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Dick und doof : Studie: Fettleibige Menschen haben geringeres Denkvermögen

Fettleibige Menschen haben eine geringere Hirnleistung – das zeigt eine französische Studie. Und: Leiden sie unter weiteren Stoffwechselerkrankungen, baut das Hirn im Alter noch schneller ab.

          3 Min.

          Je dicker ein Mensch in mittleren Jahren ist, desto schneller baut sich sein Denkvermögen ab - zumindest wenn er zusätzlich noch an mehreren Stoffwechselstörungen leidet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Langzeitstudie der französischen Wissenschaftlerin Archana Singh-Manoux vom staatlichen Institut zur menschlichen Gesundheit (Inserm) in Paris und ihren Kollegen, die jetzt im amerikanischen Fachmagazin „Neurology“ veröffentlicht wurde. Das Fazit der Studie: Fettleibige zeigten schon unabhängig von sonstigen Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes eine schlechtere Hirnleistung. Ihr kognitiver Abbau beschleunigte sich aber noch, wenn bei ihnen eine der oft mit Übergewicht einhergehenden Krankheiten hinzukommt.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Bei ihrer Untersuchung konnte die Medizinerin auf die sogenannte Whitehall-II-Kohorte zurückgreifen, die schon in den Achtzigern in Großbritannien gebildet wurde und aus mehr als 10000 Beamten des öffentlichen Dienstes in London besteht. Gut 73Prozent von ihnen beteiligten sich an der Studie, die unter anderem vom amerikanischen Nationalen Gesundheitsinstitut (NIH) unterstützt wurde. Zwischen 1991 und 1993 wurde der Body-Mass-Index (BMI) der Freiwilligen aus der Kohorte errechnet (das Körpergewicht, geteilt durch die Körpergröße im Quadrat) und zugleich festgestellt, ob sie an mindestens zwei der folgenden Erkrankungen leideten: Bluthochdruck, Diabetes, einem erhöhten Triglycerid-Wert (Hypertriglyceridämie) oder einem geringen HDL-Cholesterin-Wert (Hypercholesterinämie). Von den 6401 Teilnehmern waren 3374 normalgewichtig (BMI von 18,5 bis 24,9), 2445 waren übergewichtig (25 bis 29,9) und 582 waren adipös (30 und mehr). Ein knappes Drittel der 6401 Teilnehmer litt unter mindestens zwei der genannten Erkrankungen, bei den Fettleibigen waren es allerdings fast zwei Drittel. Die kognitiven Tests, die unter anderem aus Gedächtnisübungen, aus Übungen zum logischen Verständnis und zur Sprachflüssigkeit bestanden, begannen 1997 und wurden 2002/2004 sowie 2007/2009 wiederholt.

          „Ausmaß zunehmender Fettleibigkeit gibt zu denken“

          Schon bei den ersten Tests zwischen 1997 und 1999 stellten die Wissenschaftler fest, dass die adipösen Teilnehmer schlechter abschnitten als die Normalgewichtigen. Einen Einfluss der zusätzlichen Erkrankungen auf die Hirnleistungen konnten die Mediziner dabei zunächst nicht feststellen. Auch unter den Fettleibigen spielte es keine Rolle, ob und unter wie vielen weiteren der vier Krankheiten sie litten. Doch beim geistigen Abbau über zehn Jahre hinweg zeigte sich ein erheblicher Unterschied: Während er bei den metabolisch normal eingestuften Personen ähnlich verlief, egal ob sie normal- oder massiv übergewichtig waren, gingen die kognitiven Fähigkeiten bei den metabolisch auffälligen Adipösen klar zurück - um 22,5 Prozent.

          Archana Singh-Manoux schreibt, dass angesichts der wachsenden Zahl an Fettleibigen (von 400 Millionen im Jahr 2005 auf geschätzte 700 Millionen Menschen im Jahr 2015) weitere Studien nötig seien, um den Einfluss der metabolischen Risikofaktoren auf das Denkvermögen zu klären. Gerade das Ausmaß der zunehmenden Fettleibigkeit gebe zu denken. So hätten Auswertungen von Daten von mehr 900000 Personen ergeben, dass ein Anstieg des BMI um fünf die Sterbewahrscheinlichkeit eines Menschen um 30Prozent erhöhe. Insofern scheint es für die Wissenschaftlerin schwierig, langfristige Aussagen über den Einfluss der metabolischen Krankheiten auf das Denkvermögen eines stark adipösen Menschen zu treffen und ob sie beispielsweise Altersdemenz weiter befördern. Aber man weiß bereits, dass Übergewicht das Risiko einer Demenz ohnehin erhöht.

          Die Gefahr, die von Bauchfett ausgeht, kennt die Wissenschaft schon lange. Und sie betrifft nicht nur stark übergewichtige Menschen. Eine am Montag auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie in München vorgestellte Studie belegt, dass normalgewichtige Personen mit Bauchfett ein wesentlich höheres Risiko haben, an einer Herz-Kreislauf-Krankheit zu sterben, als Menschen mit anderer Fettverteilung. Die Forscher um Karine Sahakyan von der Mayo-Klinik teilten 12785 Amerikaner in drei Gruppen mit unterschiedlichem BMI ein: normal, übergewichtig und fettleibig. Zudem wurde jede der drei Gruppen in zwei Untergruppen geteilt - je nach Verhältnis von Taille zu Hüfte.

          Nach 14,3 Jahren waren 2562 Studienteilnehmer gestorben, 1138 an einer Herz-Kreislauf-Krankheit. Das höchste Sterberisiko hatten Normalgewichtige mit einem hohen Verhältnis von Taille zu Hüfte. Dabei glaubten Mediziner lange, dass vor allem Übergewicht zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt. In den vergangenen Jahren bestätigten aber mehrere Studien unter anderem des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, dass Fettringe am Bauch besonders schädlich sind. Das Bauchfett setzt Botenstoffe frei, die chronische Entzündungen hervorrufen, die wiederum Herz und Stoffwechsel schädigen. Die Entzündungsstoffe begünstigen auch die Gefäßverkalkung. Warum das Bauchfett die Stoffe produziert, weiß man noch nicht.

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