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Debatte über Feuerwerk : Böllerei mit Nebenwirkungen

  • -Aktualisiert am

Alle Jahre wieder: Feuerwerk über der Frankfurter Innenstadt - von der Alten Brücke aus gesehen. Bild: Marcus Kaufhold

Feinstaub, Müll und Verbrennungen: Eine Initiative in München warnt vor den Risiken des Silvesterfeuerwerks – und fordert ein Ende der privaten Böllerei. Der Industrie gehen die Verbote dagegen jetzt schon zu weit.

          Es rumst und kracht, der Himmel ist bunt erleuchtet und die Luft erfüllt von Rauch: So kennt man den Silvesterabend. Ginge es nach Jürgen Schmoll, würde man vor allem Sektgläser klirren hören, könnte bei klarem Wetter vielleicht ein paar Sterne sehen – und die Luft wäre sauber.

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Der 75 Jahre alte Münchner engagiert sich mit zwei weiteren Aktivisten in der Initiative „Silvesterböllerei – nein danke“. Ihr Ziel: kein privates Feuerwerk mehr an Silvester. „Wir sind keine Spaßbremsen“, sagt Schmoll. Aber muss wirklich jeder Nachbar das neue Jahr mit dem fünfzigteiligen Böllerpack für 1,99 Euro vom Discounter begrüßen? Wäre ein städtisches Feuerwerk für alle nicht ausreichend? In anderen Städten ist das längst der Fall. In Brüssel gibt es beispielsweise schon seit 2000 keine privaten Feuerwerke mehr, im australischen Sydney gibt es ebenfalls nur einige Groß- statt vieler Kleinstveranstaltungen.

          Seit zwei Jahren sammelt die Initiative Unterschriften. In diesem Jahr war sie auch schon beim Münchner Umweltreferat sowie auf den städtischen Bürgerversammlungen zu Gast. Dabei habe es viel Zustimmung gegeben, berichtet Schmoll. Bei zehn von zwölf Versammlungen sei eine Mehrheit für einen Antrag gegen private Feuerwerke gewesen. Die Gründer der Initiative stören sich unter anderem an dem vielen Feinstaub, der durch das Feuerwerk entsteht. „Unsere Luft in München ist ohnehin schlecht und stellt ein Gesundheitsrisiko dar“, sagt Schmoll. An Silvester sei es aber besonders schlimm.

          Feuerwerk auf dem Schlossplatz in Stuttgart zum Jahreswechsel 2017/2018

          Tatsächlich entstehen nach Angaben des Umweltbundesamts 4500 Tonnen des Feinstaubs PM10 (Partikel mit einem aerodynamischen Durchmesser von zehn Mikrometer oder kleiner) in der Silvesternacht. Das entspricht 15,5 Prozent der Emissionen, die jährlich durch den Autoverkehr entstehen und 2,25 Prozent aller Emissionen, die 2016 in Deutschland entstanden – größtenteils verursacht in einer halben Stunde. Der zulässige Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter wurde deshalb zum Jahreswechsel 2016/17 an 129 von 320 Messstationen im Bundesgebiet überschritten. Jährlich sind 35 Überschreitungen pro Messstation erlaubt. Geht in der Silvesternacht wenig Wind, der den Feinstaub schnell verteilt, wird vielerorts die erste Ausnahme gleich am ersten Tag des Jahres verbraucht.

          Unterstützung bekommt Schmolls Initiative vom Verband der Pneumologen. „Wir sehen mit Sorge, dass die Grenzwerte an Silvester regelmäßig überschritten werden“, sagt Sprecher Michael Barczok, der als niedergelassener Lungenarzt in Ulm tätig ist. „Besonders Asthmatiker und Betroffene der Lungenkrankheit COPD leiden unter der stechenden Luft.“ Viele müssten den Jahreswechsel deshalb drinnen bei geschlossenen Fenstern und Türen abwarten. Aber selbst gesunde Menschen müssten häufig husten. „Der Dreck, der sich an Silvester mit kalter Luft und Nebel mischt, tut niemandem gut“, sagt Barczok. Langfristig schade die schlechte Luft zudem nicht nur der Lunge, sondern auch dem Herz-Kreislauf-System und dem Stoffwechsel. Dabei fürchte doch heutzutage niemand mehr böse Geister, die zum Jahreswechsel mit dem Krach vertrieben werden müssten.

          Auch die Deutsche Umwelthilfe fordert wegen des Feinstaubs eine Verbannung von Feuerwerkskörpern aus den Städten, der Deutsche Städtetag weist die Forderung jedoch zurück. Es sei zwar richtig, dass Umwelt und Gesundheit von Feuerwerk „in einem gewissen Umfang belastet“ würden. „Daraus die Forderung abzuleiten, Silvesterfeuerwerk an den Stadtrand zu verlagern, geht mir jedoch zu weit“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, dem „Handelsblatt“. So nehme man vielen Menschen die Freude an verantwortungsvoll gehandhabtem Feuerwerk.

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