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Ebola-Ausbruch in Afrika : „Flughunde dürft ihr jetzt nicht mehr essen“

  • -Aktualisiert am

Ärzte und Mitarbeiter der Regierung kämpfen in Guinea gegen die Ebola-Epidemie. Bild: AFP

Das tödliche Virus Ebola breitet sich in Guinea weiter aus. Mehr als 60 Menschen sind bisher gestorben. Die Regierung versucht nun mit ungewöhnlichen Maßnahmen gegen die Epidemie vorzugehen.

          Um den Ebola-Ausbruch in Guinea einzudämmen, greift die Regierung des westafrikanischen Landes inzwischen zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Zwei Tage lang war Gesundheitsminister René Lamah in den Orten Guékédou, Kissidougou und Macenta an der Grenze zu Liberia unterwegs, dem vermutlichen Herd der Seuche, und wenn er vor der Bevölkerung auftrat, zog er einen toten Flughund aus einem Sack. „Das hier“, so die Botschaft des Ministers, „dürft ihr nicht mehr essen.“ Flughunde (lateinisch: Pteropodidae) gelten als Wirt des tödlichen Ebola-Virus.

          Der Übertragungsweg des Virus auf den Menschen, so wird gemutmaßt, verläuft zwar in erster Linie über den Verzehr von Affen, die sich zuvor mit Früchten infiziert hatten, an denen wiederum Kot von Flughunden haftete. In Westafrika indes gelten die Flughunde selbst als Delikatesse, und Gerichten mit Flughundfleisch wird eine heilende Wirkung nach heftigem Alkoholgenuss nachgesagt. Das Fleisch der Tiere wird dafür gekocht, bis es faserig ist, und anschließend einer Pfeffersuppe beigegeben. Flughund wird auch gern langsam über offenem Feuer gegrillt. Flughundfleisch ist reich an Proteinen und vor allem preiswert, weil es in den Wäldern Westafrikas von den Tieren wimmelt und sie leicht zu fangen sind.

          Die Leute geraten in Panik

          „Diese Epidemie hat uns kalt erwischt“, gab Lamah am Dienstag zu. Das hat auch damit zu tun, dass es in Westafrika noch nie einen ernsthaften Ausbruch der Seuche gab, obwohl Ebola unter Schimpansen im ivorischen Taï-Regenwald an der Grenze zu Liberia mehrfach diagnostiziert wurde. Die ivorische Unterart des Virus gilt aber als weniger aggressiv als die Unterarten in Zentralafrika. Die hohe Sterberate in Guinea (bislang 62 Opfer unter mutmaßlich 80 identifizierten Fällen) kommt deshalb überraschend, und die Leute geraten in Panik. In der Hauptstadt Conakry meiden die Bewohner mittlerweile den Handschlag zur Begrüßung, und viele Kneipen machen aus Mangel an Kundschaft schon um 20 Uhr dicht. Dabei haben sich die ersten Meldungen, wonach in der Hauptstadt ebenfalls Ebola-Fälle diagnostiziert worden seien, inzwischen als nicht zutreffend herausgestellt.

          Halbwegs gesichert scheint inzwischen zu sein, dass ein Begräbnis – mutmaßlich die Bestattung des ersten Ebola-Opfers – den Ausbruch de Seuche befeuert hat. Bei afrikanischen Trauerritualen ist der körperliche Kontakt mit dem Leichnam normal. Das Ebola-Virus überträgt sich bei Menschen durch Körperflüssigkeiten. Das würde auch die Verdachtsfälle in den Nachbarländern Sierra Leone und Liberia erklären – von dort kamen wohl auch Trauernde zu der Beerdigung. Ob das erste Opfer sich aber beim Verzehr eines Flughundes infiziert hat, ist noch Spekulation. Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ hat in den Gebieten inzwischen zwei Isolierstationen eingerichtet. Die beste Methode zur Eindämmung von Ebola ist radikal: Soldaten schneiden die betreffenden Orte von der Außenwelt ab. So weit will die guineische Regierung aber offenbar noch nicht gehen.

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