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Interview mit Schlafmediziner : Was hilft gegen Schnarchen?

Apps und Kissen sind das eine. Was ist von älteren Technologien zu halten wie Schnarchspangen oder Kinnbinden?

Das Feld ist riesig und für Betroffene nicht zu überschauen. Schnarchspangen, in Fachsprache Unterkieferprotrusionsschienen, sind wirksam und sehr gut überprüft, wenn man sie verträgt und sie in der Nacht nicht aus dem Mund fallen. Spezialsysteme, die das Gaumensegel stabilisieren, scheinen ebenfalls recht gut das Schnarchen zu vermindern. Kinnbinden können zu Beginn einer Schnarchkarriere helfen, Hilfsmittel zur Verbesserung der Nasenatmung helfen in etwa fünfzig Prozent der Fälle, wenn die Nasenatmung behindert ist. Rückenlageverhinderungswesten werden eingesetzt, wenn Schnarchen vor allem in Rückenlage auftritt. Für Rachensprays und -tropfen konnte bisher keine Wirksamkeit nachgewiesen werden.

Für das Kissen muss man nach Angaben des Herstellers 698 Euro zahlen. Wie tief muss man für die anderen Hilfen in die eigene Tasche greifen?

Die Behandlung des Schnarchens muss der Betroffene grundsätzlich aus eigener Tasche bezahlen, es sei denn, es tritt im Rahmen einer obstruktiven Schlafapnoe auf. Spangen kosten einige hundert bis über eintausend Euro. Für Lagetherapiewesten sind niedrige dreistellige Beträge typisch. Apps kosten wenige Euro.

Manche Menschen sind so verzweifelt oder haben Partner, die so verzweifelt sind, dass sogar an eine Operation gedacht wird. Für wen ist das wirklich eine Lösung?

Operationen gegen das Schnarchen haben ihren Sinn, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Ob und welche Operation erfolgversprechend ist, kann ausschließlich durch eine gründliche Untersuchung von Nase, Rachen, Hals und Kehlkopf beurteilt werden. Für sehr viele Patienten stehen Operationen sicher nicht an erster Stelle der Optionen.

Und Operationen müssen im Fall vom harmlosen Schnarchen auch selbst bezahlt werden?

Krankenkassen zahlen hier üblicherweise nichts zu. Eine Operation kann je nach Technik und Narkoseart mehrere hundert bis tausend Euro kosten. Sie merken, der Preis ist insgesamt ein Problem bei der Therapie des Schnarchens ohne Atemaussetzer. Eine der wenigen sehr preiswerten und zugleich effektiven Therapien ist das Abnehmen bei übergewichtigen Schnarchern. Aber meine Erfahrung zeigt, das schaffen die meisten aus eigenem Antrieb leider nicht. Wichtig ist bei der Wahl der Therapie, dass der Arzt individuell auf den Patienten schaut und je nach Risiko und Nutzen Empfehlungen ausspricht.

Das heißt, den einen Tipp, der immer wirkt, gibt es nicht?

Leider nicht. Aber das Reduzieren des erhöhten Körpergewichts und das Vermeiden von Alkohol am Abend sind Empfehlungen zur gesunden Lebensführung, die nebenbei auch Schnarchen vermeiden oder verringern bis beseitigen können.

Wie bekomme ich raus, was für ein Schnarchtyp ich bin und welche Therapie für mich geeignet ist?

Vor jeder Therapie sollte das Schnarchen von einem Arzt abgeklärt werden. Das heißt praktisch, man sollte zu einem HNO-Arzt oder Lungenarzt gehen, dieser untersucht einen und gibt einem ein kleines Gerät, mit dem man die Atmung im Schlaf zu Hause aufzeichnen kann. Die Daten werden danach ausgewertet. Manchmal kann ein Aufenthalt in einem Schlaflabor zusätzlich sinnvoll sein. Ist ein harmloses Schnarchen diagnostiziert, kann man bereits über eine Therapie sprechen. Die meisten, die zum Arzt gehen, haben ja einen hohen Leidensdruck und schon jahrelang nächtliche Ellenbogen-Stöße des Bettpartners hinter sich.

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