https://www.faz.net/-gum-8w14w

Erste-Hilfe-Kurs : Wissen Sie, wie man verletzten Kindern am besten hilft?

  • -Aktualisiert am

Was macht man, wenn das Knie aufgeschlagen ist? Bild: Picture-Alliance

Wenn Kinder stürzen, sich verbrühen oder Wunden haben, sind Eltern oft mit ihrer Sorge überfordert. Wir haben einen Erste-Hilfe-Kurs für Kinder besucht und fragen jetzt Sie: Hätten Sie gewusst, was zu tun ist?

          Gerade noch rechtzeitig schlüpfe ich in das Hinterzimmer des kleinen Ladens für Kinderbekleidung in Berlin-Schöneberg. Hier findet heute ein Kurs zur Ersten Hilfe bei Kindern statt. Außer mir haben noch etwa zehn Paare auf den Holzstühlen Platz genommen, ein paar Frauen sind allein gekommen. Einige haben ihre Kinder mitgebracht, die auf dem Boden in Richtung von drei großen Puppen krabbeln. Eine Säugling-, eine Krabbelkind- und eine Kleinkindpuppe. „Wie schön, dass Sie alle pünktlich gekommen sind!“, freut sich Kursleiterin Regina Widera, eine große Frau mit dunklem Bob und strahlendem Lächeln. „Dann können wir ja anfangen!“


          Wissen Sie, was zu tun ist?

          © dpa

            Wo kann ich meinen Säugling gefahrlos ablegen, wenn ich kurz ans Telefon muss?

            A auf dem Sofa

            Diese Antwort ist falsch.


            B auf seiner Krabbeldecke am Boden

            Diese Antwort wissen noch viele im Raum. Stürze stellen für Kleinkinder eine häufige Gefahr dar. Auch wenn sich der Säugling noch nicht allein fortbewegen oder drehen kann, sind abrupte Bewegungen nie ganz ausgeschlossen. Richtig ist deshalb Antwort b. Lassen Sie Ihr Kind also nicht unbeaufsichtigt auf dem Wickeltisch liegen und plazieren Sie es, auch wenn Sie nur kurz den Raum verlassen, unbedingt so, dass es nirgendwo herunterfallen kann.


            C auf dem Wickeltisch

            Diese Antwort ist falsch.




            Was können Eltern tun, wenn das Kind plötzlich nachts schlecht Luft bekommt?

            A Dampf von heißem Getränk einatmen

            Diese Antwort ist falsch.


            B Nach draußen gehen und kalte Nachtluft einatmen lassen

            Möglicherweise handelt es sich bei solch nächtlicher Atemnot um einen Pseudokrupp-Anfall. Diese spezielle Form der Atemnot tritt in der kalten Jahreszeit oft bei Kindern bis zum Alter von fünf Jahren auf. Die Luftröhre schwillt zu, und das Kind hat das Gefühl zu ersticken. Das ist aber in den seltensten Fällen lebensbedrohlich. Wichtig ist bei einem Pseudokrupp-Anfall, Ruhe zu bewahren – auch wenn das Kind röchelt wie ein asthmatischer Seehund. Man sollte mit dem Kind, nachdem man es warm eingepackt hat, ans offene Fenster oder auf den Balkon gehen, um kalte Nachtluft zu atmen. Antwort b ist richtig. Das lässt die Schleimhäute wieder abschwellen. Auch die kalte Luft aus dem Kühlschrank hat einen ähnlichen Effekt. Wenn die Symptome dennoch nicht verschwinden oder gar die Lippen bläulich anlaufen, sollte man aber dringend den Notruf wählen.


            C Kräftig auf den Rücken hauen

            Diese Antwort ist falsch.




            Eine Frau mit zwei kleinen Töchtern erzählt: „Wir sind hier, weil unsere Tochter, als wir vor ein paar Wochen im Restaurant waren, fast erstickt wäre. Sie hat sich verschluckt, an einem Stück Bratwurst. Zum Glück ist es noch mal gut ausgegangen. Aber wir haben uns total hilflos gefühlt, und deswegen habe ich uns hier angemeldet.“

            Wie breit ist der Luftröhrendurchmesser eines Kindes?

            A 8 mm: so breit wie ein Bleistift

            Die Kursleiterin erklärt: Die Luftröhre eines Kleinkindes ist etwa so breit wie ein Bleistift (Antwort a). Gerade in dem Alter, in dem die Kinder anfangen zu krabbeln und noch alles in den Mund stecken, kann eine herumliegende Erdnuss oder ein Legoteilchen zur Lebensgefahr werden, wenn es aus Versehen in die Luftröhre gelangt. Wenn das Beikost-Alter erreicht ist, können auch abgeschabte Apfel- oder Möhrenstückchen gefährlich werden.


            B 10-15 mm: so breit wie der kleine Finger eines Erwachsenen

            Diese Antwort ist falsch.


            C 2 mm: so breit wie ein Zahnstocher

            Diese Antwort ist falsch.




            Dann greift Widera zu einer der Puppen. „Das ist mir ein wichtiges Anliegen, dass Sie das alle einmal richtig probieren“, sagt sie, während sie die Übungspuppe herumreicht. Die Eltern sollen sich vorstellen, diese Puppe habe gerade ein großes Stück im Hals hängen. Was dann tun? „Das Kind mit dem Kopf voran über das Bein legen. Bei größeren Kindern: über eine Stuhllehne hängen. Und dann wirklich fest zwischen die Schulterblätter schlagen“, sagt Widera. Der erste Teilnehmer nimmt die Puppe, legt sie sich über das Bein und schlägt verzagt darauf. „Fester!“, ruft Widera. „Das kann ein richtiges Geräusch geben!“ Die Puppe macht die Runde, die Teilnehmer schlagen ihr mit einem dumpfen Knallen auf den Rücken, unter den anfeuernden Rufen der Kursleiterin. „Genau so! Das muss eine Erschütterung geben!“ Als ich meine Hand fest auf den Puppenrücken niedersausen lasse, bin ich erstaunt von der Kraft, die die Kursleiterin uns abverlangt. Wenn einem Kind etwas in der Luftröhre stecken geblieben ist, bleibt nicht viel Zeit. Lediglich drei bis fünf Minuten kann das Gehirn ohne Sauerstoff auskommen, so dass jeder Augenblick zählt. Bis zu fünf Mal sollte man einem Kind auf den Rücken schlagen und jeweils kurz warten, ob sich der Fremdkörper durch die Erschütterung gelöst hat. Ist das nicht der Fall, muss das Heimlich-Manöver angewendet werden. Bei Kindern unter einem Jahr wird dafür mit zwei Fingern der Brustkorb um etwa ein Drittel seines Volumens heruntergedrückt. Das löst einen künstlichen Hustenreiz aus. Auch dies wird fünf Mal wiederholt, danach wieder auf den Rücken geklopft, für den Fall, dass sich der Gegenstand jetzt gelockert hat. Wenn das alles nicht hilft, wird es wirklich brenzlig.

            Mein Kind bekommt keine Luft mehr, es regt sich nicht mehr. Wie lauten die offiziellen Wiederbelebungsmaßnahmen?

            A Bei Säuglingen muss man nicht beatmen, nur auf das Brustbein drücken.

            Diese Antwort ist falsch.


            B Man sollte erst fünf Mal beatmen, bevor man abwechselnd 15 Mal auf das Brustbein drückt und zweimal beatmet.

            Bei kleinen Kindern führt häufig nicht ein Problem am Herzen, sondern ein Problem mit der Atmung zu einer solchen lebensbedrohlichen Situation (anders als bei Erwachsenen). Deshalb ist es wichtig, dass Kinder Sauerstoff ins Blut bekommen, damit der Kreislauf weiter funktioniert. Deshalb sollte man bei ihnen vor Beginn der Herzdruckmassage initiale fünf Beatmungen durchführen. Mehr Blut im Sauerstoff führt dann, in Verbindung mit der Herzdruckmassage, zu einer besseren Organversorgung. Der Rhythmus von Herzdruckmassage zu Beatmung liegt bei Kindern nach den fünf Initialbeatmungen bei 30:2. Antwort b ist also richtig.


            C Man beginnt mit 15 Drückern auf das Brustbein und beatmet dazwischen immer 3 Mal.

            Diese Antwort ist falsch.




            Beatmen und Drücken müssen dann alle Eltern an den Puppen üben. Und man merkt, auch wenn die Vorstellung furchtbar ist, es tut gut, sich für den Ernstfall zu rüsten. Dann geht es mit einer Verletzung weiter, die nicht gleich lebensbedrohlich ist. Und was ist, wenn das Kind einen Gegenstand verschluckt hat?, fragt ein Elternpaar? „Es ist erstaunlich, aber sehr viele Dinge kommen nach der entsprechenden Zeit ziemlich unverändert einfach unten wieder raus“, sagt die Kursleiterin. Man solle sein Kind aber beobachten und darauf achten, ob es Auffälligkeiten zeigt oder Schmerzen hat. Und bei manchen Gegenständen muss man sich wirklich Sorgen machen. „Billige Batterien werden von der Magensäure angegriffen und können Verätzungen im Verdauungstrakt hervorrufen“, warnt Widera. Und auch Magneten können Probleme bereiten – jedenfalls dann, wenn sich zwei oder mehr Magneten gleichzeitig durch die Darmschlingen bewegen und aneinander haften bleiben.

            Mein Kind hat etwas Giftiges gegessen. Was sollte ich tun?

            A Den Giftnotruf anrufen

            Man sollte bei Vergiftungserscheinungen immer, wie es Antwort a vorgibt, den Giftnotruf anrufen, der einem sagen kann, wie man am besten vorgeht. Bei ätzenden Giftstoffen wie Reinigungsmitteln kann es die bereits vom ersten Schlucken angegriffene Speiseröhre ein zweites Mal belasten, wenn Erbrechen ausgelöst wird. Wenn man dem Kind Milch zu trinken gibt, kann das dazu führen, dass sich das Gift erst richtig im Körper verteilt – jedenfalls, wenn der Giftstoff fettlöslich ist und die Milch das entsprechende Fett erst bereitstellt. Besser ist es, dem Kind Wasser zu trinken zu geben, das den Giftstoff verdünnt – zumindest, wenn das nicht zu Erbrechen führt.


            B Ihm Milch zu trinken geben

            Diese Antwort ist falsch


            C Erbrechen auslösen

            Diese Antwort ist falsch.




            Ein weiteres Gefahrenfeld, vor dem Regina Widera die Eltern warnt, sind Verbrennungen oder Verbrühungen. Wie schnell ist es passiert, und das Krabbelkind auf dem Schoß hat die Tasse Tee umgestoßen oder in den Teller mit der heißen Suppe gefasst. Für Kleinkinder sind solche Unfälle weitaus gefährlicher als für Erwachsene, weil die Haut noch nicht so robust ist. Zeigt sich bei Erwachsenen nur eine Hautrötung, können bei Kindern schon Verbrennungen zweiten Grades auftreten.

            Was machen, wenn das Kind sich etwas Heißes übergeschüttet hat?

            A Angezogen unter kaltes Wasser stellen

            Diese Antwort ist falsch.


            B Das Kind ausziehen und mit handwarmen Wasser abwaschen

            Hat sich das Kind eine Tasse Tee übergekippt, sollte es umgehend ausgezogen werden – und zwar auch die Windel. Die Haut sollte mit handwarmem Wasser höchstens zehn Minuten gekühlt werden (nicht kälter und nicht länger, weil Kinder schnell auskühlen). Antwort b ist richtig. Wenn eine Fläche betroffen ist, die größer ist als die Hand des Patienten, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Und wie kommt man dann am sichersten mit dem schreienden Kind zu einem Arzt? Auch da gibt es Tipps im Kurs.


            C Löcher in die Kleider schneiden und mit handwarmen Wasser die verbrühten Stellen kühlen

            Diese Antwort ist falsch.




            Womit sollte man eine nässende Wunde, etwa nach einer Verbrennung oder Verbrühung, auf dem Weg zum Arzt verbinden?

            A mit einem Geschirrtuch

            Diese Antwort ist falsch.


            B mit einer Mullbinde

            Diese Antwort ist falsch.


            C mit Frischhaltefolie

            Wenn man keinen speziell für nässende Wunden geeigneten Verband aus der Apotheke zur Hand hat, sollte man eine Brandblase am besten mit Frischhaltefolie abdecken (Antwort c). Mullbinden oder Geschirrtücher können mit der Wunde verkleben, was unnötige Schmerzen und weitere Schädigungen bei der Entfernung nach sich ziehen kann.




            Nicht nur im Haus warten Gefahren auf die Kleinen. Gerade jetzt, wo der Frühling in der Luft liegt, kann der Spielplatz zum Risikobereich werden. Dann etwa, wenn Klettergerüste bestiegen werden und später der schnelle Weg nach unten gewählt wird.

            Ein Kind ist vom Klettergerüst gefallen. Wann ist es nicht so schlimm?

            A Wenn es direkt anfängt zu schreien, muss ich mir keine Gedanken machen.

            Diese Antwort ist falsch.


            B Wenn es nach spätestens einer halben Stunde wieder spielt, als wäre nichts geschehen, ist alles in Ordnung.

            Diese Antwort ist falsch.


            C Wenn mein Kind auf den Kopf gestürzt ist, sollte ich einen Arzt aufsuchen – insbesondere wenn sich das Kind in den folgenden 24 Stunden anders als sonst verhält.

            Wenn ein Kind gestürzt ist und sich möglicherweise am Kopf verletzt hat, dann muss man sofort den Notarzt rufen, sofern es bewusstlos oder nicht ansprechbar ist, wenn es aus dem Ohr blutet, wenn es Gleichgewichtsstörungen hat oder wenn es sich erbricht. Wenn das Kind innerhalb von 24 Stunden nach dem Sturz irgendwelche dieser Anzeichen an den Tag legt, wenn es über starke Kopfschmerzen klagt oder sonstige Auffälligkeiten zeigt, dann sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden. Richtig ist Antwort c.




            Und als wäre ein Sturz aus einigen Metern Höhe nicht schon genug, konstruiert Widera auch noch den Fall, dass dabei ein Zahn verlorengeht.

            Wie sollte man einen abgebrochenen Zahn aufbewahren?

            A In einem Becher mit H-Milch

            Wenn der Zahn gerettet werden soll, darf die Zahnwurzel nicht antrocknen. In der Apotheke gibt es spezielle Zahnrettungsboxen mit einer Nährlösung, in denen ein Zahn sicher transportiert werden kann. Ist eine solche nicht zur Hand, gilt Antwort a. H-Milch oder ein Gefrierbeutel eignen sich im Notfall auch zur Aufbewahrung. Im Mund sollte ein Zahn nicht transportiert werden, weil es da zu warm ist und Keime den Zahn angreifen könnten. Der Zahn sollte weder desinfiziert noch abgespült werden, und es sollte unbedingt vermieden werden, die Zahnwurzel anzufassen. Wenn man mit dem beschädigten Zahn im Gepäck innerhalb von sechs Stunden eine Zahnklinik aufsucht, ist es vielleicht möglich, den Zahn zu retten.


            B In einem Döschen mit Desinfektionsmittel

            Diese Antwort ist falsch.


            C im Mund

            Diese Antwort ist falsch.




            Dehydrierung, Fieberkrampf, Ertrinken, Hitzschlag, Sonnenstich: Am Ende der vier Stunden, die der Kurs gedauert hat, erscheint mir die Welt wie eine einzige Gefahrenzone. Welch ein Wunder, dass mein Kind sein erstes Lebensjahr einigermaßen unbeschadet überstanden hat! Aber da ich nicht weiß, was kommt, fühle ich mich jetzt zumindest ein bisschen besser vorbereitet.


          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Undatierte Aufnahme der „Stena Impero“

          Straße von Hormus : Iran stoppt Öltanker im Persischen Golf

          Die Lage im Persischen Golf spitzt sich zu. Nach eigenen Angaben setzt Iran einen britischen Öltanker in der Straße von Hormus fest. Ein zweites aufgebrachtes Schiff ist mittlerweile wieder freigegeben.

          Transfer-Offensive : Borussia Dortmund hat ein großes Problem

          Der BVB beeindruckt mit seinen starken Neuzugängen. Doch die Offensive auf dem Transfermarkt hat auch ihre Schattenseiten. Der Kader ist nun viel zu üppig besetzt. Auf der Streichliste stehen prominente Namen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.