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Epidemie : Amerika lässt Einreisende wochenlang überwachen

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Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen: Ein Polizist bewacht den Eingang zur Klinik, die den Ebola-Patienten behandelt Bild: AFP

Erst nachdem er sich mehrere Tage frei in der Stadt bewegt hatte, ist ein Helfer der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ in New York positiv auf Ebola getestet worden. Zuvor hatte der Mann am Flughafen eine strikte Gesundheitskontrolle durchlaufen.

          Kurz nachdem die Behörden den ersten Ebola-Fall in New York bestätigt haben, verschärfen die Vereinigten Staaten ihre Kontrollen gegen das Virus. Schon jetzt müssen sich Reisende, die aus einem Ebola-Gebiet kommen, an den Flughäfen in New York (John F. Kennedy), Newark, Washington Dulles, Chicago und Atlanta einer Kontrolle in einer Isolierzone unterziehen. Dabei wird ihre Körpertemperatur gemessen und auf Ebola-Symptome geachtet. Vom 27. Oktober an sollen Passagiere aus den stark betroffenen Ländern zudem nach ihrer Ankunft drei Wochen lang am Zielort täglich untersucht werden, kündigte die amerikanische Seuchenbehörde CDC an. Bis Dienstag wurden insgesamt 762 Menschen an den fünf Flughäfen auf Ebola kontrolliert. Vier von ihnen wurden in Kliniken eingeliefert, nach Angaben der „Washington Post“ aber nach Tests entlassen.

          Auch wenn Fachleute solche Kontrollen für sinnvoll halten, ist ein Problem dabei die Inkubationszeit, also der Zeitraum zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit. Sie kann bei Ebola bis zu drei Wochen dauern. Das zeigt jetzt auch der aktuelle Fall in New York. Der Mitarbeiter von „Ärzte ohne Grenzen“, der in Guinea an der Behandlung von Ebola-Patienten beteiligt war, hat den Behörden zufolge bei seiner Einreise auf dem New Yorker John-F.-Kennedy-Flughafen die strikte Gesundheitskontrolle durchlaufen, aber noch keine Symptome gehabt.

          Auf einer Pressekonferenz haben die Stadtverantwortlichen die Sorge vor einer Ausbreitung des Virus in New York zerstreut. „Es gibt keinen Grund zur Sorge“, sagte Bürgermeister Bill de Blasio am Donnerstag. „Wir haben ein starkes Team, und wir sind seit Monaten vorbereitet. Jetzt läuft ab, was wir so oft geübt haben.“ New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo ergänzte: „Wir hatten alle gehofft, dass dieser Tag nie kommen wird. Aber wir sind hier in New York, und Menschen aus aller Welt kommen zu uns. Diese Nachricht konnte uns nicht überraschen.“

          Der Mitarbeiter von „Ärzte ohne Grenzen“ wurde im Bellevue-Krankenhaus unter Quarantäne gestellt. Sorgen bereitet den Behörden indes sein Weg durch die Stadt. Nach offiziellen Angaben beendete der Mann seine Arbeit in Guinea am 12. Oktober und verließ das Land zwei Tage später über Europa. Am 17. Oktober traf er wieder in den Vereinigten Staaten ein. Seitdem habe er täglich mehrmals seine Körpertemperatur gemessen und sich weitgehend isoliert, erst am Donnerstag habe er Symptome entwickelt, erklärten die Behörden.

          Zuvor war der Mann dennoch mit der U-Bahn und dem Fahrdienst Uber durch New York gefahren. Die Behörden rekonstruierten den Weg des Mannes und versuchten alle Personen zu identifizieren, mit denen er Kontakt hatte. Dies war offenbar vor allem der Uber-Fahrer, die Verlobte des Patienten sowie zwei gute Freunde. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde wurden Verlobte und Freunde unter Quarantäne gestellt, bislang hätten diese aber keine Krankheitssymptome gezeigt. Ein Bowlingzentrum, das der Patient besucht hatte, wurde demnach vorsorglich geschlossen. Auch die Wohnung des Mannes sei verschlossen und nicht zugänglich.

          Das Ebola-Virus breitet sich derzeit weiterhin ungehindert in Afrika aus. Der Weltgesundheitsbehörde (WHO) zufolge haben sich etwa 10.000 Menschen angesteckt. Etwa die Hälfte der Patienten starb an der Infektion. Das westafrikanische Land Mali meldete am Donnerstag erstmals einen Fall von Ebola. Das Land ist damit der sechste Staat des Kontinents, der von der jüngsten Epidemie betroffen ist.

          Ein zweijähriges Mädchen, das kürzlich im Nachbarland Guinea unterwegs gewesen sei, sei positiv auf das Virus getestet worden, teilte das Gesundheitsministerium des Landes mit. Das Mädchen war demnach am Mittwoch mit verdächtigen Symptomen im westlichen Kayes ins Krankenhaus eingeliefert worden, einen Tag später lagen die Bluttestergebnisse vor. Das Gesundheitsministerium in Mali rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Es werde alles getan, um eine Ausbreitung der Krankheit in dem Land zu verhindern. „Jeder, der mit dem Mädchen Kontakt hatte, steht unter medizinischer Beobachtung“, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

          Unterdessen stockt die Europäische Union, die am Donnerstag den Kommissar Christos Stylianides zum Ebola-Beauftragten ernannt hat, ihre Hilfsgelder im Kampf gegen Ebola auf eine Milliarde Euro auf. Das teilte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy am Freitag beim EU-Gipfel in Brüssel über den Kurzmitteilungsdienst Twitter mit. Bisher hatte die EU zusammen mit den Mitgliedstaaten Hilfen von rund 600 Millionen Euro versprochen, 107 Millionen Euro davon kommen aus Deutschland.

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