https://www.faz.net/-gum-vdvc

Ernährung : Chinesen werden reich und dick

Schwimmen gegen das Übergewicht: Behandlung in Wuhan Bild:

Der Wohlstand bringt die Wohlstandskrankheiten: Veränderte Essgewohnheiten führen in China zu vermehrten Fällen von Übergewicht und Diabetes. Jetzt will die Regierung eine verbesserte Ernährung erreichen.

          4 Min.

          Die Volksbefreiungsarmee marschiert voran - auch beim Essen. Von einer „Küchen-Revolution“ schwärmen die Soldaten, nachdem das Militär die Mahlzeiten in den vergangenen Jahren deutlich verbesserte. Seit 2002 hat Chinas Verteidigungsminister den Kostensatz je Essen schon dreimal angehoben. Er liegt nun zwischen 11 Yuan (1,06 Euro) und 39 Yuan, abhängig von Aufgabe und Dienstgrad der Soldaten.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Mit den Anstrengungen für besseres Essen steht die Armee nicht alleine da. Der Anstieg der Inflationsrate in China auf 4,4 Prozent im Juni - den höchsten Stand seit 34 Monaten - geht weitgehend auf gestiegene Preise einzelner Lebensmittel zurück.

          Die Mittelschicht will Fleisch

          Zwar werden die Preise derzeit von Sonderfaktoren getrieben, vor allem von einer Seuche, die den Schweinebestand angreift, und einem Getreidemangel aufgrund von Mäuseepidemien. Doch ist in allen Schwellenländern zu beobachten, dass mit dem Wirtschaftswachstum und Wohlstand auch die Preise für höherwertige Lebensmittel zulegen. Denn eine wachsende Mittelschicht fragt in der Regel mehr Fleisch und andere Waren nach, die mit dem Konsum in den Industrieländern des Westens gleichgesetzt werden.

          Der Trend geht zum Fleisch: Chinesischer Schweinebauch in Panzerform
          Der Trend geht zum Fleisch: Chinesischer Schweinebauch in Panzerform : Bild: picture-alliance / dpa

          Die durchschnittliche Kalorienaufnahme eines Festlandchinesen ist von knapp 2000 Kilokalorien in den siebziger Jahren auf 3000 heute gestiegen. „Diese Steigerung dürfte sich über die nächsten zwei Dekaden fortsetzen. Denn Chinesen liegen immer noch deutlich unter dem Durchschnitt entwickelter Länder von 3450 Kilokalorien“, sagt Jonathan Anderson von der Schweizer UBS-Bank. „Vor 20 Jahren stammten 70 Prozent der täglichen Kalorienaufnahme in China aus Getreide, nur 6 Prozent von Fleisch. Heute hat das Getreide nur noch einen Anteil von 45 Prozent, Tierprodukte liegen schon bei 25 Prozent.“ Dieser Wandel aber bringt nicht nur steigende Preise für Fleisch, sondern gefährdet auch die Gesundheit.

          Chinesisches Essen hat viel Öl und Chemie

          Zum einen ist das traditionelle asiatische Essen keineswegs so gesund, wie man es angesichts der Schüsseln voll Reis vermuten könnte. In Wahrheit kommt es oft ölig, mit zu viel Fleisch und chemischen Zusätzen daher. Spätestens seit den mageren Jahren der Kulturrevolution gilt im einst weitgehend vegetarischen Bauernland China ein dicker Bauch als Zeichen für Wohlergehen.

          Die Zeitung „China Daily“ warnte gerade vor der „Dummheit“, Nahrung etwa nur deshalb zu sich zu nehmen, weil ihr Name gut klinge: So sei es Mode, in Restaurants eine Alge zu bestellen, deren chinesischer Name ähnlich klinge wie „werde reich“. „Manche Menschen glauben, je mehr Geld sie für Essen ausgeben, desto gesünder lebten sie“, geißelt die staatliche Zeitung.

          Amerikanisches Fastfood erobert China

          Hinzu kommt, dass die westlichen Schnellrestaurants China längst erobert haben. Die „eiserne Reisschüssel“, einst das Schlagwort für die lebenslange Versorgung eines Arbeiters durch den chinesischen Staat, wird in der Mittelschicht der Großstädte mehr und mehr vom selbstbezahlten Hamburger ersetzt.

          Kentucky Fried Chicken führt mehr als 1500 Filialen in China, Pizza Hut kommt auf gut 200 Restaurants, und McDonald's will bis zu den Olympischen Spielen im kommenden Jahr 1000 Imbisse eröffnen. Gerade der Mittelschicht fehlt zudem Bewegung: Immer mehr Menschen in den modernen Großstädten fahren Auto statt Fahrrad oder nehmen Fahrstuhl statt Treppe.

          Diabetes, Herzinfarkt, Krebs

          Weitere Themen

          Die Pandemie im Überblick

          Zahlen zum Coronavirus : Die Pandemie im Überblick

          Das Coronavirus hat Deutschland und die Welt weiterhin fest im Griff. Wie sich die Infektionszahlen im In- und Ausland entwickeln – unsere Karten und Diagramme geben einen Überblick.

          Topmeldungen

          Clemens Fuest ist seit 2016 Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung.

          Wirtschaft nach Corona : „Die Löhne müssen steigen“

          Nach Corona sieht die Wirtschaft anders aus. Hier spricht der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, über knappe Fachkräfte, die steigende Inflation und kranke Kinder im Kindergarten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.