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Ehec : Importiertes Sprossen-Saatgut unter Verdacht

  • -Aktualisiert am

Verschiedene Sprossen-Arten werden nun verdächtigt, von dem Keim befallen zu sein Bild: dpa

Niedersächsische Behörden haben bei der Suche nach dem Ehec-Erreger importiertes Saatgut in Verdacht. Drei Sprossenarten - Brokkoli, Knoblauch und Bockshorn - könnten ursächlich sein für den Ausbruch der Epidemie.

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          Niedersächsische Behörden haben bei der Suche nach dem Ehec-Erreger importiertes Saatgut in Verdacht. Drei Sprossenarten - Brokkoli, Knoblauch und Bockshorn - könnten demnach ursächlich sein für den Ausbruch der Epidemie, an deren schweren Komplikation HUS in Deutschland mehr als 35 Menschen starben. Die niedersächsische Gesundheitsministerin Aygül Özkan sagte am Montag in Hannover, fünf erkrankte oder infizierte Mitarbeiterinnen des Betriebs in Bienenbüttel, auf den viele Fälle zurückgeführt werden konnten, hätten bevorzugt diese Sprossenarten gegessen. Die vier befragten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die weder Erkrankungssymptome noch einen positiven Labornachweis aufwiesen, aßen hingegen bevorzugt die Sprossenarten Alfalfa und Würzige Mischung. Bislang ist nicht gesichert, ob Mitarbeiter den Keim eingeschleppt hatten oder der Keim durch das Saatgut oder andere Quellen in den Gärtnerhof gelangt sei.

          Für das Saatgut spricht, dass bei einem Fall in Niedersachsen selbstgezogene Sprossen einer Familie die Ursache gewesen sein könnten, so das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin. Der Verdacht habe sich erhärtet, dass schon Sprossensamen mit den Keimen verseucht gewesen seien. Deshalb warnten das Bundesinstitut und das baden-württembergische Agrarministerium am Montag vor dem Verzehr von Sprossen. Wer auf gekaufte oder selbst gezogene Sprossen nicht verzichten wolle, sollte sie jedenfalls nicht roh verzehren, sondern auf mindestens 80 Grad erhitzen. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, Produzenten und Importeure von Sprossen würden bevorzugt überprüft, also auch Saatgut-Importeure aus dem Ausland. Der Hof in Bienenbüttel hatte etwa zur Hälfte Saatgut aus China bezogen.

          Ein Wiederaufflammen der Seuche „sehr unwahrscheinlich“

          Am Pfingstwochenende stieg die Zahl der am Darmkeim Ehec Erkrankten nur noch leicht an. Insgesamt sind es nun 3228 Krankheitsfälle. Davon litten 781 Menschen unter der besonders schweren Verlaufsform HUS, dem hämolytisch-urämischen Syndrom. 69 Prozent davon seien Frauen. Bei HUS können Nierenversagen und neurologische Schäden auftreten. Bundesgesundheitsminister Bahr (FDP) sagte, die Epidemie habe ihren Höhepunkt wohl überschritten. Ein Wiederaufflammen der Seuche sei „sehr unwahrscheinlich“. Weitere Todesfälle seien aber nicht auszuschließen. Etwa 100 Ehec-Erkrankte werden vermutlich bleibende Schäden behalten und brauchen eine Spenderniere oder dauerhaft eine Dialyse.

          Bis zum Pfingstmontag starben 36 Menschen an den Folgen der Ehec-Erkrankung, darunter ein Mensch in Schweden. Zuletzt meldete Hamburg den Tod einer älteren Frau.

          „Die Situation scheint unter Kontrolle zu sein“, sagte EU-Verbraucherkommissar John Dalli am Montag beim einem Treffen auf Malta. „Das heißt nicht, dass wir in den nächsten Wochen keine neuen Fälle registrieren werden, da es eine Inkubationszeit gibt.“

          Auch in Zukunft muss man mit neuen gefährlichen Ehec-Stämmen rechnen

          Das BfR hatte am Samstag bestätigt, dass der Ehec-Erreger an den Sprossen des Biohofs aus Niedersachsen exakt vom selben Typ ist wie die Bakterien, an denen die Menschen in Deutschland starben. Am Wochenende war zudem bei zwei weiteren Mitarbeiterinnen des Sprossenerzeugers der aggressive Darmkeim nachgewiesen worden. „Damit können wir einen weiteren wichtigen Teil einer Indizienkette vorlegen“, sagte Özkan. Bereits im Mai waren drei Mitarbeiterinnen des Betriebes mit Ehec-Symptomen erkrankt.

          Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte vor weiteren gefährlichen Ehec-Ausbrüchen in Deutschland. „Wir müssen zum Beispiel davon ausgehen, dass dieser neue Keim nicht einfach verschwindet. Sondern der wird mit uns sein“, sagte der SPD-Politiker am Montag. Der aktuelle Fall zeige: Auch in der Zukunft müsse man mit neuen gefährlichen Ehec-Stämmen rechnen.

          Zuvor hatte Lauterbach in der „Bild am Sonntag“ das Meldeverfahren der Behörden als zu langsam kritisiert. Die Erkrankungen würden vom Gesundheitsamt vor Ort teils per Post über das Landesgesundheitsamt an das RKI mitgeteilt. Das dauere mindestens eine Woche. Lauterbach kündigte eine Untersuchung im Gesundheitsausschuss an. Die Kliniken sollten Ehec-Fälle direkt per Mail an das RKI melden.
          Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr will gemeinsam mit Bund und Länder das Verfahren überprüfen, wenn die Krise vorbei ist. Forderungen nach einer zentralen Stelle zur Seuchenbekämpfung erteilte der FDP-Politiker in der Zeitung erneut eine Absage.

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