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Drogenbericht : Jugendliche greifen seltener zu Zigaretten, Alkohol und Cannabis

  • Aktualisiert am

Knapp 45 Prozent der jungen Männer in Deutschland trinken zu viel Alkohol. Bild: dpa

Der Drogenkonsum unter Jugendlichen geht in Deutschland weiter zurück. Problematisch aber bleibt das Rauschtrinken. Vor allem junge Erwachsenen trinken regelmäßig zu viel Alkohol.

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          Der Konsum von Zigaretten, Alkohol und Cannabis geht bei Jugendlichen weiter zurück. Wie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), am Mittwoch in Berlin mitteilte, sank der Anteil der regelmäßigen Alkoholtrinker unter den Zwölf- bis Siebzehnjährigen von knapp 18 Prozent im Jahr 2001 auf gut 14 Prozent im Jahr 2011. Der Anteil der Raucher unter den Jugendlichen hat sich auf knapp zwölf Prozent sogar mehr als halbiert (2001: 27,5 Prozent). Der regelmäßige Cannabiskonsum ging von gut neun auf rund 4,5 Prozent zurück.

          Problematisch bleibt laut Drogen- und Suchbericht 2013 das Rauschtrinken. Die Gruppe der jungen Erwachsenen (18 bis 29 Jahre) ist dabei am auffälligsten: Gut 32 Prozent der Frauen und knapp 45 Prozent der Männer wird ein riskanter Konsum bescheinigt. In höheren Altersgruppen ist der Anteil deutlich niedriger. Rauschtrinker fänden sich laut Bericht in allen Berufsgruppen und Gesellschaftsschichten. „Durch Alkoholmissbrauch entstehen erhebliche ökonomische und gesundheitliche Schäden“, sagte Dyckmans. Beratungs- und Aufklärungsprogramme sollen daher verstärkt gefördert werden.

          Dyckmans präsentierte bisher unveröffentlichte Zahlen des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) zu verschiedenen Rauschmitteln. Laut einer Erhebung aus dem Jahr 2010 zählen rund 27 Prozent der Deutschen zu den Risikokonsumenten beim Alkohol. Das Institut befragte Männer und Frauen im Alter von 18 bis 79 Jahren, ob sie in den 30 Tagen vor der Umfrage täglich mehr als 12 Gramm Alkohol (Frauen) oder mehr als 24 Gramm Alkohol (Männer) zu sich genommen haben. Ein kleines Bier (0,3 Liter) entspricht etwa 12 Gramm Alkohol. Ein täglicher Konsum dieser Menge gilt als Risikokonsum.

          Daten des Mikrozensus 2009 zufolge rauchen 14,7 Millionen Männer und Frauen in Deutschland. Knapp ein Viertel der 18- bis 79-jährigen Raucher greift täglich zur Zigarette. Dyckmans bekräftigte daher ihre Forderung, Außenwerbung für Zigaretten generell zu verbieten. Zur Zeit werde ein entsprechendes Gesetz geprüft. Einwände gibt es laut Dyckmans vor allem aus dem Wirtschaftsministerium und aus dem Bundeskanzleramt. Zudem sprach sich die Drogenbeauftragte für ein bundesweit einheitliches strenges Nichtraucherschutzgesetz aus.

          Besondere Sorge bereitet Dyckmans der gestiegene Konsum der psychoaktiven Substanz ’Chrystal Meth’. Erhebungen des Bundeskriminalamts zufolge trete die Droge bisher vor allem in den Grenzgebieten zu Tschechien (Bayern, Thüringen oder Sachsen) und nicht bundesweit auf. Die Zahl der registrierten Konsumenten hatte sich dort im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt (plus 66,3 Prozent). Dyckmans setzt sich verstärkt für Präventionsmaßnehmen vor Ort ein. Befürchtungen, dass es sich bereits um ein bundesweites Problem handelt, wies die Drogenbeauftragte zurück. Um Verbreitung und Konsum psychoaktiver Substanzen zu bekämpfen, wurden Mitte Mai 25 neue Präparate in die Liste des Betäubungsmittelgesetzes aufgenommen.

          Dyckmans appellierte zudem an die Arbeitgeber, auch ehemalige Süchtige bei der Jobvergabe zu berücksichtigen. Der Schlüssel zur erfolgreichen Behandlung liege darin, Betroffene dauerhaft wieder in das Arbeitsleben zu integrieren. „Sucht ist eine Krankheit, aber sie ist behandelbar“, sagte Dyckmans. Deutschland müsse zudem bei Präventionsmaßnahmen und bei den Behandlungstherapien sich stärker mit anderen Staaten austauschen.

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