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Epidemie in Westafrika : Bundeswehr prüft Einsatz in Kampf gegen Ebola

  • Aktualisiert am

Eine Transall-Transportmaschine der Bundeswehr auf dem Flughafen von Mopti in Mali (Archivbild) Bild: dpa

Die Präsidentin Liberias bat Angela Merkel in einem bewegenden Schreiben um Unterstützung im Kampf gegen die Ebola-Epidemie. Das sagt die Kanzlerin nun zu. Auch die Bundeswehr prüft einen Hilfseinsatz.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Liberia rasche Hilfe im Kampf gegen das tödliche Ebola-Virus versprochen. Dabei könnte auch die Bundeswehr zum Einsatz kommen. Die Kanzlerin erklärte am Mittwoch, es gehe um Lufttransporte, sichere Rücktransporte für Ärzte und andere Helfer sowie um eine Krankenstation und die Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

          „Die Situation in Liberia ist in der Tat dramatisch“, sagte Merkel. „Wir werden sehr schnell agieren und mit allem dem, was wir zur Verfügung haben, bereitstehen.“ Vorausgegangen war der Ankündigung ein persönlicher Appell der liberianischen Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf an die Kanzlerin. Johnson-Sirleaf hatte Angela Merkel und neun weitere Staatschefs um Hilfe gebeten.

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          Aus Regierungskreisen gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass sich deutsche Soldaten über die Einrichtung einer Luftbrücke hinaus an Ebola-Hilfseinsätzen in Westafrika beteiligen werden. Auch die Bundeswehr prüfe, ob sie logistische Hilfe leisten könne, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Mittwoch in Berlin.

          Ein Einsatz der Bundeswehr habe keine Priorität, sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, dem „Handelsblatt“. „Wir werden die finanzielle Hilfe deutlich aufstocken müssen“, fügte er hinzu. Die Fraktion der Linken im Bundestag bezeichnete die Hilfen der Bundesregierung als zu gering und zu zögerlich.

          Kritik kam unmittelbar vor Merkels Ankündigung auf von „Ärzte ohne Grenzen“. Die Hilfsorganisation forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, entschlossener beim Kampf gegen Ebola zu helfen: „Die Bundesregierung hat bisher kaum auf die Epidemie reagiert“, hieß es in einem offenen Brief. So müsse Deutschland zum Beispiel direkt beim Aufbau und Betrieb von Isolierstationen helfen.

          Die Vereinigten Staaten haben bereits Hilfe durch ihre Einsatzkräfte zugesagt. 3000 Soldaten sollen in Zusammenarbeit mit lokalen Behörden 17 Kliniken für Patienten in Liberia, Guinea und Sierra Leone bauen. In den kommenden sechs Monaten will Amerika zudem pro Woche bis zu 500 Pflegekräfte im Umgang mit Ebola schulen sowie Medikamente und Desinfektionsmittel an Hunderttausende Haushalte verteilen.

          In der liberianischen Hauptstadt Monrovia wollen die Vereinigten Staaten eine Kommandozentrale errichten, im Senegal einen Sammelpunkt. Eine Luftbrücke soll helfen, Ärzte, Hilfsarbeiter und Medikamente schneller nach Westafrika zu bringen. „Die Welt weiß, wie sie diese Krankheit bekämpfen kann. Es ist kein Rätsel“, sagte Präsident Barack Obama am Dienstag nach einem Besuch bei der amerikanischen Seuchenbehörde (CDC). UN-Generalsekretär Ban Ki-moon lobte das Engagement der Vereinigten Staaten und rief andere Länder auf, diesem Beispiel zu folgen.

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