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Mundgesundheit : Gebisse deutscher Kinder sind fast kariesfrei

Richtige Zahnpflege von klein auf: Deutschlands Kinder sind führend in der Mundgesundheit. Bild: dpa

Laut Zahnärzten sollte man mindestens zweimal täglich die Zähne putzen. Diese Regel befolgen schon die Kleinsten in Deutschland. Der Erfolg lässt sich sehen, wie eine Studie nun zeigt.

          Deutschlands Kinder sind, was ihre Mundgesundheit angeht, Weltspitze. Acht von zehn Zwölfjährigen sind vollkommen kariesfrei. Das sind mehr als 81 Prozent aller Kinder in dieser Altersgruppe, wie die fünfte repräsentative Mundgesundheitsstudie (DMS V) des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) zeigt. Ende der achtziger Jahre lag der Wert noch bei 13,3 Prozent. Kinder mit hohem Sozialstatus schneiden dabei besser ab – fast 90 Prozent sind kariesfrei – als ihre Altersgenossen mit mittlerem (82 Prozent) oder niedrigem Sozialstatus (75 Prozent).

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die durchschnittliche Karieserfahrung eines Zwölfjährigen beträgt 0,5 DMTF-Zähne – das ist international Platz eins. „Bereits das drittplatzierte Kanada weist mit 1,0 einen doppelt so hohen DMFT-Wert aus wie Deutschland“, heißt es in der Studie aus dem Jahr 2014. Die Verbreitung von Karies in der Bevölkerung wird nach dem DMFT-Index gemessen. DMFT steht für die Anzahl der kariösen (Decayed), fehlenden (Missing) und gefüllten (Filled) Zähne (Teeth). Auch bei den jüngeren Erwachsenen (35 bis 44 Jahre) ist die Anzahl der Zähne mit Karieserfahrung seit 1997, seit der dritten Mundgesundheitsstudie (DMS III), um 30 Prozent zurückgegangen. Damals hatten in der Altersgruppe 16,1 Zähne eine Karieserfahrung, heute sind es noch 11,2. Positiv fiel auch die Befragung – 4600 Personen nahmen teil – unter den jüngeren Senioren (65 bis 74 Jahre) aus: Nur noch jeder achte (12,4 Prozent) von ihnen ist zahnlos, 1997 war es noch jeder vierte (24,8 Prozent).

          Die erste Mundgesundheitsstudie stammt aus dem Jahr 1989. Nach der Wiedervereinigung wurde 1992 eine weitere Untersuchung (DMS II) in Auftrag gegeben, die zeigte, dass die staatlich organisierte Gesundheitsfürsorge in der DDR für eine bessere Mundgesundheit gesorgt hatte als in der Bundesrepublik. Durchschnittlich wiesen die Kinder im Osten fast einen Zahn weniger mit Karieserfahrung auf als im Westen. Auch der Anteil der Zwölfjährigen mit kariesfreien Gebissen war in den neuen Bundesländern 1992 noch höher als in den alten.

          Bessere Mundgesundheit dank Fluoriden

          Die bessere Mundgesundheit war nach IDZ-Angaben unter anderem auf den verbreiteten Einsatz von Fluoriden in Form von Tabletten oder zum Teil auch auf die Trinkwasserfluoridierung zurückzuführen. So wiesen auch jüngere Erwachsene im Osten drei Zähne mehr ohne Karieserfahrung auf als die Fünfunddreißig- bis Vierundvierzigjährigen in Westdeutschland. Beim Zahnersatz indes lag der Westen (60,5 Prozent) vorne: Der Anteil prothetisch ersetzter Zähne war 22,2 Prozentpunkte höher als im Osten (38,3).

          Inzwischen hat sich die Mundgesundheit in Ost- und Westdeutschland nahezu angeglichen. Der Anteil ersetzter Zähne bei jüngeren Erwachsenen liegt im Osten bei 41,8 Prozent, im Westen bei 38,1. Der DMFT-Index beträgt in der selben Altersgruppe im Osten 12,2, im Westen 11,1. Hauptgrund für die insgesamt verbesserte Mundgesundheit ist laut IDZ die in den Neunzigern eingeführte Individual- und Gruppenprophylaxe für Kinder und Jugendliche sowie die breitere Verfügbarkeit von Fluoriden in Zahnpasten, was zu einem starken Rückgang bei den Karieserkrankungen führte. „Die Ergebnisse der DMS V zeigen – vom Kindesalter an bis zu den mobilen Senioren – eindrucksvoll die Erfolge eines grundlegenden Paradigmenwechsels (,vorsorgen statt versorgen‘) in der zahnmedizinischen Gesundheitsversorgung in Deutschland.“

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