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Kritische Situation im Sommer : Das Rote Kreuz ruft wieder zum Blutspenden auf

Zum Weltblutspendetag an diesem Montag erinnert das Rote Kreuz wieder einmal daran, wie dringend Blutspenden benötigt werden. Bild: dpa

Seit Beginn der Corona-Pandemie mehren sich in sozialen Medien die Warnungen, dass Blutspenden gefährlich sei. „Das sind alles Fake News, absoluter Blödsinn“, sagt Eberhard Weck vom DRK.

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          Ein kurzer Piks in die Armbeuge, und das Blut fließt. Schon nach wenigen Minuten ist der angehängte Kunststoffbeutel mit einem halben Liter gefüllt. Das Blut geht in ein Produktionszentrum, wo es aufbereitet und an Krankenhäuser verteilt wird.

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          Volontärin

          Jeden Tag werden in Deutschland 15.000 Blutspenden für die Versorgung von Kranken und Verletzten benötigt. Laut dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) sind 80 Prozent der Menschen hierzulande einmal im Leben auf das Blut anderer angewiesen, weil sie einen Unfall hatten oder beispielsweise an Krebs erkrankt sind. Doch seit Beginn der Corona-Pandemie mehren sich in sozialen Medien die Warnungen, dass Blutspenden gefährlich sei. Dadurch werde das Virus übertragen, heißt es. Oder: Eine Corona-Impfung zerstöre die natürlichen Antikörper im Blut, weshalb es unbrauchbar werde.

          „Das sind alles Fake News, absoluter Blödsinn“, ärgert sich Eberhard Weck vom DRK-Blutspendedienst in Frankfurt. Weder werde das Coronavirus durch Blutspenden übertragen, noch seien Spenden von geimpften Personen problematisch. „Ich weiß nicht, welches Interesse Personen daran haben, die Patientenversorgung zu gefährden und mögliche Spender zu verunsichern.“

          Situation in diesem Sommer besonders kritisch

          Zum Weltblutspendetag an diesem Montag erinnert das Rote Kreuz wieder einmal daran, wie dringend Blutspenden benötigt werden – am 14. Juni 1868 wurde Karl Landsteiner, der Entdecker der Blutgruppen, in Österreich geboren. In diesem Sommer sei die Situation besonders kritisch, sagt Weck. Anfang Juni haben sich innerhalb einer Woche die Blutreserven in Hessen und Baden-Württemberg halbiert. Wegen der gelockerten Corona-Regeln und des guten Wetters war die Spendenbereitschaft gering. „Außerdem holen die Kliniken nun die Operationen nach, die sie verschoben hatten, um Intensivbetten für Corona-Patienten freizuhalten.“ Es gebe also weniger Spender bei erhöhtem Bedarf, sagt Weck. „Da geht die Schere auseinander.“ Dabei sah die Versorgungslage in den vergangenen Monaten sehr gut aus. „Als im Winter alles geschlossen war, saßen die Leute entweder zu Hause oder sind Blut spenden gegangen“, scherzt er.

          Theoretisch kann jeder spenden, der zwischen 18 und 73 Jahre alt ist und mehr als 50 Kilogramm wiegt. Allerdings können weitere Faktoren wie Blutdruck, Eisengehalt im Blut oder kürzliche Auslandsaufenthalte jemanden von einer Blutspende ausschließen. Selbst die Einnahme einer Aspirin-Tablette gegen Kopfschmerzen ist problematisch, da das Medikament die Gerinnung stört.

          Während der Pandemie haben Anbieter von Blutspenden ein Terminreservierungssystem eingeführt, sodass niemand anstehen muss. Jeder potentielle Spender muss einen Fragebogen ausfüllen, sich die Hände desinfizieren und erhält eine frische Maske. Wer sich unwohl fühlt, wird wieder nach Hause geschickt. Auf Corona wird beim DRK in Frankfurt allerdings nicht getestet. Eine Testmöglichkeit locke womöglich Leute an, die eben nicht ganz gesund seien und damit andere Spender in Gefahr bringen, sagt Weck. „Obwohl jede Woche mehr als 100 Menschen in Hessen und Baden-Württemberg Blut spenden, ist mir nicht ein Fall bekannt, wo sich jemand bei einem Blutspendetermin mit Corona infiziert hätte.“ Auch das gespendete Blut wird nicht auf Corona getestet.

          Genesene müssen nach Ende der Infektion vier Wochen warten, bevor sie wieder spenden dürfen. Anders sieht es bei Geimpften aus: Wem es gut geht, der kann schon am nächsten Tag Blut spenden. „Durch das Impfen gibt es keinerlei Einschränkungen“, sagt Weck. Anders als Verschwörungstheoretiker behaupten, gibt es auch keinen Impfschutz für Empfänger, die das Blut eines geimpften Spenders erhalten. Eine Handhabe, gegen solche Gerüchte vorzugehen, gibt es kaum. „Mehr als eine eigene Stellungnahme in den sozialen Medien zu veröffentlichen bleibt uns nicht. Wir können nur reagieren, ansonsten laufen wir Gefahr, dass wir diese Fake News noch weiterverbreiten.“

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