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Wechseljahre : Der Paukenschlag der Weiblichkeit

Noch nie, sagt Schwenkhagen, seien so viele Frauen gleichzeitig in die Wechseljahre gekommen wie gerade: die Generation der Babyboomer. Und nie zuvor seien Fünfzigjährige so selbstbewusst und aufgeklärt gewesen, beruflich und sozial verankert, keinesfalls bereit, plötzlich zum alten Eisen zu zählen: „Der gesamte Umgang mit dem Thema ist ein anderer geworden.“

Trotzdem gilt: Älterwerden war nie so schwer wie heute, da Frauen prophylaktisch Botox spritzen, sich schon mit zwanzig die Haare blondieren und der Druck zum Perfektionismus für alle Lebensbereiche gilt.

Ein Konferenzsaal in einem Tagungshotel in Berlin-Mitte, auf gut drei Dutzend Gynäkologinnen, die sich zu der von einem Pharmakonzern gesponserten Fortbildung „Management der peri- und postmenopausalen Frau“ angemeldet haben, kommt gerade mal ein Mann. Schaudig und Schwenkhagen projizieren Porträtfotos an die Wand: Sandra Bullock. Maybritt Illner. Michelle Obama. Ursula Karven. Alles Frauen jenseits der fünfzig mit frischer Ausstrahlung und jugendlichem Teint. „Das ist das Frauenbild“, sagt Schaudig: So wollten Frauen in diesem Alter heute aussehen, so wollten sie sich fühlen. Und das auch noch in zehn Jahren.

Kalter Hormon-Entzug

„Es geht darum, dass sich zwei Situationen vermischen“, stellt die Ärztin fest: „der kontinuierliche Prozess des Älterwerdens mit dem Paukenschlag - Ende der Fruchtbarkeit. Das ist ein point of no return.“ Tatsächlich passiert mit der Menopause, der letzten Monatsregel, im weiblichen Körper etwas, das Männer so nicht kennen.

Der in den Eierstöcken angelegte Vorrat an Eizellen - etwa 300.000 Stück bei Beginn der Pubertät - ist aufgebraucht. Das ist mit durchschnittlich 51 Jahren der Fall. Rund um diesen Zeitpunkt stellt sich der Hormonhaushalt um, das fein aufeinander abgestimmte Zusammenspiel aus Östrogen und Progesteron gerät aus dem Takt. Vor der Menopause kommt es zu unregelmäßigen Eisprüngen, überlappenden Zyklen und einem Überschuss an Östrogen.

Hinterher stellt der Körper seine Östrogenproduktion weitgehend ein. Das heißt: Erst fahren die Hormone Achterbahn. Dann folgt ein kalter Entzug. Irgendwann gewöhnt sich der Körper an den niedrigen Östrogenspiegel. Die Frage ist nur, wann beziehungsweise wie gut.

Es gibt kein klimakterisches Syndrom

Niemand bestreitet mehr, dass es sich dabei um einen natürlichen Prozess handelt. Die Zeiten, in denen die Wechseljahre zur Krankheit erklärt wurden, zu einer Mangelerscheinung, die dringend behandelt gehört, sind vorbei. Die Psychosomatikerin Kerstin Weidner, Professorin am Universitätsklinikum Dresden, zweifelt sogar daran, dass es überhaupt so etwas gebe wie ein „klimakterisches Syndrom“.

Fast alle Beschwerden, die typischerweise mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht würden, kämen entweder über die gesamte Lebensspanne verteilt vor, oder sie würden generell mit dem Alter häufiger: Herz-Kreislauf-Beschwerden und Schlafstörungen, Gelenk- und Muskelschmerzen, depressive Verstimmungen, Erschöpfungszustände, erhöhte Reizbarkeit, genitale Trockenheit, Blasenentzündungen. Allein die Hitzewallungen, sagt Weidner, seien tatsächlich an die Wechseljahre gekoppelt. Bei denen allerdings können nicht einmal Hormonspezialisten genau erklären, wie sie an das Auf und Ab des Östrogens gekoppelt sind.

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