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Psychologe im Gespräch : „Gefühle unterdrücken macht krank“

  • -Aktualisiert am

Gruppen-Yoga-Übungen auf dem Tempelhofer Feld in Berlin im August 2016: Hier wird die EInheit von Körper und Seele betont, wie auch von der Psychoneuroimmunologie. Bild: dpa

Körper und Seele sind eins – was die Schulmedizin oft missachtet, glaubt die Psychoneuroimmunologie beweisen zu können. Hier spricht der Psychologe Christian Schubert über die Wechselwirkungen zwischen Gehirn, Nerven- und Immunsystem.

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          Prof. Schubert, Sie gehen davon aus, dass körperliche Erkrankungen durch Psychotherapie heilbar sind. Was macht Sie da so sicher?

          Wir wissen inzwischen, dass es eine Verbindung gibt zwischen dem Nervensystem, also dem Gehirn, und dem Hormon- und Immunsystem. Unsere Nerven- und Immunzellen sind direkt und über Botenstoffe miteinander verbunden, und das wechselseitig. Und wenn das so ist, dann verändere ich über die Psyche, also Gehirn und Nerven, das Geschehen im Körper. Psychotherapie kann daher einen enormen Einfluss auf Krankheitsprozesse haben.

          Ich denke – und so geht es mir körperlich?

          Ja, was ich fühle oder denke, wird über eine veränderte Nervenaktivität in Hormone und Immunologie übersetzt. Umgekehrt wissen wir auch, dass, wenn wir eine Entzündung im Körper durchmachen, diese immunologische Aktivität unser Gehirn und unsere Psyche beeinflusst – wir fühlen uns elend und haben trübe Gedanken.

          Behandeln Sie als Psychotherapeut denn auch bewusst körperliche Erkrankungen mit – und erleben hier eine Verbesserung?

          Unbedingt. Einer meiner Patienten hat Morbus Crohn, eine Autoimmunkrankheit des Darms. Seitdem er zu mir in die psychotherapeutische Behandlung kommt, hat er keine Schübe mehr erlebt. Das Verhältnis zu seinem Sohn aus geschiedener Ehe hat sich verbessert, seine Schuldgefühle wegen der gescheiterten Beziehung haben nachgelassen, er hat eine neue Partnerin und ist selbstbewusster geworden.

          Was war für ihn der entscheidende Punkt?

          Dass er seinen „Rucksack an Schuld“ abgelegt hat, wie er wortwörtlich sagte.

          Bei Morbus Crohn geht auch die Schulmedizin von einem starken Einfluss der Psyche aus. Haben Sie vielleicht noch ein anderes Beispiel?

          Mich selbst. Im vergangenen Jahr hatte ich einen Divertikeldurchbruch des Dickdarms sowie vier weitere zum Teil schwere Entzündungsschübe. Das kann lebensgefährlich sein, und eigentlich wird einem ein Teil des Darms entfernt, wenn dies mehrmals geschieht. Ich hatte Angst vor einer solchen Operation, hab mich jedes Mal für Antibiotika entschieden und parallel gegoogelt: In den Foren im Internet sind lauter verschreckte, verzweifelte Patienten unterwegs, und das hat mich alles noch mehr verunsichert. Meine Ärzte, Chirurgen, konnten mir auch nicht viel sagen, nicht mal etwas zur Ernährung. Und dann bin ich selbst auf einen möglichen Grund für meine Erkrankung gekommen: Wir waren gerade drauf und dran, in unser neues Haus einzuziehen, ein für mich persönlich großer Schritt im Leben, der mich total gestresst hat.

          Als Psychotherapeut haben Sie sich dann quasi selbst behandelt?

          Gewissermaßen. Wenn jemand aber allein nicht herausfinden kann, was ihn innerlich belastet, sollte er sich unbedingt psychologische Hilfe holen, damit er auch wirklich gesund wird. Heilung ist meiner Erfahrung nach nur möglich, wenn die Seele nicht mehr drückt.

          Kann man deshalb darauf verzichten, den Körper medizinisch behandeln zu lassen? Sie haben doch vermutlich parallel auch entzündungshemmende Medikamente genommen?

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