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Smog in China : Alarmstufe Rot

  • -Aktualisiert am

Wer doch mal vor die Tür muss, hat keine andere Möglichkeit als die Atemschutzmaske aufzusetzen. Bild: AP

Seit Tagen liegt Nordchina unter einer gefährlichen Smog-Schicht. Viele Firmen halten sich nicht an die Umweltvorschriften. Die Maßnahmen der Regierung treffen meist die Bürger.

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          Wer kann, steigt ins Flugzeug und flieht nach Süden. Wer nicht in der glücklichen Lage ist, schnell in weit entfernte Gefilde entfliehen zu können, der wappnet sich mit Atemschutzmasken, schaltet zu Hause den Luftreiniger ein und versucht, selten nach draußen zu gehen. Denn auch ein Ausflug aufs nahe Land würde nicht zum Durchatmen verhelfen: Ganz Nordchina liegt seit Tagen unter einer dicken Smog-Schicht.

          Mehr als 400 Millionen Menschen in acht chinesischen Provinzen, auf insgesamt einem Zehntel des Gebiets der Volksrepublik, leiden derzeit unter gesundheitsgefährdendem Smog. Für 24 Städte Nord- und Zentralchinas gilt schon seit dem Wochenende die Alarmstufe „Rot“, die höchste von vier Alarmstufen. In einigen Städten lagen die Verschmutzungswerte jenseits der Messskala. Während nach dem Maßstab der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nur 25Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter vertretbar sind, wurden aus der Industriemetropole Shijiazhuang mehr als 1000 Mikrogramm gemeldet.

          Krankenhäuser voll mit Patienten

          Gefährlich hohe Werte wurden auch in der Industriestadt Tianjin, etwa 100 Kilometer von Peking entfernt, gemessen. Als dort die Werte mehr als 400 Mikrogramm erreichten, wurden Autobahnen gesperrt, der Flughafen blieb zeitweise geschlossen. Krankenhäuser waren übervoll mit Patienten, die über Atemwegsbeschwerden klagten. Viele Kindergärten und Grundschulen blieben geschlossen, der Unterricht wurde per Internet angeboten.

          Die Hauptstadt kam zunächst noch mit relativ geringeren Werten um die 200 davon, obwohl auch das schon das Achtfache der WHO-Empfehlung ist. Die städtischen Behörden meldeten, dass der Smog in Peking weniger schlimm ausfiel als vorhergesagt, weil die Schutzmaßnahmen der Regierung griffen. Die hatte am Wochenende 1200 verschmutzenden Industriebetrieben, darunter Druckereien, Chemiefabriken und Baumaterialien-Herstellern, befohlen, die Produktion einzustellen oder zu drosseln.

          Ärger über Maßnahmen

          In Peking gilt seit dem Wochenende ein Fahrverbot für die Hälfte der Wagen, je nachdem, ob das Autokennzeichen mit einer geraden oder ungeraden Ziffer endet. Sichtweiten lagen trotzdem unter 500 Meter. Und am Dienstag und Mittwoch erreichte dann die ganz gefährliche Luft auch die Hauptstadt.

          Feinstaubpartikel sind besonders gefährlich, weil sie direkt ins Blut und in die Lunge geraten. Nach einer Untersuchung von Greenpeace und der Pekinger Universität gab es 2013 wegen der Luftverschmutzung in ganz China 257000 vorzeitige Todesfälle. Trotzdem stießen die Maßnahmen der Pekinger Stadtverwaltung auf geteilte Reaktionen, viele klagten darüber, dass sie nicht mehr im Auto zur Arbeit fahren konnten und die Busse und U-Bahnen überfüllt waren. Eltern wussten nicht, wohin mit ihren Kindern, als die Schulen geschlossen waren. „Die Ursache der Luftverschmutzung sollte kontrolliert werden, nicht unser Leben“, schrieb ein Blogger.

          Einhaltung der Umweltvorschriften macht Produktion teurer

          Die Luftverschmutzung resultiert aus den Millionen von Autos, die durch die chinesischen Städte rollen, besonders aber aus der Verbrennung von Kohle, in Kraftwerken und Industriebetrieben, aber auch zum Heizen. In Peking und anderen Städten ist das Heizen mit Kohle nun deshalb verboten und auf Gas umgestellt worden. Nach einem Smog-Plan der Regierung werden verschmutzende Fabriken öfter kontrolliert, doch es wird immer wieder festgestellt, dass sich lokale Unternehmen nicht an die Vorschriften halten.

          Das Umweltministerium inspizierte 1019 Eisen- und Stahlkonglomerate und fand heraus, dass 173 gegen Emissionsvorschriften verstießen. Eine Einhaltung der Umweltvorschriften verteuert die Produktion, und eine Schließung von Dreckschleudern gefährdet Arbeitsplätze, deswegen sind örtliche Behörden oft nachlässig bei der Durchsetzung der Bestimmungen. Korruption tut ein Übriges. Unternehmen kaufen sich von Auflagen frei, Kontrolleure lassen sich bestechen.

          An diesem Donnerstag wird eine Kaltfront erwartet, die den Smog wegblasen soll. Aber die frische Luft wird wohl nicht lange bleiben: Neuer Smog ist vorausgesagt.

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