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Erkrankungswelle in Städten : Deutschland, Masernland

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, sondern eine der schwersten Infektionskrankheiten überhaupt. Impfungen schützen. Dennoch kommt es immer wieder zu Ausbrüchen, so auch derzeit. Bild: dpa

In Leipzig, Duisburg und Frankfurt versuchen Gesundheitsämter, die jüngsten Ausbrüche einzudämmen. In Frankfurt wurden dafür sogar Schüler vorübergehend suspendiert.

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          Kurz vor den schriftlichen Prüfungen des Zentralabiturs in Hessen sind an einem Gymnasium in Hofheim bei Frankfurt mehr als ein Drittel der Lehrer vom Schulbesuch ausgeschlossen worden. Das Verbot gilt auch für rund 150 der mehr als 1700 Schüler. Die Direktorin musste den Betrieb neu organisieren: Es gibt vorerst keinen Nachmittagsunterricht mehr, in der Oberstufe werden nur noch die Abiturienten unterrichtet und Klausuren geschrieben.

          Ingrid Karb
          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Was war geschehen? Das Gesundheitsamt des Main-Taunus-Kreises sprach die Verweise aus, weil die Betroffenen keinen Impfschutz gegen Masern nachweisen konnten. Nachdem eine Schülerin an der Virusinfektion erkrankt war, hatten Mitarbeiter die Impfpässe von Lehrern und Schülern kontrolliert. Wer nicht mindestens zwei Mal gegen Masern geimpft war oder nachweisen konnte, schon daran erkrankt gewesen zu sein, darf bis zum 15.März nicht in die Schule kommen. Sollte eine weitere Erkrankung bekanntwerden, kann die Frist verlängert werden. Die Abiturklausuren beginnen am 16. März.

          Mit dem rigorosen Vorgehen will man verhindern, dass sich die hochansteckende Infektion ausbreitet. In der Schulgemeinde habe es keine große Aufregung deshalb gegeben, berichtet eine Vertreterin der Elternschaft. Schließlich kam die Maßnahme nicht ganz überraschend. Ein ähnliches Vorgehen hatte es in diesem Jahr schon an einer benachbarten Berufsschule und zwei Frankfurter Schulen gegeben, nachdem sich Gymnasiasten auf einer Skifreizeit in der Schweiz mit Masern infiziert hatten.

          Keine harmlose Kinderkrankheit

          Kinderärzte und Politiker in der Region loben die Vorkehrungen. Die Masern seien keine harmlose Kinderkrankheit, sondern eine der schwersten Infektionskrankheiten, gegen die es eine Impfung gebe, sagt der Frankfurter Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne). Ungeschützt könnten auch Erwachsene daran erkranken, bei denen es häufiger zu Komplikationen komme.

          Dazu gehören Mittelohr- und Lungenentzündungen, die zu langfristigen Schäden wie Hörverlust führen können. Am gravierendsten sind jedoch Gehirnentzündungen, die sogar zum Tod führen können. Im vergangenen Jahr war zum Beispiel ein sechs Jahre altes Mädchen in Deutschland, das als Säugling eine Maserninfektion durchgemacht hatte, an einer chronischen Gehirnentzündung gestorben.

          Auf der Welt seien früher mehr als eine halbe Million Kinder im Jahr an den Folgen der Erkrankung verstorben, sagt Lothar Schrod, ärztlicher Direktor am kommunalen Klinikum in Frankfurt. Das Masernvirus schwäche das Immunsystem über Wochen, was die Patienten anfällig für weitere Erkrankungen mache. Vor allem unterernährte Kinder in Entwicklungsländern überlebten dies nicht.

          In Berlin gab es 2015 eine große Erkrankungswelle

          Vor mehr als 20 Jahren habe er auch noch Patienten gehabt, die daran gestorben seien, sagt der 60 Jahre alte Kinderarzt. In der aktuellen Erkrankungswelle wurden Patienten, unter ihnen ein Säugling, wegen starker Schmerzen, Schwäche und Dehydrierung in seiner Klinik aufgenommen. Schrod lobt das Vorgehen der Gesundheitsämter. Nur so könnten „Berliner Verhältnisse“ verhindert werden.

          In Berlin gab es 2015 eine große Erkrankungswelle, mehr als 1000 Personen wurden angesteckt – ausgerechnet in dem Jahr, in dem die Masern nach Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Europa ausgerottet sein sollten. Insgesamt wurden vor zwei Jahren in Deutschland 2400 Fälle registriert. Das waren 60 Prozent aller gemeldeten Masernfälle in der Europäischen Union, berichtet Sabine Wicker. Die Frankfurter Ärztin ist Mitglied der ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin und Vorsitzende der nationalen Kommission zur Verifizierung der Elimination von Masern und Röteln. Eine Ausrottung wäre möglich gewesen, weil das Virus nur von Mensch zu Mensch übertragen wird und sich seit Jahren nicht verändert hat. Deshalb bietet die Impfung einen guten Schutz.

          Als ausgerottet gelten die Masern, wenn mehr als 95 Prozent der Bevölkerung zwei Mal dagegen geimpft sind und nicht mehr als einer von einer Million Einwohnern im Jahr erkrankt. Von den Industrienationen haben das bisher nur Nordamerika und Japan sowie in Europa die skandinavischen Länder erreicht. In Deutschland gab es laut RKI immer weit mehr als 80 Erkrankungen im Jahr.

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