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Ebola in Kongo : Angst vor einer Epidemie

Krankenpfleger in Schutzkleidung Mitte Mai im Kongo: Das Ebola-Virus ist äußerst ansteckend. Bild: AFP

In Kongo ist das tödliche Ebola-Virus wieder aufgetaucht, die Angst vor einer weiteren Epidemie ist groß. Doch ein neuer Impfstoff macht Hoffnung.

          Zwei Jahre nach dem Ende des Ebola-Ausbruchs, der in Westafrika rund 11.000 Menschenleben gefordert hat, könnte dem Kontinent eine neue Epidemie bevorstehen – diesmal in Kongo, jenem Land, in dem das Virus 1976 entdeckt worden war. Seit Ende März in der Provinz Äquatoria ein erster Fall gemeldet wurde, hat sich das Virus schnell ausgebreitet. Bisherige Bilanz laut dem Auswärtigen Amt, das vor Reisen in die Region dringend abrät: „32 Fälle, 18 Todesfälle, 2 laborbestätigte, 12 Verdachts- und 18 wahrscheinliche Fälle“. Seit der Entdeckung des tückischen Virus ist dies der neunte Ebola-Ausbruch in Kongo.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Eine öffentliche Gesundheitskrise mit internationalen Auswirkungen nennen kongolesische Behörden den Ausbruch, dessen Epizentrum sich in der Umgebung der Stadt Bikoro, nahe der Grenze zu Kongo-Brazzaville, befindet. Alarmiert ist auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). „Wir bereiten uns auf alle Szenarien vor, auch auf das Schlimmste“, verkündete deren Direktor für Katastropheneinsätze, Peter Salama, und entsandte ein Team in die betroffene Region, das dort die Arbeit der Provinzialdivision für Gesundheit und der Nothelfer von Ärzte ohne Grenzen unterstützen soll. Insgesamt stellt die WHO 50 Fachleute und aus einem Notfallfonds eine Million Dollar zur Bekämpfung der Epidemie zur Verfügung. Gleichzeitig wird die Lieferung von 4000 Dosen eines neu entwickelten Ebola-Impfstoffs vorbereitet. Die Sorge: Über das gemeinsame weitverzweigte Fluss-System könnte das Virus in die benachbarten Länder Zentralafrikanische Republik und Kongo-Brazzaville gelangen und sich von dort weiter ausbreiten. „Wir haben bereits neun Nachbarländer in höchste Alarmbereitschaft versetzt“, sagt Salama. Für akut gefährdet hält der WHO-Mann auch die kongolesische Großstadt Mbandaka mit fast einer Million Einwohnern.

          Nach Angaben der WHO liegt die Sterblichkeitsrate bei 25 bis 90 Prozent der mit Ebola Infizierten. Das Virus kann über Körperflüssigkeiten oder den Verzehr von Buschfleisch übertragen werden. Die Inkubationszeit beträgt meist wenige Tage. Die Symptome sind zunächst grippeähnlich. Betroffene leiden unter Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen. Später kommt ein hamörrhagisches Fieber dazu. Viele Patienten sterben an septischen Schocks und multiplem Organversagen.

          Die größten Hoffnungen der Seuchenbekämpfer ruhen derzeit auf dem Einsatz des Impfstoffs rVSV-ZEBOV, der von kanadischen Gesundheitsbehörden entwickelt und dann unter anderem mit Fördermitteln der Impfstoffallianz GAVI vom amerikanischen Pharmariesen Merck Sharp & Dohme (MSD) veredelt wurde. Zwar ist der Impfstoff noch nicht zugelassen, in Westafrika wurde er aber bereits erfolgreich getestet. Unter mehreren Tausend geimpften Menschen wurde während der großen Epidemie, die zwischen 2014 und 2016 hauptsächlich die Länder Liberia, Guinea und Sierra Leone betraf, kein neuer Ebola-Fall gemeldet.

          Katastrophale Infrastruktur im Norden

          Für Notfälle und klinische Studien hat die Firma Merck & Co in den Vereinigten Staaten bislang 300.000 Dosen des neuen Impfstoffs produziert, von Ende 2018 an soll er dann auch in Deutschland hergestellt werden. Dafür investiert das Unternehmen 30 Millionen Euro in seinen Produktionsstandort Burgwedel bei Hannover und hat bereits einige Dutzend neue Mitarbeiter eingestellt. Die deutsche Anlage soll auf die Produktion von bis zu 1,5 Millionen Dosen Impfstoff ausgelegt werden. Nach Einschätzung von Klaus Cichutek, dem Präsidenten des Paul-Ehrlich-Instituts, könnte die Europäische Arzneimittelbehörde das Medikament noch bis zum Jahr 2019 zulassen.

          Am meisten macht den Helfern der WHO zur Zeit die katastrophale Infrastruktur im Norden von Kongo zu schaffen. Erste Mitarbeiter mussten mit dem Hubschrauber in das Krisengebiet eingeflogen werden. „Es gibt sehr wenige befestigte Straßen, sehr wenig Elektrizität, wenig Wasser oder sanitäre Anlagen“, sagt Peter Salama. Um die schnelle Lieferung von Medikamenten zu gewährleisten, müsse eine Luftbrücke eingerichtet werden. Der Impfstoff gilt zwar als hocheffizient, er ist aber auch sehr empfindlich. Er muss bei Temperaturen von minus 60 bis minus 80 Grad gelagert werden.

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