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Diabetes : Die Krankheit des 21. Jahrhunderts

  • -Aktualisiert am

Je 500 000 bis eine Million Einwohner gebe es eine solche Praxis oder Ambulanz. Mit solchen Einrichtungen sei Deutschland hinreichend versorgt. Auf der ganzen Welt werden zwischen 215 und 375 Milliarden Dollar pro Jahr für die Behandlung von Diabetes-Patienten ausgegeben. Vor allem die rapide Zunahme der Erkrankungen in der Dritten Welt mache deutlich, daß man bald vor einer nicht mehr zu finanzierenden Überlastung der Gesundheitssysteme stehe, teilen die Kopenhagener Veranstalter mit. Jetzt schon würden, je nach Land, 2,5 bis 15 Prozent des jeweiligen nationalen Gesundheitsbudgets für Diabetes aufgewendet.

UN-Resolution gefordert

Sogar der führende Insulinhersteller der Welt, der dänische Arzneimittelkonzern Novo Nordisk, unterstützt daher eine Kampagne gegen die weitere Ausbreitung. Der Kongreß in Kopenhagen, in dessen Begleitprogramm Appelle zu regelmäßigen Tests auf Diabetes und zur präventiven Änderung des Lebensstils im Zentrum stehen, ruft in Unterstützung der „International Diabetes Federation“ die Kampagne ins Leben.

Die Vereinten Nationen sollen zu einer Resolution veranlaßt werden, die am Welt-Diabetes-Tag, dem 14. November, verabschiedet werden soll. Der Chef der Öffentlichkeitsarbeit von Novo Nordisk, Mike Rulis, sagte in Kopenhagen, mit der Unterstützung des Projekts säge das Unternehmen keineswegs den Ast ab, auf dem es sitze. Wenn nichts gegen die Ausbreitung der Krankheit getan werde, ächzten bald fast alle Länder der Welt unter einer Überlast an Gesundheitskosten.

Diabetesrisiko auch in Deutschland ungleich verteilt

Die Zunahme der Fälle von Diabetes hat verschiedene Gründe. Vor allem Übergewicht ist zu nennen. „Die Menschen essen zuviel und zu süß, während sie sich zuwenig bewegen“, sagt Wölfert. Die Ernährungsgewohnheiten ändern sich, und zwar meist in eine Richtung: Es wird mehr Fleisch, Fett und Zucker gegessen. Wegen mangelnden körperlichen Ausgleichs haben die Menschen Übergewicht, und die Gesellschaft altert zunehmend. Obschon es auf den ersten Blick paradox erscheinen mag, führt die bessere Behandlung von Diabetikern zu einer größeren Zahl an Krankheitsfällen: Denn mehr Menschen leben heute dank besserer Diagnostik und Therapie länger mit Diabetes.

Die Krankheit trifft beileibe nicht nur Wohlhabende. Sieben der zehn Länder mit den größten Diabeteszahlen liegen in der Dritten Welt. Sowohl in Indien als auch China sei zur Zeit bei etwa 35 Millionen Menschen Diabetes diagnostiziert, teilen die Forscher in Kopenhagen mit. Diabetes sei die führende Ursache für Erblindung, für Nierenversagen und die Amputation von Gliedmaßen. Sogar innerhalb Deutschlands ist das Risiko, an Diabetes zu erkranken, unterschiedlich verteilt: Übergewichtige Kinder aus Zuwandererfamilien, insbesondere aus türkischen, seien wesentlich stärker betroffen als deutsche Kinder, schreibt Hans Hauner vom Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München.

„Wenn Sie es spüren, ist der Zug schon abgefahren“

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