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Folgen der Pandemie für Kinder : „Die existenziell wichtigen Bedürfnisse wurden schlichtweg ignoriert“

Mehr Depressionen und mehr Essstörungen: Die Pandemie hat für Kinder „massive Folgen“, heißt es im Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK Bild: picture alliance / ZB

Mehr Depressionen, mehr Essstörungen: Die Pandemie hat laut der Krankenkasse DAK massive Folgen für die Gesundheit der Heranwachsenden. Kinderärzte fordern die Politik zum Handeln auf.

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          Mehr Depressionen, mehr Essstörungen: Die Pandemie hat für Kinder und Jugendliche in Deutschland „massive Folgen für die Gesundheit“. Zu diesem Ergebnis kommt der am Freitag von der Krankenkasse DAK veröffentlichte Kinder- und Jugendreport 2022. „Die Corona-Pandemie und ganz besonders die von der Politik verhängten Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung haben Kindern in allen Altersstufen erheblichen gesundheitlichen Schaden zugefügt“, sagte Thomas Fischbach, der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte.

          David Lindenfeld
          Volontär.

          Das zeigt sich daran, dass die Behandlungszahlen 2021 von Jugendlichen mit Depressionen und Essstörungen im Vergleich zum Vorjahr laut der DAK merklich zugenommen haben. In die Kliniken kamen 28 Prozent mehr Fünfzehn- bis Siebzehn-Jährige mit Depressionen und 17 Prozent mehr ältere Teenager mit Essstörungen. Ähnlich sieht es bei emotionalen Störungen aus: 2021 ist die Zahl der Fünfzehn- bis Siebzehn-Jährigen, die stationär versorgt wurden, um 42 Prozent gestiegen. Unter emotionale Störungen fallen beispielsweise Trennungsangst, soziale Ängstlichkeit oder auch phobische Störungen wie die Angst vor imaginären Gestalten.

          Ähnliche Tendenzen sind bei den Schulkindern im Alter zwischen zehn und 14 Jahren zu beobachten. Hier nahmen stationäre Behandlungen aufgrund von Depressionen (plus 27 Prozent), Angststörungen (25) und Essstörungen (21) zu. Vor allem Mädchen litten unter den Corona-Belastungen. Im vergangenen Jahr wurden sie im Alter zwischen 15 und 17 Jahren zweiunddreißig Mal so häufig wie Jungen mit Essstörungen stationär behandelt. Der Anteil junger Patientinnen mit Essstörungen stieg um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und um 40 Prozent gegenüber 2019. Zudem kamen Mädchen häufiger wegen Depressionen, Angststörungen und emotionalen Störungen in Kliniken.

          Forderungen an die Politik

          Die Daten zeigen zudem, dass Grundschulkinder vor allem unter Störungen sozialer Funktionen, also Bindungsstörungen, und Entwicklungsstörungen leiden. So wurden 2021 36 Prozent mehr Kinder im Alter zwischen fünf und neun Jahren aufgrund von Störungen sozialer Funktionen in Kliniken behandelt. Bei Entwicklungsstörungen war es ein Plus von elf Prozent. Auffallend ist, dass Jungen in diesem Kontext häufiger in Behandlung waren als Mädchen.

          Untersucht wurden für den Zeitraum von 2019 bis 2021 anonymisierte Abrechnungsdaten von rund 800.000 Kindern und Jugendlichen im Alter bis 17 Jahren, die bei der DAK versichert sind. Geknüpft an den Report sind Forderungen an die Politik: „Unser aktueller Kinder- und Jugendreport zeigt, wie sehr Jungen und Mädchen in der Pandemie leiden. Der starke Anstieg bei Depressionen oder Essstörungen ist ein stiller Hilfeschrei, der uns wachrütteln muss“, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. Dem Thema müsse nun mehr Gewicht gegeben werden: „Die Lage hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschärft, doch noch hat die Politik darauf nicht entsprechend reagiert.“

          Kinder und Jugendliche stellten eine ebenso vulnerable Gruppe innerhalb der Bevölkerung dar wie alte beziehungsweise vorerkrankte Bürgerinnen und Bürger während der Corona-Pandemie, sagte Fischbach, der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. „Während Letzteren natürlich auch zu Recht Aufmerksamkeit und Fürsorge gewidmet wurden, haben die politisch Verantwortlichen über zwei Jahre lang die ebenso existenziell wichtigen Bedürfnisse und Bedarfe der jungen Generation schlichtweg ignoriert“, kritisiert Fischbach. Der dadurch bedingte Schaden sei erheblich, wie der vorliegende Report der DAK zeige – das Ausmaß der Dauerschäden heute erst schwer zu erfassen.

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