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Ebola : Amerika will Quarantäne wieder aufheben

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Das Banner an einer Wand in Conakry in Guinea ruft zum Durchhalten und Kämpfen gegen Ebola auf Bild: Reuters

Unkoordiniert und überhastet: So nennt das Weiße Haus Medienberichten zufolge die Ebola-Quarantäne, die mehrere amerikanische Bundesstaaten angeordnet hatten. Diese soll nun wieder aufgehoben werden.

          Die amerikanische Regierung versucht einem Zeitungsbericht zufolge mehrere Bundesstaaten zur Aufhebung ihrer Zwangsquarantänen für aus Westafrika heimkehrende Ebola-Helfer zu bewegen. Wie die „New York Times“ am Sonntag unter Berufung auf Insider berichtete, stehen hochrangige Regierungsvertreter dazu in ständigem Kontakt mit den Gouverneuren von New York und New Jersey. Die von ihnen erlassenen Maßnahmen seien „unkoordiniert, überhastet’“ und eine Reaktion auf den jüngsten Fall in New York, die „’nicht im Einklang mit der Wissenschaft steht’“. Der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, erklärte dagegen in einem Interview mit „Fox News“, er stehe zu seiner Entscheidung.

          Nach New York und New Jersey schrieb der Bundesstaat Illinois am Samstag ebenfalls eine 21-tägige Quarantäne für medizinisches Personal vor. In allen drei Staaten liegen Flughäfen, über die Passagiere aus Westafrika in die Vereinigten Staaten gelangen. Dies gilt jedoch nicht für Florida, das am Sonntag als vierter Bundesstaat eine entsprechende Vorschrift erließ. Gouverneur Rick Scott warf den Zentren für Seuchenkontrolle (CDC) vor, keine Hilfestellung zu liefern für eine Einschätzung, welche Gefahr von Rückkehrern aus Westafrika ausgehe. Daher habe auch er die Quarantäne eingeführt. Ein CDC-Sprecher erklärte per E-Mail, entsprechende Informationen zum Risiko lägen nicht vor.

          Ein Vertreter der Nationalen Gesundheitsinstitute (NIH) warnte auf CNN vor etwaigen unbeabsichtigten Folgen der neuen Quarantänevorschriften. Diese könnten amerikanische Ärzte und -Pflegepersonal davon abschrecken, nach Afrika zu reisen und die Seuche an ihrem Ursprung zu bekämpfen, erklärte Anthony Fauci, Leiter des NIH-Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten. Dabei sei der beste Schutz für die amerikanische Bevölkerung, Ebola in Afrika zu besiegen.

          Mehr als 10.000 Erkrankte

          Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf meldete weltweit insgesamt 10.141 Erkrankte, von denen 4.922 starben. Die allermeisten Fälle gibt es in Westafrika, wo die Dunkelziffer noch viel höher sein dürfte. In Mali ist die erste Ebola-Patientin gestorben. Das kleine Mädchen war aus Guinea gekommen. Dutzende Kontaktpersonen werden beobachtet.

          Die höchste Zahl an Ebola-Kranken weist Liberia auf. In dem Land wurden 4.665 Infizierte gezählt, von denen 2.705 starben. In Sierra Leone wurden 3.896 Kranke gezählt, von denen 1.281 nicht überlebten. In Guinea, wo im Dezember 2013 der erste Ebola-Fall auftrat, erkrankten bisher 1.553 Menschen, davon starben 926. Nigeria (20 Fälle) und Senegal (ein Fall) wurden inzwischen für Ebola-frei erklärt.

          Sierra Leone droht wegen der Epidemie der wirtschaftliche Ruin. Schulen seien geschlossen, die Transporte von Lebensmitteln würden durch Straßensperren behindert, sagte Jochen Moninger, Leiter des Büros der Deutschen Welthungerhilfe in dem Land, der „WirtschaftsWoche“. „Es gibt jeden Tag 40 bis 50 neue Ebola-Fälle. Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Zahl der Neuinfizierten bis Ende des Jahres auf 200 bis 300 pro Tag ansteigt.“

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