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Drogen „Crystal“ und „Speed“ : Ein Gift für alle Lebenslagen

Schmuggelware: Vier Tütchen mit je einem Gramm Methamphetamin, die der Zoll an der bayerisch-tschechischen Grenze beschlagnahmt hat Bild: Schmitt, Tobias

Schüler und Berufstätige, Müttern wie Väter greifen zu den Drogen „Speed“ und „Crystal“. Die Gründe für den Konsum sind ebenso vielfältig.

          „Um wach zu bleiben, weil es leistungsfördernd ist, mehr Leistung heißt mehr Geld. Um zu beweisen, dass ich auch mit 54 noch fit bin für den Arbeitsmarkt.“ Diese Aussage eines Konsumenten von Stimulanzien wie Amphetamin („Speed“) oder Methamphetamin („Crystal Meth“) zeigt, dass diese Rauschgifte in Deutschland von sehr unterschiedlichen Gruppen konsumiert werden. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie, die das Bundesgesundheitsministerium am Montag in Berlin veröffentlicht hat. Knapp 400 Konsumenten wurden von Mitarbeitern des Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung an der Universität Hamburg unter anderem zu ihren Lebensumständen, ihren Konsumgewohnheiten und ihrem ersten Kontakt zu Rauschgiften befragt. Zwar seien die Aussagen zurückhaltend zu interpretieren, da die Untersuchung keine repräsentative Befragung sei. Doch wurden mit ihr internationale Forschungsergebnisse bestätigt, die auch schon gezeigt hatten, dass „Speed“ oder „Crystal Meth“ in verschiedenen Lebenssituationen genommen werden. In Deutschland ist dabei nach den Angaben vor allem seit 2009 in Regionen in Bayern oder Sachsen an der Grenze zur Tschechischen Republik ein Anstieg des Missbrauchs von Methamphetamin zu beobachten.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die befragten Personen wurden in sieben Gruppen eingeteilt: Manche konsumierten nur in der Freizeit, manche für bessere Leistungen in Schule, Ausbildung oder Beruf. Andere hingegen, um mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen besser umgehen zu können. Einige Konsumenten kamen auch aus der „schwulen Party-Szene“, manche hatten Kinder, wieder andere zeigten besonders „riskante Konsumgewohnheiten“. Gründe für den Konsum wie „Erreichen einer Deadline“ oder „viel Arbeit (freelancing) ohne Leistungstief zu erledigen“ wurden von Befragten aus der Gruppe „Beruf“ angegeben. Hier sei auffällig, dass Angaben zu „Crystal“ tendenziell häufiger im Zusammenhang mit schwerer körperlicher Arbeit gemacht wurden, sie kamen also eher von Handwerkern. So gab ein Konsument zu Protokoll, auch „Crystal“ genommen zu haben, „um Leistung zu steigern, besonders im Beruf im Trockenbau und als Küchenhelfer, das war ziemlich anstrengend“.

          Die positiven Seiten des Konsums werden nicht vor Augen geführt

          „Speed“ nannten hingegen tendenziell eher Personen mit kreativen Berufen oder Bürotätigkeiten. Vereinzelt wurde auch der Konsum von „Speed“ in den Zusammenhang mit den Aufgaben als Mutter oder Vater gebracht, zum Beispiel um „mehr leisten zu können, besonders im Haushalt beim Saubermachen und auch für die Kinder fit zu sein“. Viele Konsumenten sagten, die Rauschgifte für exzessives Tanzen und „Partymachen“ zu brauchen: „Es macht großen Spaß. Man teilt sich auch mit Freunden ein Geheimnis auf der dreckigen Party-Toilette.“ Eine Gruppe stellten Homosexuelle dar, die sich einer „schwulen Sexparty-Szene“ zuordneten. Hier sei das „sexuelle Erleben“ in den Vordergrund gestellt worden: „Ich verwende Drogen einzig und allein beim Sex. Je nach Substanz kann ich dann Einfluss auf die Art und Möglichkeiten nehmen. In der schwulen Subkultur mit ihren Sexpartys spielen Drogen inzwischen eine recht große Rolle.“

          Da die Gründe so vielfältig sind, ist nach den Worten der Drogenbeauftragten für die Bundesregierung die Prävention eine besondere Herausforderung. „Wir brauchen vielfältige, zielgruppenspezifische Maßnahmen, um den einzelnen Gruppen gerecht werden zu können“, sagte Marlene Mortler. Hier sollten vor allem auch die Vorschläge der Teilnehmer der Studie berücksichtigt werden, um die Prävention zu verbessern. Vor diesem Hintergrund könnten schon bestehende Programme bewertet werden. Auch die Hinweise von weiteren 71 Befragten der Untersuchung seien hilfreich, da diese seit mindestens einem Jahr nicht mehr konsumiert hätten und über unterschiedliche „Ausstiegswege“ berichteten.

          Bei den Konsumenten hingegen wurden unterschiedliche Präventionsprojekte bevorzugt. Während die einen sich dafür aussprachen, dass „suchterfahrene“ Fachleute in Schulen gingen, um dort vor den Gefahren zu warnen, gaben viele Konsumenten an, dass sie wohl nichts vom ersten Konsumieren der Substanzen hätte abhalten können: „Ich hatte immer Stress zu Hause, da hätte nichts geholfen.“ Viele Befragte stimmten jedoch „akzeptierenden Projekten“ zu, der Konsum wurde hier schon bei bestimmten Jugendlichen als „unvermeidlich“ angesehen. Die abschreckenden Bilder, die von der Rauschgiftaufklärung vermittelt werden, empfanden viele Befragte als wenig hilfreich. Die positiven Seiten des Konsums, gerade am Anfang, würden nicht vor Augen geführt, dadurch würde die Botschaft der Prävention unglaubwürdig: „Keine Macht den Drogen ist ein Scheiß.“

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