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Chronische Krankheiten : Luft holen und loslaufen

Der Sympathikus

Der Sympathikus ist ein Teil des vegetativen Nervensystems. Durch ihn werden vorwiegend Körperfunktionen angeregt, die den Körper in erhöhte Leistungsbereitschaft versetzen. Ist der Sympathikus aktiv, werden Energiereserven abgebaut. Atmung, Herzschlag und Blutdruck steigen. Für chronisch kranke Lungen- und Herzpatienten ist das eine besondere Belastung. Deshalb ist es ein wichtiges Ziel, die Sympathikus-Aktivität bei ihnen im Alltag möglichst gering zu halten. Sport trägt dazu bei.

Auch wenn man noch nicht alle Mechanismen verstanden hat, verbesserte Testergebnisse wie die des Sechs-Minuten-Gehtests geben Medizinern recht. Bei dieser Analyse sollen Patienten über sechs Minuten so schnell wie möglich eine ebene Strecke gehen, wenn nötig, dürfen zwischendurch Pausen eingelegt werden. Am Ende der Zeit wird die gegangene Strecke gemessen. Schaffen gesunde, untrainierte Personen normalerweise 600 Meter oder mehr in dieser Zeit, bleiben Patienten mit schwerer COPD meist trotz Medikamenten unter 250 Metern Distanz. „Durch regelmäßige Bewegung konnte die geschaffte Strecke deutlich verbessert werden, und zwar in einem Maß, das dem durch Medikamente erreichbaren ähnlich oder sogar überlegen war.“

Um Erfolge zu verspüren, müssen sich COPD-Patienten übrigens nicht an einen genauen Trainingsplan halten oder sich eine Mindeststundenzahl im Fitnessstudio quälen. „Das Erstaunliche ist nämlich“, stellt Wirtz fest, „dass schon ein wenig mehr Bewegung im Alltag bei chronisch kranken Lungenpatienten Effekte zeigt. Alles, was sie an Aktivität trotz der Erkrankung schaffen, ist ein Gewinn für ihre Gesundheit.“

Das gilt für die Patienten von Professor Gerd Hasenfuß nicht. Der Herzspezialist leitet die Klinik für Kardiologie und Pneumologie am Universitätsklinikum Göttingen und weiß, dass es bei Patienten, die an Herzerkrankungen leiden, nicht nur einfach um Bewegung, sondern um ein gezieltes Ausdauertraining möglichst mit einem Puls über 120 geht.

„Paradigmawechsel“

Die sogenannten Herzsportgruppen gibt es schon seit Jahrzehnten. Dass sie positive Effekte für Menschen mit koronaren Herzerkrankungen wie nach einem Herzinfarkt zeigen, ist bekannt. „Doch in der Kardiologie haben wir den Paradigmenwechsel vor allem bei der Herzschwäche“, sagt Hasenfuß. „Bei der Herzinsuffizienz war lange absolute Schonung das Gebot.“ Jetzt aber wisse man, dass körperliches Training bei Herzschwäche Krankenhausaufenthalte verringert und die Überlebensrate steigern kann.

Der Patient leidet nicht nur an COPD, sondern auch an einer Verkrümmung der Wirbelsäule. Würde Sport ihm helfen?

Bei der von Medizinern als diastolische Herzinsuffizienz bezeichneten Form der Herzschwäche haben Ärzte mittlerweile sogar festgestellt: Für diese Erkrankung ist Bewegung die einzige effektive Therapie überhaupt. „Medikamentöse Behandlungen haben bei dieser Krankheit bisher keine Verbesserung erzielt, Training schon“, fasst Hasenfuß zusammen. Bei der diastolischen Herzinsuffizienz liegt eine Füllungsstörung vor, weil die Wände des Herzens versteift sind. Das heißt, das Herz kann sich beim Füllen nicht richtig ausbreiten, nicht ausreichend Blut aufnehmen. Die systolische Phase, in der das Herz das Blut in Körper und Lunge pumpt, ist bei dieser Form der Herzschwäche nicht so sehr beeinträchtigt.

Obwohl immer mehr Fachbereiche der Medizin mittlerweile gezielt auf Sport als Therapie bei ihrer Patientenklientel setzen, wird diese Art der Behandlung von Krankenkassen kaum bis gar nicht finanziell unterstützt. „Ein Rezept für Sport“ würde sich jedoch nicht nur Hasenfuß so manches Mal wünschen und das gleich aus mehreren Gründen.

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