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Smog auf dem Balkan : Die dickste Luft Europas

Dicke Luft: Am 14. Januar schaffte es Sarajevo in den Top fünf der Städte mit der schmutzigsten Luft der Welt auf Platz eins. Bild: AFP

Die Städte des Balkans versinken im Smog. Rückständige Heizsysteme, veraltete Autos und eine schlechte Verkehrsinfrastruktur sorgen im Winter für katastrophal hohe Feinstaubwerte. Oder sind die nur Ergebnis einer Intrige?

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          Alle Winter wieder versinken viele Städte Südosteuropas tagelang in dichtem, schmutzigem Nebel. Bürgerinitiativen und Oppositionsparteien verlangen dann von ihren Regierungen Sofortmaßnahmen sowie Langzeitpläne gegen die hohe Feinstaubbelastung. Die Regierungen beschwichtigen, erstens habe man schon viel getan, und zweitens sei alles nur halb so arg. Dann kommt der Frühling, und mit dem Smog löst sich auch die Debatte darüber bis zum nächsten Herbst in Luft auf. Heuer ist der Streit um die dicke Luft am Balkan besonders heftig, denn einige Hauptstädte der Region konnten mit bemerkenswerten Rekorden aufwarten. Ihre Einwohner sogen in diesem Winter demnach zumindest tageweise die schlechteste Luft der Welt in ihre Lungen auf. Sogar in Peking oder Delhi, auch keine ausgewiesenen Luftkurorte, atmete es sich demnach etwas freier. So besagten es jedenfalls Applikationen wie „Airvisual“ oder „Aircare“, die auf Daten staatlicher Messstellen zum sogenannten Luftqualitätsindex zurückgreifen und von Hunderttausenden Nutzern in der Region verwendet werden.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Den Anfang machte in dieser Feinstaubsaison Belgrad. Serbiens Hauptstadt tauchte am letzten Oktoberwochenende 2019 erstmals in den Top fünf der Städte mit der schmutzigsten Luft der Welt auf. Am 14. Januar schaffte es Sarajevo dann sogar auf Platz eins. Die in einem Talkessel gelegene Hauptstadt von Bosnien-Hercegovina ließ Dhaka, Hanoi und Delhi hinter sich. Die schwedische Botschaft in Sarajevo, deren Entsandte trotz ihres Diplomatenstatus die ortsübliche Luft atmen müssen, forderte die bosnische Regierung öffentlich zum Handeln auf: „Was die Bürger brauchen, sind wirksame Maßnahmen. Nochmals, die Lage wird schlechter und schlechter und wir WARNEN, dass die Maßnahmen nicht das erwartete Ergebnis brachten.“

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