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Ebola-Epidemie : Nicht beherrschbar

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Hochmobil, aber schlecht informiert

Der Epidemie in Westafrika ist auch deshalb so schwer beizukommen, weil die Menschen zwar hochmobil sind, aber schlecht informiert. Aufklärungskampagnen laufen ins Leere, weil die Seuche besonders dort wütet, wo das Bildungsniveau am niedrigsten ist: auf dem Land. Die Menschen dort wollen nicht verstehen, dass der Verzehr von Wildfleisch den schnellsten Weg in Jenseits darstellt. Sie vermögen nicht einzusehen, dass sie ihre Toten bei der Beerdigung nicht mehr berühren dürfen, weil der Kontakt mit den Körperflüssigkeiten eines Ebola-Opfers einem entsicherten Revolver an der Schläfe gleichkommt. In Guinea waren am Freitag die Leichen von neun jungen Frauen und Männern gefunden worden, die im Busch Aufklärungshilfe leisten wollten. Ein wütender Mob lynchte die Gruppe, weil sich in der Region hartnäckig ein Gerücht hält, wonach Ebola gar nicht existiere und eine entsprechende Diagnose nur ein Trick sei, um die Kranken zu töten und ihre Organe zu verkaufen.

In ihrer Verzweiflung greifen die Regierungen in Sierra Leone und Liberia mittlerweile zu drastischen Maßnahmen. In der liberianischen Hauptstadt Monrovia wurde ein ganzer Slum von der Außenwelt abgeriegelt, um Infizierte wiederzufinden, die zuvor aus einer improvisierten Klinik geflohen waren. Die Polizei feuerte mit Sturmgewehren auf die aufgebrachte Menge. In Sierra Leone herrscht seit Freitagmorgen eine generelle Ausgangssperre, die erst an diesem Sonntag aufgehoben werden soll. 30 000 freiwillige Helfer suchten während dieser Zeit unter den fünf Millionen Einwohnern von SierraLeone nach weiteren, noch nicht gemeldeten Kranken. Die Regierung in Freetown verspricht sich davon, die Infektionskette zu durchbrechen. In Kongo-Kinshasa, dem Land mit der größten Erfahrung bei der Bekämpfung von Ebola, gehören solche radikalen Schritte zum Standardrepertoire. Doch die Seuchenherde in Kongo sind stets lokal begrenzt und liegen fast immer in kaum besiedelten Gebieten, so dass das Abriegeln von zwei oder drei Dörfern unmittelbar Wirkung zeigt. Ob diese Methode aber erfolgreich auf ein ganzes Land übertragen werden kann, ist umstritten.

Jenseits der menschlichen Dramen stellt sich für die betroffenen Länder die Frage nach den Kosten dieser Epidemie. Alleine in Sierra Leone ist die Wirtschaftskraft nach Einschätzung des Landwirtschaftsministers Joseph Sam Sesay seit Ausbruch im Frühjahr um 30 Prozent zurückgegangen. Ursache dafür ist ein starker Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion, weil Gemüse und Früchte aufgrund der eingeschränkten Bewegungsfreiheit kaum noch auf die Märkte gelangen. Dabei leben 66 Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft.

Guinea wird sein prognostiziertes Wirtschaftswachstum von 4,5 Prozent für dieses Jahr nach Schätzungen der Weltbank auf 3,5 Prozent reduzieren müssen. Dort steht die größte Eisenerzmine der Welt, die mehrheitlich dem brasilianischen Konzern Vale gehört, seit Monaten still. Guinea, Liberia und Sierra Leone haben inzwischen hochverzinste Staatsanleihen mit kurzen Laufzeiten aufgelegt, um den Kampf gegen Ebola zu finanzieren. Doch diese zusätzlichen Schulden drohen die Länder noch tiefer in die Krise rutschen zu lassen. Zusammen erwirtschaften Guinea, Liberia und Sierra Leone ein Bruttoinlandsprodukt von lediglich 10,4 Milliarden Euro. Die Vereinten Nationen rechnen mit vorläufigen Kosten von mindestens einer Milliarde Dollar, um der Epidemie Herr zu werden, sofern sie sich nicht weiter so rasant ausbreitet wie bislang.

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