https://www.faz.net/-gum-t3t4

Ehrenamt : Hilfe für andere als Selbsthilfe

  • -Aktualisiert am

Anerkennung ist wichtig Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Menschen, die sich sozial engagieren, sind deutlich zufriedener als andere. Entscheidend ist jedoch nicht die gute Tat an sich, sondern der Dank und das Lob, das man erhält. Fast wie im richtigen Leben.

          Soziales Engagement scheint sich positiv auf die psychische Verfassung älterer Menschen auszuwirken - allerdings nur, wenn es hinreichend gewürdigt wird. Das ist das Ergebnis einer europäischen Studie, bei der Daten von mehr als 20.000 Männern und Frauen mittleren bis hohen Alter ausgewertet worden sind. Daß ehrenamtliche Tätigkeiten, Nachbarschaftshilfe und andere wohltätige Dienste das Wohlbefinden älterer Menschen fördern, legen zwar auch die Resultate anderer Studien nahe.

          Inwieweit ein solcher Zusammenhang grundsätzlich oder nur unter bestimmten Umständen besteht, war bislang aber unklar. Dieser Frage sind Morten Wahrendorf von der Universität Hamburg sowie Olaf von dem Knesebeck und Johannes Siegrist von der Universität Düsseldorf nachgegangen.

          Bei ihren Nachforschungen konzentrierten sich die drei Medizinsoziologen auf das Verhältnis zwischen dem persönlichen Engagement einerseits und der hierfür erhaltenen Anerkennung andererseits. Wie nämlich Siegrist und seine Kollegen schon in früheren Studien herausgefunden haben, kann ein als nicht lohnenswert empfundener persönlicher Einsatz - sei es nun am Arbeitsplatz oder im familiären Umfeld - die körperliche und seelische Gesundheit nachhaltig beeinträchtigen. So steigt in dem Fall das Risiko, an Depressionen und Herzattacken zu erkranken.

          Arbeit mit Demenzkranken macht niedergeschlagen

          Die Teilnehmer der neuen Studie waren mindestens 50 Jahre alt und stammten aus zehn unterschiedlichen europäischen Nationen, darunter auch Deutschland. Ein knappes Drittel der Teilnehmer war regelmäßig sozial aktiv. Diese Personen waren im Durchschnitt viel zufriedener und seltener niedergeschlagen als jene Männer und Frauen, die keiner wohltätigen Arbeit nachgingen. Soziales Engagement erwies sich allerdings nur dann als stimmungsaufhellend, wenn der Betreffende den Eindruck hatte, daß seine Bemühungen auf irgendeine Weise - etwa durch Lob oder Dankbarkeit - belohnt werden.

          Ansonsten konnte Altruismus sogar das Gegenteil bewirken und das Wohlbefinden nachhaltig schmälern. Als ein Beispiel dafür nennt Siegrist die Versorgung von Demenzkranken. Personen, die sich um solche Patienten kümmerten, litten der vorliegenden Studie zufolge offenbar vergleichsweise häufig an Niedergeschlagenheit - möglicherweise, weil die von ihnen gepflegten Kranken nicht in der Lage waren, die Unterstützung zu würdigen.

          Die Ergebnisse der europäischen Studie haben insofern praktische Bedeutung, als mit dem Anstieg der Lebenserwartung auch die Zahl der nicht mehr berufstätigen älteren Menschen zunimmt. Diesen Männern und Frauen sollte man aber die Gelegenheit geben, so Siegrist, sich sozial zu engagieren. Angesichts des wachsenden Sozialabbaus seien solche wohltätigen Dienste von unschätzbarem Wert, und auch die hilfeleistende Person selbst habe hiervon einen Nutzen, zumal sie mit einer größeren Zufriedenheit rechnen könne. Freilich müsse man immer darauf achten, daß die soziale Aufgabe den Betreffenden nicht zu stark belaste und dessen Wohlbefinden daher mehr schade als nütze.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Thomas Cook ist pleite : Was Reisende jetzt wissen müssen

          Die Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook verunsichert Tausende von Urlaubern. Geht mein Geld verloren? Wie sicher ist das Absicherungsversprechen? Die wichtigsten Fragen und Antworten für Reisende.
          Einer für alles: Aktuelle Samsung-Fernseher haben auch die Apple-TV-App installiert.

          Video-Streaming im Überblick : Was gibt es da zu glotzen?

          Netflix, Amazon, Sky und jetzt noch Apple: Video-Streaming ersetzt immer mehr das klassische Fernsehen. Das Angebot wird vielfältiger und der Zugang komfortabler.
          Stephan E. soll den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ermordet haben.

          Geheimpapier : Falsche Angaben im Fall Lübcke?

          Der hessische Verfassungsschutz soll im Vorfeld mehr über Lübckes mutmaßlichen Mörder gewusst haben, als zunächst zugegeben wurde. Ein Geheimpapier belastet die Behörde.
          Das Mercedes-Benz Logo auf dem Turm des Hauptbahnhofes in Stuttgart.

          Brandbrief : Daimler-Vorstand rüttelt die Belegschaft wach

          Der Daimler-Vorstand Ole Källenius will mit einem Brandbrief seine Führungskräfte wachrütteln: Daimler will kurzfristig mindestens 4,2 Milliarden Euro einsparen. Die Mitarbeiter sollen selbst Ideen dafür finden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.