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Wechseljahre : Der Paukenschlag der Weiblichkeit

Ernährungsumstellung und Sport

Oft genug, sagen deshalb auch Karin Schaudig und Anneliese Schwenkhagen, gehe es in ihrer Sprechstunde darum, Frauen beim Sortieren ihres Lebens zu beraten: Vielleicht sind die Kinder aus dem Haus, und es kriselt in der Beziehung, im Job wird Routine zu Langeweile, man will fit und attraktiv bleiben und muss sich damit abfinden, gewisse Dinge im Leben vielleicht nicht mehr zu erreichen.

Manchmal stellen die Ärztinnen deshalb das, was sie ihre Feenfrage nennen: Wenn Sie jetzt einen Wunsch frei hätten - was wollten Sie ändern? Frauen, die vorher über Hitzeattacken und Erschöpfungszustände geklagt hatten, wollen dann plötzlich vor allem abnehmen. In solchen Fällen ist es mit einer Ernährungsumstellung und Sport getan.

Manche Frauen kommen weitgehend beschwerdefrei durch die Wechseljahre, viele andere arrangieren sich gut. Dafür sind auch die Umstände entscheidend: Plötzliche Schweißausbrüche bedeuten für Dessousverkäuferinnen und Managerinnen in Vorstandssitzungen einen größeren Gesichtsverlust als für die Sachbearbeiterin, die allein in ihrem Büro sitzt und einfach das Fenster öffnet. Gut ist immer, auf Koffein und Alkohol zu verzichten und überheizte Räume zu meiden.

Brustkrebs durch Hormone

Etwa jede fünfte Frau jedoch leidet stark. Das jedenfalls schätzt Olaf Ortmann, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Caritas-Krankenhaus St. Josef in Regensburg. In schweren Fällen empfiehlt der Professor eine Behandlung mit Hormonen. „Eine Hormontherapie ist eine recht sichere und hocheffiziente Therapie gegen lebensqualitätsbeeinträchtigende Beschwerden in den Wechseljahren.“

Vor zwanzig Jahren war es üblich, Frauen um die fünfzig flächendeckend stark dosierte Hormone zu verschreiben, weil man glaubte, eine Unterversorgung verhindern zu müssen, und eine Art Jungbrunnen darin sah.

Vor zehn Jahren hatte sich die öffentliche Debatte komplett gedreht: Eine internationale Studie, die in ihrem Umfang und von den Qualitätsstandards her bis heute ihresgleichen sucht, hatte 2002 abgebrochen werden müssen, weil bei den mit Hormonen behandelten Teilnehmerinnen verstärkt Brustkrebs auftrat.

Verordnungen gehen zurück

Plötzlich galten Hormone geradezu als Gift - ein Vorurteil, das sich in der Öffentlichkeit diffus gehalten hat. Bis heute gibt es Frauen, die ihren Freundinnen verschweigen, wenn sie Hormone nehmen, weil sie entsetzte Kommentare und Panikmache befürchten. Die Verordnungen sind um weit mehr als die Hälfte zurückgegangen. Dabei wird die einstmals ideologisch und emotional aufgeheizte Debatte in Fachkreisen inzwischen durchaus sachlich geführt.

Ortmann war nie einer von denen, die Hormonbeglückung nach dem Gießkannenprinzip für sinnvoll hielten. Der Regensburger Professor hat 2009 die Erstellung einer Behandlungsempfehlung der gynäkologischen Fachgesellschaft verantwortet, derzufolge insbesondere bei belastenden Wechseljahrsbeschwerden eine Hormontherapie sinnvoll ist - möglichst niedrig dosiert, von möglichst kurzer Dauer.

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