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Jugendschutz : Drogenbeauftragte für Rauchverbot in Autos mit Kind

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Rauchen am Steuer würde die Bundesdrogenbeauftragte gerne verbieten, wenn Kinder mitfahren. Bild: dpa

Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler fordert ein Rauchverbot in Autos - zumindest wenn Kinder mit an Bord sind. Die gängigen Argumente gegen ein solches Gesetz lässt sie nicht gelten.

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          Wenn Minderjährige in einem Auto mitfahren, soll künftig im Wagen ein Rauchverbot gelten. Das fordert zumindest die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU). „Ich würde die Prüfung eines solchen Verbots innerhalb des Kinder- und Jugendschutzes sehr begrüßen“, sagte Mortler der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Die Krebsforschung zeige, dass die Belastung im Auto so hoch sein könne wie in einer verqualmten Kneipe. „Oft wird ja argumentiert, man greife zu tief in die Freiheitsrechte der Eltern ein“, sagte Mortler. Aber es gehe darum, dass Kinder „dauerhaft geschädigt“ würden.

          Unterstützung erhält die Politikerin von Krebsspezialisten und Ärzten. Besonders im Auto seien Kinder den giftigen und krebserzeugenden Substanzen des Tabakrauchs schutzlos ausgeliefert, sagte der Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Ulrich Fegeler. „Die Belastung in einem Auto kann man gut vergleichen: Nur eine einzige Zigarette hat dieselbe Belastung, wie wenn man einen Tag lang auf der dicht befahrendsten Straße in Berlin stehen würde.“

          Das Passivrauchen in einem derartig engen Raum könnte dem Wachstum von Kindern und Jugendlichen nachhaltig schaden. „Selbst wenn Fenster oder Schiebedach geöffnet werden, ist die Gefahr für Kinder und Jugendliche immens“, sagte Fegeler. „Wir unterstützen die Forderung deshalb ausdrücklich“. Auch bei geöffnetem Fenster könnten im Auto ähnliche Werte wie in einer Raucherkneipe gemessen werden, resümierte die Krebsexpertin Martina Pötschke-Langer in einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg.

          Strikt gegen Legalisierung von Cannabis

          Mortler verwies bei ihrer Forderung auch auf eine entsprechende Regelung, die am 1. Oktober in Großbritannien in Kraft tritt. Dort darf in einem Auto dann nicht mehr geraucht werden, wenn einer der Beifahrer unter 18 Jahre alt ist. Verstöße werden mit einem Bußgeld von umgerechnet 85 Euro bestraft. Ob bei geöffneten Fenstern oder offenem Schiebedach gequalmt wird, macht dabei keinen Unterschied. Auch beim Alkoholkonsum seien Eltern oft ein schlechtes Vorbild. „Hier ist noch viel Aufklärung nötig.“

          Eine von Mortlers Vorgängerinnen, Sabine Bätzing, hatte vor Jahren scharfe Kritik auf sich gezogen, als sie ein Rauchverbot in Autos vorgeschlagen hatte. Für den Deutschen Zigarettenverband ist jedoch gerade aus diesem Grund ein Verbot überflüssig: Es gebe kein Informationsdefizit, deshalb sei die Forderung zum Schutz von Minderjährigen haltlos. „Mündige Bürger können das selbst entscheiden, ohne dass es dafür eines staatlichen Verbotes bedürfte“, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Raucherverband, Jan Mücke.

          Eine Legalisierung von Cannabis, wie sie zuletzt mehrere Politiker forderten, lehnte Mortler indes strikt ab. „Man kann die Tür leicht öffnen, aber nur schwer wieder schließen.“ Viele Mediziner hielten Cannabis für „alles andere als ungefährlich“.

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