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Diabetes : Die Krankheit des 21. Jahrhunderts

  • -Aktualisiert am

Schlangestehen fürs Übergewicht Bild: AP

Neue Statistiken zeigen, daß Diabetes zu einem der größten medizinischen Probleme des Jahrhunderts werden wird. In Deutschland ist bereits jeder Zehnte an Diabetes erkrankt und die Zahlen steigen weiter. FAZ.NET-Spezial.

          5 Min.

          Sogar einen eigenen Tag haben die Diabetiker schon. Ende kommender Woche treffen sich Betroffene im Kongreß-Palais von Kassel, um den Deutschen Diabetiker-Tag, den 23. September, mit einer Informationsveranstaltung zu begehen. Man rechnet nicht mit Dutzenden oder Hunderten von Interessierten: Bis zu 15.000 Patienten und deren Angehörige werden zu der Veranstaltung des Deutschen Diabetiker-Bundes kommen.

          Das Treffen könnte in den nächsten Jahren sogar noch wachsen. 1960 litten erst 0,6 Prozent der Deutschen an Diabetes. Heute ist jeder zehnte Einwohner erkrankt. Und bis 2010 wird die Zahl der Diabetiker auf zehn Millionen steigen - das sind mehr als zwölf Prozent. Die Zahlen auf der ganzen Welt sehen nicht viel besser aus.

          Nur jede zweite Erkrankung entdeckt

          An der Spitze des Deutschen Diabetiker-Bundes, einer Selbsthilfeorganisation, steht Manfred Wölfert. Er spricht von einer Epidemie. 6,5 Millionen Menschen in Deutschland sind „manifestierte Diabetiker“, und weitere 1,5 Millionen Menschen wissen vermutlich nicht, daß sie an Diabetes leiden. Die Erkrankung des Typs 2 kommt meist schleichend im Alter zwischen 40 und 50 Jahren: „Man spürt nichts“, sagt Wölfert, „höchstens eine gewisse Abgeschlagenheit.“ Darum sei es so wichtig, regelmäßig zur Kontrolle durch einen Arzt zu gehen, zumal wenn die Familie genetisch vorbelastet sei.

          Bild: F.A.Z.

          Auf der ganzen Welt ist die Krankheit nur etwa bei jedem zweiten Erkrankten erkannt. Dieser Anteil ist vor allem deshalb so groß, weil in der Dritten Welt bei bis zu 70 Prozent der Fälle die Krankheit nicht diagnostiziert wird. Die teure Behandlung von Folgekomplikationen kann aber nur vermieden werden, wenn die Krankheit früh erkannt und angemessen behandelt wird.

          350 Millionen Diabetesfälle bis 2026

          Neue Statistiken zeigen, daß Diabetes zu einem der größten medizinischen Probleme des 21. Jahrhunderts werden wird. Über neue Ergebnisse der Forschung debattieren daher in Kopenhagen noch bis zum Sonntag fast so viele Ärzte und Forscher, wie Erkrankte zum Diabetes-Tag nach Kassel fahren - nämlich 14.000. Die 42. Jahrestagung der Europäischen Vereinigung zum Studium von Diabetes (EASD) wurde am Donnerstag eröffnet.

          Im Jahr 1985 wurde die Zahl der Diabetiker auf der Welt auf 30 Millionen geschätzt. Jetzt sind es schon 230 Millionen. Die Zahl der Patienten werde bis zum Jahr 2026 auf 350 Millionen steigen, wenn nicht gegengesteuert werde, heißt es in Kopenhagen. Allein im kommenden Jahr werden demnach dreieinhalb Millionen Menschen an der Krankheit sterben. In den Vereinigten Staaten werde jedes dritte im Jahr 2000 geborene Kind im Laufe seines Lebens an Diabetes erkranken.

          Deutschland hinreichend versorgt

          Die Gesundheitssysteme ächzen unter der Last dieser Epidemie. Die Kosten der Behandlung der Erkrankung und ihrer Folgeschäden beziffert der Diabetiker-Bund auf bis zu 27 Milliarden Euro im Jahr in Deutschland. Eberhard Siegel, Chefarzt der Inneren Medizin an den St.-Vincentius-Kliniken in Karlsruhe, sagt, 50 000 bis 60 000 Hausärzte trügen die Versorgung der Diabetiker, mehr als 3000 als Diabetologen weitergebildete Fachärzte, mehr als 1400 Diabetes-Beraterinnen (meist weitergebildete Krankenschwestern) und etwa 4000 Diabetes-Assistentinnen (weitergebildete Arzthelferinnen). Die Hausärzte versorgten 80 bis 90 Prozent der Diabetiker permanent. Die weiteren 10 bis 20 Prozent der Diabetiker wenden sich an Diabetes-Schwerpunktpraxen (SSP) oder Krankenhausambulanzen.

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