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Notfallmedizin : Mit Ordnung gegen den Tod

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Erstversorgung der schweren Fälle: Im Schockraum der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Frankfurt müssen Handgriffe und Sätze sitzen Bild: Wohlfahrt, Rainer

Im Krankenhaus stirbt heute nur noch jeder zehnte Patient. Leitlinien und eine herausragende Erstversorgung haben dabei geholfen. Doch nicht jedes Leben kann gerettet werden. Ein Besuch im Schockraum.

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          Das Telefon klingelt zum ersten Mal um 13 Uhr. „Alarm Schockraum, Alarm Schockraum“, sagt eine monotone Männerstimme. Dann fährt eine Frau fort: „Guten Tag“, begrüßt sie freundlich und gibt die wichtigsten Eckpunkte durch: Stichverletzung, weiblich, 49 Jahre alt, nicht intubiert, nicht beatmet, kein Notarzt, mit Rettungswagen. Um 13.10 Uhr soll die Patientin da sein. Vera Stodden, Oberärztin der Notfallambulanz des Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinikums Frankfurt, macht sich auf den Weg in den Schockraum.

          Die Sterberate der Menschen, die in ein Krankenhaus gebracht werden, hat sich in den vergangenen Jahren halbiert. „Vor 20 Jahren starben noch 20 bis 25 Prozent der lebend Eingelieferten“, berichtet Reinhard Hoffmann, der Chefarzt für Unfallchirurgie und orthopädische Chirurgie. Heute sind es nur noch zehn Prozent.

          Das hat viele Gründe: Die Diagnosen etwa sind genauer geworden; es hat sich gezeigt, dass eine schnelle Computertomographie hilfreich ist. Auch die Schockräume selbst sind besser organisiert. Der Schockraum ist der Ort, zu dem Patienten mit schweren Verletzungen gebracht werden. Nach einem Autounfall oder einem tiefen Sturz, nach einem Herzinfarkt. Im Schockraum werden sie erstversorgt. Kreislauf und Atmung müssen stabilisiert werden. Der Patient braucht eine Diagnose, damit die Ärzte wissen, wie und auf welcher Station er weiterbehandelt werden muss. Die meisten Patienten, die in den Schockraum kommen, sind so schwer verletzt, dass sie nach der Erstversorgung sofort operiert werden müssen.

          Ordnung rettet das ganze Leben

          Im Schockraum geht es nicht selten um Leben und Tod. Es muss schnell gehen, aber nicht hastig. „Der Patient kommt, und jeder macht irgendwas – das geht nicht. Im Schockraum muss jeder wissen, was er zu tun hat“, sagt Hoffmann. Ordnung statt Chaos.

          Chaos bändigen: Professor Reinhard Hoffmann, der Leiter der Unfallchirurgie im Schockraum der BG-Unfallklinik im Frankfurt Norden

          Um 13.05 Uhr ist das Team im Schockraum: der Oberarzt der Notfallambulanz, zwei unfallchirurgische Assistenzärzte, zwei Pflegekräfte, ein Anästhesist, ein Röntgenarzt, ein medizinisch-technischer Assistent. Weil die angekündigte Patientin eine Handverletzung hat, ist auch noch ein Handchirurg alarmiert. Die Mitarbeiterin von der Verwaltung hat schon mal eine Patientennummer angelegt. Die Patientin wird sie für die Dauer ihres Aufenthalts im Krankenhaus behalten. Die Schiebetür des Schockraums steht offen, die Rettungsassistenten sollen die Trage vom Rettungswagen direkt hereinrollen können. Es ist 13.10 Uhr.

          Dass die Sterberate gesunken ist, sagt Chefarzt Hoffmann, liege auch daran, dass es mittlerweile die Traumanetzwerke der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) gibt. In ihnen schließen sich Krankenhäuser mit unterschiedlichen Kompetenzen zusammen. Die großen Krankenhäuser müssen mehr leisten können als die kleinen. „Der Patient muss am besten gleich in eine für seine Verletzungsschwere geeignete Klinik eingeliefert werden. Es hat wenig Sinn, ihn in die nächstgelegene Klinik zu bringen, die ihm dann aber möglicherweise gar nicht optimal helfen kann.“

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