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Elektrosensibilität : Sind das jetzt die Webers, die mich grillen?

„Verfechter einer vorgefertigten Position“

In anderen Ländern ist das anders. In Schweden gelten Elektrosensible als „körperlich beeinträchtigt“, sie haben ein Recht auf einen elektrosmogfreien Arbeitsplatz, für die Kosten zur Umrüstung muss der Arbeitgeber aufkommen. Einige Krankenhäuser stellen strahlungsfreie Krankenzimmer zur Verfügung, und in Stockholm bezahlt die Stadtverwaltung den Betroffenen die Abschirmung ihrer Wohnung, indem sie zum Beispiel für spezielle Wandfarbe oder spezielle Stromkabel aufkommt. Eine französische Kleinstadt hat 2009 als erste Gemeinde der Welt ihre Schulen WLAN-frei gemacht, einige britische Privatschulen verzichten ebenfalls darauf. Lerchl ist sich allerdings sicher: Schutzmaßnahmen wie „das Schlafzimmer von elektrischen Geräten frei zu halten, das Handy eingeschränkt zu benutzen oder gar sein Haus von einem Baubiologen gegen Strahlung abschirmen zu lassen - überflüssig“.

Ein wissenschaftlicher Nachweis über die Schädlichkeit elektromagnetischer Strahlung wurde bislang nicht erbracht. Das Einzige, was unzweifelhaft bewiesen ist, ist eine Erwärmung des menschlichen Körpers durch die Strahlung. Kritiker bemängeln allerdings, dass Forschungsergebnisse einseitig interpretiert und von Wissenschaftlern formulierte Risiken kleingeredet würden. Um zu illustrieren, dass ihre Skepsis berechtigt ist, berufen sie sich auf die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die hat den deutschen Strahlenschützer Lerchl nicht in eine neue Kommission zur Risikobewertung des krebserregenden Potentials elektromagnetischer Felder aufgenommen, obwohl Lerchl sogar gegen seine Nichtaufnahme protestiert hatte. Die Begründung der WHO: Man lege dort Wert auf eine „vollständige Unabhängigkeit von wirtschaftlichen Interessen“ und auf Mitglieder, die nicht „Verfechter einer vorgefertigten Position“ seien. Die WHO hält Lerchl für voreingenommen.

ICE fahren kann er auch nicht mehr

Den Umgang mit den Ergebnissen der jüngsten internationalen Untersuchnung zum Thema Handy, der Interphone-Studie, halten Mobilfunkkritiker ebenfalls für falsch. Dafür wurden in den vergangenen zehn Jahren mehr als 5000 Personen mit Hirntumor befragt. Ergebnis: Häufiges Telefonieren mit dem Handy führt nicht nachweisbar zu Krebs. Was nach Meinung von Kritikern aber nicht genug Beachtung fand: Grundsätzlich auszuschließen ist eine Erhöhung des Risikos für Hirntumoren durch intensive Handynutzung laut der Studie nicht. Und über Langzeitwirkungen des Vieltelefonierens oder die Risiken für Kinder und Jugendliche macht sie auch keine Aussage. Viele große Versicherungsgesellschaften verweigern den Mobilfunkbetreibern und Endgeräteherstellern daher wegen unkalkulierbarer Gesundheitsrisiken die Haftung für Schäden durch elektromagnetische Strahlung.

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