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Elektronische Gesundheitskarte : Haben Sie Ihr neues Kärtchen dabei?

Mehr Datenspeicher: Der Mikrochip in der neuen elektronischen Gesundheitskarte soll eine sichere Vernetzung im Gesundheitssystem ermöglichen. Bild: Ulrich Zillmann

Ab Januar gilt nun offiziell die neue elektronische Gesundheitskarte. Doch ist das wirklich ein Fortschritt für die Patienten – oder eher eine teure Mogelpackung?

          6 Min.

          Zwanzig Jahre lang hatte sie ihren festen Platz im Portemonnaie, gleich neben dem Fach für EC-Karte und Personalausweis. Viel wurde über sie diskutiert. Nun wird sie ausgetauscht, endgültig, gegen eine neue, gegen eine, die mehr kann, der man dank eines Fotos direkt ansieht, zu wem sie gehört. Die Krankenversicherungskarte wird zur elektronischen Gesundheitskarte (eGK). Am ersten Januar 2014 verliert das bisherige Krankenkassenkärtchen seine Gültigkeit, unabhängig von dem Ablaufdatum, welches darauf steht. Weit über neunzig Prozent der gesetzlich Versicherten sind laut den Krankenkassen schon im Besitz der neuen Karte. Alle anderen sollten spätestens bis Ende September 2014 nachziehen. Bis dahin gilt eine Übergangsfrist. Doch dann ist wirklich Schluss.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es war ein holpriger Weg bis zur endgültigen Einführung der elektronischen Gesundheitskarte. Eigentlich sollte sie schon 2006 in den Geldbörsen der Versicherten stecken, doch Bedenken bei der Datensicherheit, Verzögerungen beim Aufbau der nötigen Infrastruktur und Widerspruch des Deutschen Ärztetages führten immer wieder zu Verschiebungen. Nun wird sie seit mehreren Monaten peu à peu an die Versicherten verteilt. Aber was genau bietet die neue Gesundheitskarte nun wirklich? Wie sicher sind die Daten auf der Karte gespeichert? Und erleichtert sie den Ärzten tatsächlich die bürokratische Arbeit? Wir haben nachgeforscht.

          Bitte recht freundlich

          Das Foto auf der Plastikkarte soll Sicherheit vor Missbrauch bieten, damit wirklich nur derjenige Leistungen in Anspruch nehmen kann, der über die Karte auch versichert ist. Am Lichtbild soll der Arzt die Identität eines fremden Patienten auf einen Blick überprüfen können. Allerdings haben sich die meisten Kassen Fotos zusenden lassen, ohne zu kontrollieren, ob der Versicherte auch derjenige ist, der von dem Bild grinst. Kein Foto auf der Karte benötigen Kinder bis zum 15. Lebensjahr und Versicherte, die bei der Erstellung des Lichtbildes nicht mitwirken können - pflegebedürftige Menschen beispielsweise. Manch ein Hausarzt ist der Meinung, die Identitätsfrage hätte man auch ohne diesen Aufwand lösen können: Kennt der Mediziner den Patienten nicht, lässt er sich zu der Versichertenkarte einfach den Personalausweis zeigen.

          Nein, ich will nicht

          Um die neue Karte kommt keiner herum. Der Gesetzgeber hat die Krankenkassen verpflichtet, ihre Versicherten mit einer solchen Karte auszustatten. Wer sich weigert, seiner Kasse ein Foto zur Verfügung zu stellen, der geht die Gefahr ein, dass Ärzte eine Privatrechnung ausstellen, die der Versicherte aus eigener Tasche zahlen muss. Nur über Umwege gelangt er dann wieder an sein Geld. Eine Klage gegen die Pflicht zur eGK wurde vor kurzem vom Berliner Sozialgericht zurückgewiesen.

          Das ist vielleicht eine Nummer

          Mit der neuen Gesundheitskarte erhält jeder Versicherte auch eine neue, nun lebenslang gültige Versichertennummer. Diese behält er auch, wenn er die Kasse wechseln sollte. Nur die Karte und die dazugehörige Geheimzahl ändern sich in einem solchen Fall. Das erleichtert die Übergabe der Daten von der einen zur anderen Kasse. Nur eine Chance gibt es zurzeit noch, die Nummer doch wieder loszuwerden: Wechselt ein Versicherter von einer gesetzlichen in eine private Kasse, bekommt er eine neue.

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