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Ehec-Krise : Sag mir, was ich noch essen kann

Wer lieber auf Nummer Extrasicher gehen möchte, verzichtet: Tomaten Bild: dpa

Ausgerechnet so gesunde Lebensmittel wie Tomaten, Gurken und Salat stehen in Verdacht, die Welle schwerer Erkrankungen zu verursachen. Sicherheitsfanatiker verzichten völlig auf Rohkost. Muss das sein?

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          Eine Geburtstagsfeier im Rheinland, jeder hat etwas mitgebracht fürs Buffet: Es gibt Frikadellen und Räucherlachs, eingelegte Champignons, Erdbeer-Tiramisu, gemischten Salat und – natürlich – Tomaten mit Mozzarella und Basilikum. Auf den ersten Blick scheint alles wie immer. Dann erzählt die Gastgeberin, sie habe ihren Salat mit Spüli gewaschen, um Ehec-Infektionen zu vermeiden. Bei näherem Hinsehen stellt sich zudem heraus, dass die Tomaten für die Insalata Caprese aus der Dose stammen – wässrig, faserig, schalenlos. „Schrecklich“, befindet ein Gast.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Während Menschen mit schwersten Darmerkrankungen in der Klinik liegen, viele Patienten unter Hirn- und Nierenschäden leiden und es Tote zu beklagen gibt, kann man kaum weiteressen wie bisher. Schließlich geht man davon aus, dass kontaminierte Lebensmittel die fortdauernde Erkrankungswelle ausgelöst haben. Während gemeinhin tierische Produkte wie Fleisch oder Rohmilch für Ehec-Infektionen verantwortlich sind, scheint der besonders aggressive Erreger, der zurzeit reihenweise das hämolytisch-urämische Syndrom (Hus) verursacht, über rohes Gemüse transportiert zu werden. Zyniker und Banausen rufen deshalb Schnitzel mit Pommes und Dosenerbsen zum gesünderen Essen aus. Aber das Land ist jetzt, Anfang Juni, mit Spargel- und Erdbeerständen übersät, das Wetter macht Appetit auf frische, knackige Kost. Was also kann man bedenkenlos essen?

          Sind Bio-Produkte besonders sicher - oder besonders riskant?

          „Wir wissen im Moment, dass ganz bestimmte Produkte unsicher sind“, sagt der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Andreas Hensel. Schon vor zehn Tagen hat die Bundesbehörde in Abstimmung mit dem Robert-Koch-Institut davon abgeraten, Tomaten, Salatgurken und Blattsalate roh zu verzehren. Das gilt insbesondere für Ware, die in Norddeutschland erhältlich ist, und daran hat sich – wie das Institut bekräftigt – auch nichts geändert, obwohl zwischenzeitlich in Hamburg verdächtigte Bio-Gurken aus Spanien als Infektionsherd ausgeschlossen worden sind.

          Andreas Hensel: „Wir wissen im Moment, dass ganz bestimmte Produkte unsicher sind”

          Allerdings lässt die ungewöhnlich konkrete Warnung des BfR eine Menge Fragen offen, und die allgemeine Verunsicherung ist groß. Ist es womöglich sicherer, auf rohes Gemüse generell zu verzichten? Was ist mit Kohlrabi, Möhren und Radieschen? Und Obst? Sind vielleicht Erdbeeren besonders gefährdet, weil sie bodennah wachsen und deshalb mit Dünger in Berührung kommen – schließlich sind Ehec-Erreger in anderen Fällen durch Rindermist übertragen worden. Muss man sogar Äpfel schälen? Sind Bio-Produkte besonders sicher oder besonders riskant? Und was ist mit Herstellern, die behaupten, ihr Gemüse sei garantiert Ehec-frei, weil sie es getestet hätten?

          Die Ehec-Ampel

          Armin Valet ist derzeit ständig mit solchen Fragen konfrontiert. Der Lebensmittelchemiker arbeitet bei der Verbraucherzentrale in Hamburg, im Herzen der Ausbruchswelle. Seine Kinder dürfen gewaschene Äpfel weiterhin mit Schale essen. Und er sagt: Während Bio-Gemüse und regional erzeugte Produkte gemeinhin keinesfalls sicherer seien, was Keime angehe, stünden sie im Zusammenhang mit den nun aktuellen Infektionen nicht unter besonderem Verdacht.

          Zur besseren Orientierung hat der Verbraucherschützer eine Art Ehec-Ampel erfunden: Rot ist das Signal bei Tomaten, Gurken, Blattsalat; in rohem Zustand ist Verzicht geboten. Auf Gelb steht die Ampel bei allen anderen Obst- und Gemüsesorten, die roh gegessen werden. Wichtig ist, die zentralen Hygieneregeln einzuhalten: Hände waschen. Ware waschen, am besten heiß waschen, abreiben, schälen, dann noch mal waschen. Mehrmaliges Waschen, erinnert Valet, erhöhe die Waschkraft. Wer auf Lagerware zurückgreift und Karotten vom Vorjahr wählt, erhöhe die Sicherheit zusätzlich. Nicht zu vergessen, dass rohes Rindfleisch ein grundsätzlich riskantes Lebensmittel bleibt, weshalb Messer und Brettchen besonders gründlich gesäubert werden müssten.

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