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Selbstversuch EMS-Training : Elektrisierende Effizienz

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

EMS-Training – eine Methode, die über Elektroden Impulse an die Muskeln sendet, verspricht Top-Ergebnisse in 20 Minuten. Ist das möglich? Ein Selbstversuch.

          Der Strom schießt über eine mit Elektroden ausgestattete Weste durch meinen Körper. Auch an Armen und Beinen trage ich eng anliegende und ebenfalls mit Elektroden bestückte Bänder, welche mir elektronische Impulse durch den Körper leiten. Die Elektroden werden an ein Stromkabel, welches zum EMS-Gerät führt, aus einer Öffnung des Holzbodens angeschlossen. Die Stromwellen kommen in Abständen von vier Sekunden. Vier Sekunden anspannen, vier Sekunden entspannen. Anfangs kribbelt es noch ungewohnt. Als mein Coach Jörg Zornack die Stromdosis erhöht, wird es unangenehmer.

          Blaue Lämpchen wandern auf dem Gerät vor mir von links nach rechts, damit ich kurz vor den Stromimpulsen weiß, dass ich alle Muskeln anspannen muss, bevor die nächste Schockwelle kommt. Dann wieder das Kribbeln. Es fühlt sich an wie eine Mischung aus Vibration und kleinen Nadeln, die in die Muskeln eindringen. Das etwas unangenehme Gefühl wird bei den Übungen, die ich während den elektronischen Impulsen synchron zum Trainer machen muss, etwas verstärkt, es kribbelt dann noch fester. „Geht da noch mehr?“, fragt Zornack und dreht die Schalter nach einem gepresst „ok“ meinerseits etwas höher. Ich bin noch mit dem Ausatmen beschäftigt. Unangenehm ist das stärker werdende Kribbeln am Gesäß und am Bauch – als würde jemand grob darauf rumtrampeln. Dabei noch eine gute Haltung zu bewahren, ist auch nach sieben Jahren regelmäßigen Krafttrainings gar nicht so leicht. „Alles klar bei Ihnen? Sie könnten etwas mehr lächeln“, versucht mich Zornack aufzumuntern. Ich frage mich, wie gesund das wohl ist.

          Das Beste ist das Gefühl der Erleichterung danach

          Das Beste am ersten Training ist das Gefühl der Erleichterung danach. Keine weiteren Stromimpulse. Und das Frankfurter EMS-Studio hält zumindest zeitlich, was sie verspricht – 20 Minuten Training und nicht mehr. „Am besten nehmen Sie heute noch ein entspannendes Bad, gehen in die Sauna und essen reichlich Eiweiß“, rät mir mein Coach. Zornack spricht auch den nächsten Trainingstermin zwei Tage später an. „Ich weiß nicht, ob Sie das schaffen. Falls Sie sich zu erschöpft fühlen, sagen Sie den Termin lieber ab.“ Ich will ihm das nicht so recht glauben, doch der Trainer wird Recht behalten. Der erwartete Muskelkater einen Tag später oder ein angenehmes Gefühl der Erschöpfung, wie ich es vom Krafttraining oder Kampfsport kenne, bleiben zwar aus – aber nur vorerst. Ich merke in den nächsten zwei Tagen, dass mein Körper sich schwerer und träger anfühlt als sonst. Am zweiten Abend nach dem Training erreicht mich dann der Muskelkater und ich sage das zweite Training ab.

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          Dass ich ohne schwere Gewichte und in 20 Minuten mit relativ wenig Bewegung einen richtigen Muskelkater bekommen würde, konnte ich mir vor vier Tagen noch nicht vorstellen, als ich im EMS-Studio saß und einen Fragebogen zu möglichen Risikofaktoren ausfüllte. Es klang ein wenig zu schön, um wahr zu sein: Anbieter von EMS-Trainings versprechen maximale Ergebnisse – einmal 20 Minuten EMS pro Woche habe denselben Effekt auf die Muskeln wie mehrmaliges, stundenlanges Hanteltraining. Dem wollte ich auf den Grund gehen. Stimmt das? Wie funktioniert die Technik? Und wie wirken sich die Stromimpulse auf die Muskeln aus?

          „EMS-Training ist kein Ersatz für Ausdauer- und Kraftsport“

          Nach einem Gespräch mit Frank van Buuren, Oberarzt der kardiologischen Klinik des Herz- und Diabeteszentrums NRW der Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum, sind meine Gesundheitsbedenken wieder etwas gemildert. „EMS-Training ist grundsätzlich eine gute Sache – auch für gesunde Menschen“, sagt van Buuren. Allerdings müsse gerade bei Anfängern die Stromdosis nur langsam hochgefahren werden. „Wir testen das schon seit Langem an Herzpatienten. Ein guter Skelettmuskel hat einen positiven Effekt auf den Herzmuskel.“ Das Elektromyostimulationstraining habe einen Hype in der Fitnessbranche erfahren.

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