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Angehörige von Depressiven : „Doch, man kann auch mal ein Bier trinken gehen“

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Der Umzug in die Abgeschiedenheit half Sabine Fröhlich vor mehr als zehn Jahren, die Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen. Bild: ZB

Von einer Depression ist nicht nur der Erkrankte selbst betroffen. Auch das Leben der nächsten Angehörigen ändert sich, speziell das des Partners. Wie schafft er es, für den Depressiven da zu sein und trotzdem auch für sich zu sorgen?

          Bei den Fröhlichs kommt man nicht zufällig vorbei. Wer sie besuchen möchte, lässt die Kirche des Dörfchens irgendwo im Bergischen Land – rund 25 Kilometer von Köln entfernt – links liegen, folgt der immer schmaler werdenden Straße an Pferdekoppeln vorbei, und nimmt dann eine Abzweigung, die in einen Wald zu führen scheint. Doch plötzlich tauchen ein paar Dächer auf, und tatsächlich, am Gartenzaun steht die gesuchte Hausnummer.

          Der Umzug in die Abgeschiedenheit half Sabine Fröhlich vor mehr als zehn Jahren, die Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen. 2006 war sie mit Ehemann Michael und den zwei Töchtern nach einem zweieinhalbjährigen Sabbatical im ländlichen Irland in den Kölner Stadtteil zurückgekehrt, in dem sie auch zuvor gelebt hatte. Sabine begann, wieder in ihrer Halbtagsstelle als Verkäuferin zu arbeiten. Die ältere Tochter kam ins vierte, die jüngere ins zweite Grundschuljahr. Michael suchte noch nach einem Job, am besten auch in Teilzeit. „Wir wollten die höchste Welle reiten“, sagt Michael Fröhlich rückblickend. Es kam anders.

          Sabine und Michael Fröhlich sind Ende vierzig und seit mehr als 25 Jahren zusammen. Ein paar graue Strähnen durchziehen seine dunklen und ihre etwas helleren Haare, beide haben sportliche Figuren. Im Gespräch erlebt man ein sich vertrauendes und einander zugewandtes Paar. Das ist schon unter gesunden Umständen keine Selbstverständlichkeit. Und erst recht nicht, wenn man über einige Jahre hinweg eine schwere Depression mit in Ehe und Familie aufnehmen musste, „als ungeladenen Gast“, wie es Michael Fröhlich bezeichnet.  

          „Ich hatte das Gefühl: Ich bin verrückt“

          Von jetzt auf eben ist Sabine Fröhlich im Sommer 2006 ihr Alltag zu viel, alleine das Aufstehen am Morgen eine Qual. Banale Entscheidungen wie die, was sie kochen soll, machen sie fertig. „Nicht zu wissen, woher das kommt und was ich dagegen tun kann, war schlimm“, erzählt sie. „Ich hatte das Gefühl: Ich bin verrückt.“ Auch ihr Mann bemerkt die Veränderung schnell. Seine Frau zieht sich zurück, sieht alles schwarz. Der Hausarzt diagnostiziert eine Depression, sie findet nach schwieriger Suche einen Psychotherapeuten. Aber: Besserung bleibt aus, es wird hingegen immer heftiger. Sabine Fröhlich leidet unter schweren depressiven Episoden, die bis zu sechs Wochen andauern, mit einem Einstieg und einem Ausstieg innerhalb von ein paar Stunden. Während einer Episode ist sie zu nichts fähig, hält sich fast komplett in einem abgedunkelten Raum auf. Zwischen den Episoden ist sie ebenfalls nur sehr eingeschränkt für ihre Familie da, ihren Job muss sie aufgeben. Nach einem Jahr der Erkrankung geht es ihr so schlecht, dass sie sich in Absprache mit ihrem Mann in stationäre Behandlung begibt.

          Wo nur die Hasen „Guten Morgen“ sagen: Für Sabine und Michael Fröhlich war der Umzug in die Abgeschiedenheit genau der richtige Weg – das muss aber nicht für alle Betroffenen gelten.

          Dieser sechswöchige Aufenthalt in der Psychiatrie der Uniklinik Köln ist für Sabine Fröhlich der Wendepunkt. Sie erhält Medikamente, die sie stabilisieren. Sie nimmt die Diagnose Depression an und beginnt, sich mit der Erkrankung aktiv auseinanderzusetzen. Schnell ist der Entschluss getroffen, aufs Land und damit in einen stressfreieren Raum zu ziehen. Das tut die Familie 2008. Am neuen Wohnort kann Sabine Fröhlich ein zurückgezogenes Leben führen – und fühlt sich langsam, aber stetig besser. Die psychotherapeutische Begleitung endet; in einem nächsten Schritt setzt sie die Tabletten ab. Nach und nach lässt sie einzelne Stressfaktoren wieder zu, unter anderem über ehrenamtliche Tätigkeiten in der Schule ihrer Töchter. Die Episoden werden weniger und schwächer; im Jahr 2013 hat sie die bis dato letzte. Heute fühlt sich Sabine geheilt – ohne hundertprozentig ausschließen zu können, dass die Depression zurückkehrt.

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