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Ebola und Corona in Guinea : An der Front gegen zwei Viren

Erhöhte Wachsamkeit auch im Nachbarland Liberia Bild: EPA

In Westafrika breitet sich neben Corona auch das Ebola-Virus wieder aus. In Guinea starben bereits sechs Personen. Die internationale Gemeinschaft schlägt Alarm.

          3 Min.

          In Westafrika wächst die Sorge vor Ebola, das erstmals seit 2016 wieder nachgewiesen wurde. Nach jüngsten Angaben starben in Guinea sechs Menschen an dem hochinfektiösen Virus, das zwischen 2013 und 2016 Tausenden in der Region das Leben gekostet hat. Acht Infizierte und mehr als 200 Kontaktpersonen wurden nach dem neuen Ausbruch registriert. Vor allem die Stadt Nzérékoré im Südosten Guineas ist betroffen. Schon im Dezember 2013 war es der dicht bewaldete Süden, von wo sich Ebola ausgebreitet hatte. Auch Kongo, das erst im November einen Ausbruch für beendet erklärt hatte, meldet neue Ebolafälle.

          Martin Franke
          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          Die Ausbrüche kommen zu einer ohnehin schwierigen Zeit. Sie stellten „eine ernstzunehmende Bedrohung dar“, sagte der Leiter der panafrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC, John Nkengasong, am Donnerstag. Es betreffe Länder, die schon im Kampf gegen die Corona-Pandemie arg in Mitleidenschaft gezogen worden seien. Das Gesundheitssystem in Guinea ist schwach und muss außer Covid-19 auch Gelbfieber und Masern in den Griff bekommen. Das Land meldete seit Beginn der Corona-Pandemie 15.154 Infektionen. In der Demokratischen Republik Kongo haben sich bislang 24.794 Menschen mit Corona angesteckt. Die Dunkelziffer dürfte in beiden Ländern – wie auch im Rest des Kontinents – deutlich höher liegen. Afrika erlebt zur Zeit die zweite Welle.

          Verbreitung über Flughunde und Affen

          Auch die internationale Gemeinschaft zeigt sich besorgt über die Rückkehr von Ebola in Westafrika. Amerikas Präsident Joe Biden nannte den jüngsten Ausbruch in seiner Rede zur Münchner Sicherheitskonferenz am Freitagabend. Das Weiße Haus hat Guinea, der Demokratischen Republik Kongo, Sierra Leone und Liberia bereits Hilfe angeboten. „Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um schnell zu reagieren, bevor die Ausbrüche zu großflächigen Epidemien werden“, sagte seine Sprecherin Jen Psaki. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kündigte an, mehr als hundert Experten zur Unterstützung der Gesundheitsbehörden nach Guinea und Kongo zu entsenden. Laut WHO sollen am Sonntag zudem mehr als 11.000 Dosen Ebola-Impfstoff in der guineischen Hauptstadt Conakry eintreffen und von dort in die betroffene Region im Süden geflogen werden. Die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ bereite einen Einsatz vor, hieß es am Freitag in Berlin.

          Bereits 1976 entdeckte ein belgisches Forscherteam das damals für die Wissenschaft neue Virus in einem kleinen Urwalddorf in Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo. Die Forscher benannten den Krankheitserreger nach dem nächstgelegenen Fluss – Ebola. In den Folgejahren gab es weitere lokal begrenzte Ausbrüche der Krankheit in Zentralafrika, bei denen jeweils mehrere hundert Menschen starben. Flughunde und Affen, die das Virus als Wirtstiere in sich tragen, schleppten Ebola über die Landesgrenzen hinweg bis nach Westafrika.

          Eine Ebola-Infektion führt meist zu hohem Fieber und inneren Blutungen und endet sehr oft tödlich. Die meisten Überlebenden leiden auch später noch unter den Folgen der Krankheit, darunter Augen- und Gliederschmerzen, Haarausfall, Depressionen und Angstattacken sowie dem Ausbleiben der Menstruation bei Frauen.

          Hotspot in Grenznähe

          Die verheerendste Epidemie seit der Entdeckung des Virus wütete von 2013 bis 2016 in Guinea, Sierra Leone und Liberia. Rund 28.000 Menschen infizierten sich mit dem Virus, mehr als 11.000 starben. Der Patient null, ein zwei Jahre alter Junge, wurde im Dezember 2013 im Süden von Guinea beerdigt. Die Ärzte waren mit dem Erreger zu diesem Zeitpunkt noch nicht vertraut. Vielmehr vermuteten sie eine Cholera-Erkrankung. Durch die Totenwaschung und den Kontakt mit dem Leichnam bei der Beerdigung erwuchs aus Patient null eine gefährliche Seuche für die gesamte Region: Die Verwandten exportierten das Virus in ihre Dörfer, steckten weitere an – es begann ein Wettlauf gegen die Zeit. Westafrika ist dichter besiedelt als Zentralafrika, und die Menschen sind mobiler als in anderen Regionen des Kontinents. In besonders hohem Maße hatte das Virus Tote unter medizinischem Personal gefordert.

          Die Bedingungen dürften inzwischen jedoch andere sein: Die Menschen in Westafrika haben aus der Ebola-Krise gelernt – an vielen Straßenecken und Checkpoints stehen Eimer mit Wasser und Seife. Das Land habe „große Erfahrungen“ in der Ebola-Bekämpfung, sagte der WHO-Landesvertreter Alfred George Ki-Zerbo vor knapp einer Woche. Die Gesundheitszentren verfolgten die Kontaktketten, isolierten Infizierte und informierten die Bevölkerung.

          Problematisch ist trotz allem die geografische Lage des Hotspots: Die in Guinea betroffene Stadt Nzérékoré befindet sich in Grenznähe zu Liberia und zur Elfenbeinküste. „Bisher wurden aber noch keine Kontakte gemeldet, die in Nachbarländer gereist sind“, hieß es von der WHO.

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