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Ebola in Westafrika : Ungewöhnliche Mittel gegen die Seuche?

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Schon mehr als 900 Tote in Westafrika: Besucher werden am Eingang des Krankenhauses in Kenema, Sierra Leone, auf den aggressiven Ebola-Virus überprüft Bild: AP

Die Entscheidung wird mit Spannung erwartet: Im Kampf gegen Ebola berät die WHO, ob sie den Einsatz von Wirkstoffen, die noch nicht am Menschen erprobt wurden, empfiehlt – und wer diese dann bekommen soll.

          Es sind zwei heikle Fragen, mit denen sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Montag befasste: Sollen Ärzte angesichts der grassierenden Ebola-Epidemie Medikamente oder Impfstoffe einsetzen, die noch nie am Menschen erprobt wurden? Und falls ja: Nach welchen Kriterien soll man die wenigen vorhandenen Wirkstoffe verteilen? Weil das Thema so schwierig ist, hat die Organisation Medizin-Ethiker hinzugezogen. Sie können der Entscheidung, wie immer sie ausfallen mag, eine höhere Akzeptanz verleihen.

          „Das sind brisante ethische Fragen“, sagt der Medizin-Ethiker Jochen Taupitz von der Universität Mannheim. „Es geht um die Zuteilung knapper Ressourcen.“ Sollte die WHO sich zum Einsatz experimenteller Wirkstoffe durchringen, erwartet er, dass diese vorwiegend dem medizinischen Personal vorbehalten bleiben. „Das gewährleistet am ehesten, dass möglichst viele Menschen davon profitieren.“

          Besonders heftiger Ausbruch

          Hans-Dieter Klenk von der Universität Marburg spricht von einem Novum. „Früher dachten wir, dass sich die Ausbreitung von Ebola mit klassischen Mitteln bekämpfen lässt – mit Hygienemaßnahmen, Desinfektion und Schutzkleidung. Aber der Umfang und die Dynamik dieses Ausbruchs in Westafrika ist viel heftiger als früher in abgelegeneren Gebieten Afrikas“, sagte der Fachmann der Deutschen Gesellschaft für Virologie. „Da muss man sich Gedanken machen über neue Möglichkeiten.“

          An Wirkstoffen, die Affen zuverlässig helfen, mangelt es zwar nicht. Sie wurden jedoch noch nie in Versuchen an Menschen geprüft. Bei solchen Untersuchungen wird gewöhnlich zunächst an wenigen Teilnehmern die Sicherheit erprobt, bevor größere Studien sich auf die Wirksamkeit konzentrieren.

          Für Hoffnung sorgt etwa das Mittel „ZMapp“, mit dem zwei amerikanische Helfer und ein Spanier behandelt wurden, die sich in Liberia infiziert hatten. Weil der Wirkstoff nicht an Menschen getestet sei, könne man Risiken zwar nicht ausschließen, sagt der Immunologe Thomas Geisbert von der University of Texas in Galveston, einer der führenden Ebola-Forscher. Aber: „Die Daten für „ZMapp“ in nichtmenschlichen Primaten sind phänomenal, daher halte ich es für eine sehr gute Behandlungsoption.“

          Impfstoff könnte bis 2015 erhältlich sein

          Bekannt wurde auch ein Impfstoff auf Basis des Vesicular-Stomatitis-Virus (VSV): Damit wurde vor fünf Jahren eine Hamburger Labormitarbeiterin geimpft, die sich mit einer Ebola-Spritze gestochen hatte. Zwar ist unklar, ob die Frau sich tatsächlich infiziert hatte, aber Nebenwirkungen der Vakzine wurden damals nicht bekannt. Ihre Sicherheit soll bald in Deutschland geprüft werden. Und die Gesundheitsinstitute der Vereinigten Staaten (NIH) haben angekündigt, von September an einen Impfstoff zu testen, der bis Juli 2015 erhältlich sein könnte.

          „So lange kann man nicht warten“, betont Klenk. „Es ist eine Risikoabwägung: Auf der einen Seite steht eine Erkrankung, an der 60 bis 70 Prozent der Patienten sterben; auf der anderen Seite haben wir Medikamente und Impfstoffe, die vermutlich sehr wirksam sind, aber von denen wir nicht wissen, ob und welche Nebenwirkungen sie haben“, erläutert der Virologe – und fügt hinzu: „Ich denke, in dieser Situation sollte man diese Optionen nutzen.“

          Die WHO wollte ihre Entscheidung am Dienstagnachmittag auf einer Pressekonferenz bekanntgeben.

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