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Gutes Essen statt Pillen : Eine App für Nierenkranke

App auf Rezept: Eraj Shojai in den Räumen von E-Medicals Bild: Frank Röth

Ein Frankfurter Start-up arbeitet an künstlicher Intelligenz für Menschen mit Nierenerkrankungen. Sie soll helfen, mit weniger Medikamenten besser zu leben.

          3 Min.

          Die Tischtennisplatte ist halb aufgeklappt und mit durchsichtiger Folie bedeckt. Sie dient in dem schmalen Raum mit den hohen Decken in einem Gründerzeithaus im Frankfurter Bahnhofsviertel gelegentlich dem Sport. Öfter aber ist sie Konferenz- und mittags Esstisch. Ein Servierwagen wird hereingerollt, darauf Teller mit appetitlich gefüllten Teigröllchen. Das Essen ist nicht eine der üblichen Nettigkeiten für die Mitarbeiter wie der Obstkorb, der Tischkicker und die Sitzbälle, die in der Start-up-Szene dazugehören. Es ist Teil der Arbeit. Denn die App, an der Eraj Shojai und sein Team arbeiten, basiert auf der Idee, mit Lebensmitteln zu heilen – oder wenigstens die Lebenssituation von Nierenkranken deutlich zu verbessern.

          Patricia Andreae
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Den Anstoß gab das akute Nierenversagen eines Freundes. 1992 in Kabul geboren, war Shojai im Alter von sieben Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen, wo er in Oberursel und Bad Homburg als ältestes von acht Kindern aufwuchs und zunächst Profifußballer werden wollte. Doch die Familie, die in der Bildung immer eine wichtige Rolle spielte, drängte zu etwas Soliderem. Shojai studierte Politikwissenschaften an der Uni Marburg mit einem Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung. Nach Auslandsaufenthalten in San Diego und London wollte er nach dem Bachelor eigentlich an die Harvard Kennedy School, scheiterte aber zunächst. Wenige Wochen später traf ihn die Nachricht des Freundes. „Weil ich ihm helfen wollte und er nicht mehr wusste, was er überhaupt noch essen konnte, begann ich zu recherchieren“, berichtet er.

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