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Erektile Dysfunktion : Unter Männern

  • -Aktualisiert am

„Vorher war ich perfekt“: Viele Männer reden nicht über ihre Erektionsstörungen. Bild: AFP

Jeder vierte über 40 leidet unter Potenzstörungen, doch die Erkrankung bleibt ein Tabuthema. Besuch in einer Selbsthilfegruppe.

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          Ein Mann geht zum Urologen. Herr Doktor, ich will auch wie meine Freunde fünfmal am Tag Sex haben. Wie geht das? Sagt der Arzt: Machen Sie es wie Ihre Freunde. Lügen Sie auch.“

          Ein Dienstagabend, das Erdgeschoss eines unscheinbaren Wohnhauses in Hamburg-Wandsbek. Rechts unten liegen die Räume der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, links geht es zu einem der Räume von KISS, den „Kontakt- und Informationsstellen für Selbsthilfegruppen in Hamburg“.

          Zweimal im Monat treffen sich hier bis zu zehn Männer aus Hamburg und der weiteren Umgebung, die endlich gehört und verstanden werden möchten. Weil sie das Gefühl haben, ausgegrenzt zu sein. Hier in der Gruppe sie können offen darüber reden, was sonst kaum einer hören will: dass sie aus medizinischen oder psychischen Gründen an erektiler Dysfunktion leiden - Potenzstörungen. Davon ist in Deutschland jeder vierte Mann über 40 betroffen.

          Wie schambesetzt das Thema aller sexuellen Freiheit zum Trotz ist, zeigt sich auch an der Zahl der Selbsthilfegruppen: Bundesweit sind es gerade mal sechs - in Berlin, Hamburg, Hannover, Köln, Stuttgart und München. Ein Besuch in der Hansestadt.

          Eckhard*, 67, Psychotherapeut, lebt in einer Beziehung

          „Bei mir wurden 2011 zwei Karzinom-Punkte an der Prostata festgestellt, ich hatte zwei Viererwerte auf der Gleason-Skala, bekam die Nachricht einen Tag vor Weihnachten. Der Arzt sagte, wir warten bis März und entscheiden dann, ob OP oder nicht. Ich hatte Angst, wollte es unbedingt machen lassen. Die OP verlief gut, bis zu 80 Prozent ist es wie vorher. Ich denke immer, das wird. Ich moderier die Gruppe seit gut einem Jahr. Bei uns geht es nicht nur darum, welches Medikament wie wirkt. Wir sprechen darüber, wie geht es uns damit und wie gehen wir damit um, wenn die Erektion nicht so klappt. Bei allen herrscht enormer Druck, und es entlastet, den endlich mal ‚an den Mann zu bringen’. Als Therapeut greif ich aber nur ein, wenn jemand sich als Schlappschwanz mies macht. Es hilft niemand, seinen Selbstwert klein zu reden.“

          Die Gleason-Skala definiert bei einer Gewebeprobe das Ausmaß krankhaft veränderter Zellen. Ab einem Wert von sieben spricht man von aggressiv fortschreitenden Krebstumoren. Bei Vorsorgeuntersuchungen wird zunächst der Wert des „prostataspezifischen Antigens“ PSA im Blut festgestellt. Je höher er ist, desto wahrscheinlicher ist eine (auch gutartige) Erkrankung.

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