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Ein Selbstversorger im Winter : Wenn es dunkel ist, dann kommen Geister

  • -Aktualisiert am

Hülle und Fülle: Gottfried Stollwerk hat für den Winter vorgesorgt Bild: Henning Bode

Gemütliche Lese-Nachmittage im Bett, morgens schon mal einen Schluck Schnaps - so überlebt Gottfried Stollwerk, der Habenichts aus Niedersachsen, den Winter. Mit Jan Grossarth sprach der Bauer über Vorsätze, Einsamkeit und Erfahrungen in der Dunkelheit.

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          Im Sommer hat F.A.Z.-Redakteur Jan Grossarth den Bauern Gottfried Stollwerk auf seinem Hof in Niedersachsen besucht. Jetzt wollte er von dem Selbstversorger wissen, wie er den Winter ohne fließend Wasser und elektrischen Strom überlebt.

          Guten Abend, Gottfried. Der Winter bei uns in Frankfurt ist recht beschwerlich, auf dem Weg zur Arbeit bekommt man manchmal kalte Füße. Sie leben in Niedersachsen fast autark - ohne Fließwasser, nur von Vorräten aus eigenem Anbau, fast ohne elektrischen Strom, außer für das Telefon und eine Glühbirne. Das Dasein als Selbstversorger muss im Winter sehr hart sein!

          Nein, im Gegenteil. Ich mache es mir gemütlich. Ich habe heute den ganzen Nachmittag im Bett verbracht und war in der Südsee unterwegs: Ich lese den Roman „Die Zuckerplantage“ von Dominik Bona. Ich genieße die Winterzeit sehr.

          Der Selbstversorger vor der Scheune: Es ist prima, wie es ist
          Der Selbstversorger vor der Scheune: Es ist prima, wie es ist : Bild: Henning Bode

          Und der Schnee und die Kälte machen einem Selbstversorger keine Sorgen?

          Wir haben hier seit vier Wochen eine Schneedecke, das habe ich in meinem Leben noch nicht erlebt. Die Tiere sind trotzdem draußen, auch die haben mit Schnee kein Problem. Außer, dass sie mehr fressen, und der Heuhaufen „schmilzt“ schneller ab. Der Heuvorrat könnte knapp werden, also habe ich schon eine Reserve bei einem Freund angemeldet.

          Den Tieren macht der Schnee nichts?

          Doch, es gab drei Verluste bei den Hühnern. Ein Hahn, der im Sommer noch Küken war, ist gestorben, weil er mit einem Mal Füttern am Tag wohl nicht ausgekommen ist. Die Hühner finden unter der Schneedecke nichts dazu, und ich hatte keine Erfahrung mit Schnee und habe nicht zusätzlich gefüttert. Und meine Kuh Petra habe ich verkauft. Ich bekam im Sommer, als ich wieder zehn Wochen mit der Sense Heu erntete, Hüftprobleme. Ich musste die Kuh verkaufen, um mich zu entlasten. Jetzt muss ich am Tag nur noch 20 Liter Scheiße aus dem Stall tragen, das kann ich sogar auf dem Kopf.

          Sie klingen verschnupft.

          Ausnahmsweise bin ich erkältet.

          Wie viele Stunden arbeiten Sie am Tag?

          Vielleicht drei.

          Oh, herzlichen Glückwunsch! Wie und wann beginnt ein solcher Tag denn?

          Ich stehe um fünf Uhr morgens auf und dann beginnt der Tag mit Feuermachen. Ich bewohne im Winter nur ein Zimmer, und das ist morgens richtig kalt. Wasser hole ich aus dem Bach und der Quelle, die frieren beide nicht zu. Der Tag ist durchs Füttern strukturiert: die Tiere bekommen morgens und abends Heu.

          Wird das nicht langweilig?

          Nein, selten. Ich lese sehr viel.

          Trinken Sie im Winter viel Schnaps?

          Ich trinke ein, zwei Gläser am Tag, manchmal eines zum Frühstück. Wieso?

          Ich dachte, wegen der Einsamkeit. Wie viel Holz brauchen Sie zum Heizen?

          Ich brauche so eine Tomatenkiste voll am Tag, das ist schon mehr als sonst.

          Macht das Wäschewaschen Probleme, wenn es draußen friert?

          Ich wasche praktisch nicht, das letzte Mal vor drei Monaten. Ich trage Lederhose, Wollsocken und Wollpullover, die lüften auf der Leine und stinken nicht.

          Suchen Sie tagsüber Holz?

          Nee, das mache ich nicht. Ich habe noch genug Holzvorrat für das Jahr.

          Genügen Ihre Nahrungsvorräte?

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