Fruchtwasser sei das Virus bereits nachgewiesen worden. Das seien aber nur einzelne Hinweise. Für Studien müssen Hunderte Schwangere untersucht werden. „Ich denke, in einigen Wochen werden wir den endgültigen Beweis haben“, sagte der Virologe.

          Missbildungen dieser Art kommen auch bei Neugeborenen in Deutschland vor. Schmidt-Chanasit hält es für denkbar, dass auch hier in einigen Fällen eine Zika-Virusinfektion die Ursache sein könnte. Das ließe sich aber nur bei einer Häufung feststellen oder bei einer sogenannten Reiseanamnese. Schmidt-Chanasit weiß von einem missgebildeten und schließlich gestorbenen Baby im amerikanischen Bundesstaat Hawaii, dessen Mutter in der Schwangerschaft in Brasilien war.

          Reisewarnungen für Schwangere nur in wenigen Ländern sinnvoll

          Obwohl einer der möglichen Überträger des Virus, die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), in Südeuropa und auch in Süddeutschland vorkomme, sei bislang keine in Europa oder Deutschland erworbene Zika-Infektion bekannt. Eine Reisewarnung für Schwangere macht nach Meinung des Experten nur für Länder Sinn, in denen die Infektion in großer Zahl auftritt, wie in Brasilien und Französisch-Polynesien. Vereinzelte Fälle in Afrika oder Südostasien rechtfertigten eine solche Warnung nicht. Wenn eine werdende Mutter dennoch nach Brasilien reisen wolle, könne sie nur auf Mückenschutz achten. Eine Impfung oder ein Medikament gibt es noch nicht.

          Das müsse aber entwickelt werden, hat unterdessen der amerikanische Präsident Barack Obama bei einem Treffen mit Gesundheitsexperten gefordert. Er rief bei dem Treffen am Dienstag laut Angaben des Weißen Hauses zu größeren Anstrengungen bei der Erforschung des Zika-Virus auf. Alle Amerikaner müssten sich über das Virus sowie über Möglichkeiten informieren können und  wissen, wie sie sich vor einer Infektion schützen könnten.

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