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Elektrosensibilität : Sind das jetzt die Webers, die mich grillen?

Vor möglichen Langzeitwirkungen aber schützen die bestehenden Grenzwerte ohnehin nicht. Die Wissenschaftler bei der ICNIRP, der International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection, die sie ausgearbeitet haben, schließen zwar ebenfalls nicht aus, dass es solche Langzeitwirkungen geben könnte. Da diese aber bisher nicht nachgewiesen worden seien und das Restrisiko, dass es doch welche geben könne, sehr klein sei, schützen die von ihnen berechneten Grenzwerte lediglich vor „kurzfristigen, unmittelbaren Auswirkungen“ der Strahlung. Anders sieht dies das EU-Parlament. Gerade mit Blick auf mögliche Langzeitfolgen empfiehlt es eine Senkung der gesetzlichen Grenzwerte, und die Europäische Umweltagentur ist ebenfalls dafür. Deren Direktorin Jacqueline McGlade erinnert „an die schädlichen Auswirkungen von Stoffen wie Asbest, Nikotin oder PCB, die erst Jahrzehnte nach ihrer Einführung zutage getreten sind“, und empfiehlt „Risikovorsorge in der Politik bis zur weiteren Klärung durch die Forschung“. Ebenso sieht das der Umweltausschuss des EU-Parlaments, der Anfang Mai eine Resolution verabschiedet hat, die von einer potentiell schädigenden Wirkung bestimmter hochfrequenter Wellen unterhalb der geltenden Grenzwerte ausgeht. „Erst auf ein hohes Maß wissenschaftlicher und klinischer Beweise zu warten kann zu sehr hohen gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Kosten führen“, heißt es zur Begründung.

Ein prosperierender Markt ist vor Eingriffen zu schützen

Die Bundesregierung tut sich indes schwer mit der Senkung der Grenzwerte, wenngleich sich die neue grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg nun auch auf Bundesebene dafür einsetzen will. Nach Angaben von Bernd Pfaffenbach, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, ist „ein prosperierender Markt vor Eingriffen zu schützen“, die „aus wissenschaftlicher Sicht unbegründet sind“.

Mobilfunkkritiker sehen es insbesondere als problematisch an, dass die technische Strahlung inzwischen fast das gesamte Spektrum der sogenannten nichtionisierenden Strahlung ausfülle und dabei den natürlich vorhandenen Strahlungspegel teilweise milliardenfach überlagere. Die Evolution habe den Frequenzbereich, der nun vom Mobilfunk besetzt werde, genutzt, um damit die Steuerung der Lebensvorgänge im Inneren des Menschen zu organisieren. „Mobilfunk funkt unseren Zellen und ihrem Informationsaustausch untereinander dazwischen“, so die Verbraucherschutzorganisation Diagnose-Funk. Mobilfunkstrahlung führe zur Bildung freier Radikaler in den Zellen, dies sei wissenschaftlich belegt. Der Organismus gerate dadurch in Stress. Dies könne zu vielfältigen Krankheiten führen, von Erschöpfung über Herzrasen bis hin zu DNA-Schädigungen.

Viele Freunde haben sich zurückgezogen

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