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Interview mit Schlafmediziner : Was hilft gegen Schnarchen?

„Aber Schatz, ich schnarche doch gar ni...“ .....ZzZzzzzCHRRRrrr Bild: Illustration F.A.Z.

Kissen, OP oder APP: Der Arzt Joachim Maurer über neueste Entwicklungen, die gegen Schnarchen helfen sollen.

          Herr Maurer, ein schnarchender Partner kann einen in den Wahnsinn treiben. Viele Paare suchen deshalb nach einer Lösung für das Schnarch-Problem. Welche neuen Technologien gibt es auf dem Markt, die Schnarchern Hoffnung machen?

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein sich rasant entwickelnder Bereich sind die Smartphone-Anwendungen. Hier gibt es zum Beispiel Apps zur Aufzeichnung und Auswertung des Schnarchens und andere zur Verhinderung des Schnarchens, welche in aller Regel auf dem Prinzip beruhen, dem Schnarcher die Rückenlage mit Hilfe kurzer Vibrationen abzugewöhnen. Dem extrem günstigen Preis der App steht die absolute Ungewissheit gegenüber, ob diese Apps überhaupt wirksam sind. Aus diesem Grunde überprüfen wir aktuell zwei „Anti-Schnarch-Apps“ im Rahmen einer Studie.

          Unter Ihrer Leitung wurde auch eine klinische Studie zu einem, ich nenne es mal, „Anti-Schnarch-Kissen“ durchgeführt, das Schnarchgeräusche aufnimmt und danach automatisch die Position des Kopfes verändert. Kann dieses Kissen Ehen retten?

          Die Zielgruppe des Kissens, wenn man das so sagen will, sind tatsächlich Menschen, die schnarchen und selbst unter den Symptomen nicht leiden, mit dem Schnarchen aber ihren Bettnachbarn stören. Ob Ehen damit gerettet werden, haben wir nicht untersucht. Genauer gesagt, ging es in der Studie um Menschen, die schnarchen, ohne relevante Atempausen dabei zu zeigen, also bei denen das Schnarchen nicht zu Tagesmüdigkeit oder anderen Erkrankungen führt.

          Wie lautet das Ergebnis Ihrer Studie?

          Es konnte eine signifikante und deutliche Reduzierung des Schnarchens festgestellt werden. Im Mittel wurde das Schnarchen um etwa fünfzig Prozent pro Nacht reduziert.

          Dieser Artikel ist aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
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          Das heißt, wer vorher zwei Stunden in der Nacht geschnarcht hat, schnarcht nun nur noch eine?

          Genau. Wobei sich diese Zahl auf die Messung im Schlaflabor bezieht und ein Durchschnittswert ist. Manche der Probanden haben fast gar nicht mehr geschnarcht mit dem Kissen, bei anderen hat sich das Schnarchen nur wenig reduziert. Aber für mich als Mediziner ist besonders wichtig, dass das Schnarchen bei keinem schlechter geworden ist, bei keinem hat es zugenommen, und keinen Patienten hat das Kissen so beeinträchtigt, dass Schlafqualität oder Atmung negativ beeinflusst wurden. Man muss aber auch sagen, wir haben noch keine Langzeitdaten. Bettpartner haben übrigens den Effekt des Kissen noch besser bewertet als objektive Messdaten. Warum? Darüber kann man nur spekulieren.

          Wie viele Schnarcher gibt es denn?

          Wir wissen aus Untersuchungen, dass in der westlichen Welt etwa die Hälfte der Erwachsenen schnarcht - mehr oder weniger häufig. Von diesen haben etwa zehn Prozent eine Erkrankung mit relevanten Atempausen während des Schnarchens. Neunzig Prozent der Schnarcher schnarchen ohne Gesundheitsrisiko.

          Dr. Joachim Maurer ist stellvertretender Klinikdirektor der Universitäts-HNO-Klinik in Mannheim und Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums

          Wie kommt es zum Schnarchen?

          Es entsteht durch Vibrationen der Weichteile im Rachen während der Einatmung. Beim Schlafen entspannt sich das Gewebe im Rachen und vibriert dadurch leichter als im Wachzustand. Das Gewebe kommt beim Durchstrom von Luft also schneller ins Schwingen. Ein eigentlich harmloser Vorgang.

          Wenn ich also alleinstehend bin, keine Atemaussetzer und Folgeerkrankungen habe oder das Schnarchen meinen Partner nicht stört, muss es auch nicht therapiert werden?

          Wir finden immer mehr Hinweise, dass das Gewebe über viele Jahre durch die ständige Vibration geschädigt wird. Kleine Nerven werden geschädigt, Muskeln schlechter innerviert. Es gibt die Hypothese, dass dadurch die Empfindlichkeit im Rachen abnimmt und der Atemweg nicht mehr offen gehalten werden kann. Atempausen entstehen. Man sollte im Kopf haben, dass so aus einem harmlosen Schnarchen ein gefährliches werden kann. Diese Hypothese ist aber noch nicht definitiv belegt.

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