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Ernährung : „Sie können sich auf nichts mehr verlassen“

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Was wäre die Konsequenz?
Jeder hat natürlich das Recht, ungesunde Lebensmittel zu essen. Wenn einer Zitronensäure essen will, darf er das tun. Aber alle anderen, die das nicht wollen, müssen eben auch eine Chance haben. Wir bräuchten beispielsweise eine Lebensmittelkategorie „ohne Zusatzstoffe“.

Was gehört Ihrer Meinung nach auf Lebensmitteletiketten drauf?
Zunächst einmal müssen die Verbraucher das Recht bekommen, Informationen zu erfragen und zu überprüfen. Dann würden dreiste Lügen der Hersteller von selbst wegfallen. Außerdem brauchen wir eine konsequente Minimierung von Giftstoffen. Und für alle umstrittenen Lebensmittelzusätze gilt: einfach verbieten. Die sind überflüssig.

Und was muss auf die Packung?
Ich würde mir Qualitätsklassen wünschen. Beispiel Fleisch: Neben Biofleisch, bei dessen Herstellung weder Pflanzenschutzmittel noch Mineraldünger zum Einsatz kommen und die Tiere artgerecht gehalten werden, könnte man sich eine konventionelle Premiumsorte vorstellen, die mit lokalen, nicht gentechnisch veränderten Futtermitteln unter besonders guten Haltungsbedingungen hergestellt wird. Die dritte Kategorie umfasst dann alles, was die gesetzlichen Mindeststandards erfüllt.

Aber ich kann doch schon jetzt meine Würstchen beim Metzger kaufen anstatt im Supermarkt.
Es gab auch Gammelfleisch in bayerischen Traditionsgaststätten. Vor Gammelfleisch sind Sie nirgendwo sicher.

Dann lieber zu McDonald's?
Da sind Sie jedenfalls sicher.

Wie kann das sein?
Die setzen das Prinzip der Rückverfolgbarkeit lückenlos um. Die haben ein oder zwei Schlachthöfe, die kennen ihre Lieferanten, und sie können es sich absolut nicht leisten, einen schlechten Hamburger zu verkaufen.

Also ein echtes Vorbild?
Das ist doch keine Kunst. Wir fahren zum Mond. Und dann heißt es, es wäre zu kompliziert, die Handelswege unseres Fleisches nachzuzeichnen. Die Verbraucher müssen echt kapieren, dass sie an der Nase herumgeführt werden.

Oft heißt es: Wer Billigprodukte will, soll sich nicht wundern, wenn die Qualität nicht stimmt.
Das ist ein elitärer Standpunkt. Diese Aufforderung: „Kauft doch Bio, ihr Billigheimer!“ finde ich extrem arrogant. Viele Leute müssen genau rechnen . . .

. . . und verhalten sich deswegen sogar völlig rational!
Eben. Wenn Sie sich einen neuen Computer ausgesucht haben, greifen Sie doch auch zum billigsten Angebot. In jedem anderen Markt ist es wichtig, dass die Leute Preise vergleichen. Und niemand würde sich damit herausreden, dass Ihr Computer nicht funktionieren kann, weil Sie den billigsten genommen haben. Im Lebensmittelmarkt wird Ihnen das erzählt. Aber billiges Fleisch muss genauso sicher sein wie teures.

Übertreiben Sie da nicht etwas?
Ich übertreibe kein bisschen.

Aber wir werden doch nicht reihenweise krank.
Wir wissen doch gar nicht, wie viele Leute schwere Magenkrämpfe haben, weil sie verdorbenes Fleisch gegessen haben. Im Lebensmittelrecht brauchen Sie theoretisch erst eine Leiche, bis die Behörden agieren. Es ist menschenverachtende Politik, wenn wir ganz legal langfristig sich akkumulierende Gifte wie Dioxin über das Essen zu uns nehmen müssen. Nur kriegen Sie Krebs halt nicht von heute auf morgen.

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