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Wechseljahre : Der Paukenschlag der Weiblichkeit

Auch von der kürzlich begonnenen Überarbeitung der Leitlinie seien in dieser Hinsicht keine Änderungen zu erwarten, sagt Ortmann: „Die Behandlung mit Östrogenen ist extrem gut wirksam. Diese Therapie kann eingesetzt werden, muss aber nicht. Das ist abhängig von der Belastung der Patientin.“

Kein Mittel gegen fehlenden Spaß

Die Risiken müsse man differenziert betrachten: Statistisch gesehen, bekämen von 10 000 Frauen 63 Brustkrebs. Mit Hormonbehandlung steige die Zahl auf 70. „Ich will das nicht verharmlosen“, sagt der Mediziner. Aber: Aus Angst vor Brustkrebs starke Beschwerden auszuhalten sei unnötig. „Es ist eine Abwägungsgeschichte.“

Bleibt die Sache mit dem Sex. Früher, zu Zeiten, da sich ohnehin niemand Gedanken machte über weibliche Sexualität, hatte sich dieses Thema mit dem Ende der Fruchtbarkeit endgültig erledigt. Heute sind es oft Frauen in der Lebensmitte selbst, die über Lustlosigkeit klagen und hoffen, die Hormone seien schuld. Schwenkhagen sagt: „Bei ganz vielen Frauen sind es andere Gründe.“

Fakt ist: Durch den niedrigen Östrogenpegel werden die genitalen Schleimhäute trockener, was sich mit östrogenhaltigen Cremes quasi nebenwirkungsfrei behandeln lässt. Gegen fehlenden Spaß im Bett hilft es nicht. „Da stellen die Wechseljahre tatsächlich eine Chance dar“, sagt Schwenkhagen.

,Ich habe so viel Lust wie nie zuvor.‘

Denn vielleicht gelinge es, dem Partner aus Anlass körperlicher und hormoneller Veränderungen zu vermitteln: „Ich muss was anders machen, damit es wieder schön wird.“ Paare, die sich gut über ihre sexuellen Bedürfnisse verständigen könnten, hätten weniger Schwierigkeiten. „Eine gute Kommunikation kann schützen.“

Ann-Marlene Henning geht sogar noch einen Schritt weiter: „Viele Frauen, mit denen ich rede, sagen: ,Ich habe so viel Lust wie nie zuvor.‘“ Henning, die in Hamburg eine Praxis für Sexualtherapie betreibt, ist immer wieder erstaunt, wie wenig auch Fachleute - Gynäkologen zum Beispiel - über Sexualität wissen.

Auch wenn die Schleimhäute trockener würden: Die Feuchtigkeit, die zum Geschlechtsverkehr nötig sei, entstehe nicht durch Östrogene, sondern durch Erregung. „Jetzt in den Wechseljahren fällt es endlich auf, wenn eine Frau nicht erregt genug ist.“ Vielfach unbekannt: Eine gute Durchblutung, etwa durch das richtige Beckenbodentraining, könne helfen.

Die Lust übernimmt

Dann redet die gebürtige Dänin, die vergangenes Jahr 50 geworden ist, über sich: Als ehemaliges Model habe sie unter dem Älterwerden gelitten. „Jetzt ist es vorbei“, habe sie gedacht, als die Blicke der Männer abnahmen und der Körper immer weniger den eigenen Idealen entsprach.

Heute sagt sie: „Vorbei ist, dass ich mich nur nach anderen richte. Ich fange an, endlich so zu sein, wie ich bin.“ Auch im Bett. Wenn sie früher beim Sex immer mitgedacht habe, wie sie wohl gerade aussieht, sei sie dafür heute zu sehr mit ihrem Empfinden beschäftigt.

„Die Lust übernimmt“, sagt Henning. „Ich fühle mich gerade so gut wie nie.“ Dann zitiert sie aus ihrem Aufklärungsbuch für Erwachsene, „Make more Love“, Seite 234: Umfragen zufolge steigt die Lebenszufriedenheit von Frauen zwischen fünfzig und Ende sechzig rapide an.

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