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Elektrosensibilität : Sind das jetzt die Webers, die mich grillen?

Frank Berner verfolgt diese Diskussionen nur am Rande. Sie regen ihn auf und helfen ihm nicht dabei, seinen Alltag zu bewältigen. Vollauf ist er damit beschäftigt, dem hochfrequenten Elektrosmog aus dem Weg zu gehen. In seiner Firma gibt es kabelgebundene Telefone. Sein Handy benutzt er nicht mehr. ICE fahren kann er auch nicht mehr, seit die Züge mit WLAN ausgestattet sind. Hotelübernachtungen sind für ihn genauso tabu wie ein Erholungsurlaub auf unbekanntem Terrain. Und eine strahlenfreie Wohnung findet er ebenfalls nicht so leicht. Wie auch? „Ich spüre die Strahlung zwar meistens sofort oder nach kurzer Zeit. Aber was ist, wenn während der Besichtigung alles ruhig ist, weil die Nachbarn bei der Arbeit sind, und abends dann der Terror losgeht? Oder wenn eines Tages neue Nachbarn einziehen wie in meiner letzten Wohnung?“ Im März hat er daher eine Wohnungsanzeige in dem Naturkost-Magazin „Schrot und Korn“ aufgegeben. Bislang ohne Erfolg. Es haben sich zwar etwa zwanzig Leute bei ihm gemeldet, die sich ebenfalls als elektrosensibel bezeichnen. Aber eine passende Wohnung hatte niemand für ihn. Das liegt daran, dass die Netzabdeckung in Deutschland bei etwa 99 Prozent liegt und durch den gegenwärtigen Ausbau des extrem übertragungsstarken „Long Term Evolution“-Netzes (LTE) bald an die 100 Prozent erreichen dürfte. So gibt es immer weniger Rückzugsorte für Elektrosensible und gleichzeitig immer mehr Betroffene.

Bluthochdruck, Durchfall, Muskelzittern und Schlaflosigkeit

Zum Beispiel die ehemalige norwegische Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland, die der Zeitung „Oslo Dagbladet“ erzählte, sie bekomme Kopfschmerzen, wenn sie Mobilfunkstrahlung ausgesetzt sei. Oder jene niedergelassene Gynäkologin aus Bayern, die nach sechs Monaten voller Bluthochdruck, Durchfall, Muskelzittern und Schlaflosigkeit wieder vollkommen gesund wurde, nachdem sie das schnurlose dect-Telefon, das sie und ihr Mann ein Jahr zuvor in einem Nebenraum des Schlafzimmers installiert hatten, erst ins Untergeschoss und dann ganz verbannt hatte. Selbst die Bundesregierung empfiehlt, sich Elektrosmog möglichst wenig auszusetzen und „herkömmliche Kabelverbindungen zu bevorzugen, wenn auf den Einsatz von funkgestützten Lösungen verzichtet werden kann“. Auch weist sie in einer Unterrichtung des Bundestags über gesundheitliche Auswirkungen des Mobilfunks aus dem Dezember 2008 darauf hin, dass es „bezüglich der Exposition von Föten und Kindern“ offene Fragen gebe, ebenso bezüglich „potentieller Auswirkungen auf Kognition, Befindlichkeit und Schlaf“. An anderer Stelle geht sie auf die „Langzeitwirkungen am Menschen“ ein, die ebenfalls nicht geklärt seien.

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