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Zukunft nach Corona : Droht ein autoritärer Gesundheitsstaat – oder machen wir weiter wie immer?

Forschung ist eine Frage des Geldes. Wenn der Markt nicht genügend Anreize für die Firmen setzt, bestimmte Viren zu erforschen, muss der Staat aktiver werden Bild: Pieter Van Eenoge

Die Krise scheint eine gute Zeit für Übertreibungen zu sein. Dabei sind sie sinnlos. Klar ist aber: Aus den Erfahrungen resultieren spezifische Forderungen, Verhaltensänderungen – und Lerneffekte für Staat, Wissenschaft, Schule und Familie.

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          Ändert sich alles?

          Zwei Behauptungen stehen einander gegenüber. Die eine lautet, nach der Corona-Pandemie werde nichts wieder wie zuvor sein, wenn es denn überhaupt ein absehbares „Danach“ gebe. Der Epidemie wird zugetraut, die Gesellschaft, wie wir sie kennen, dauerhaft und in allen ihren Bezirken zu verändern. Damit ist mehr als die tiefgreifenden Effekte einer Weltwirtschaftskrise gemeint, sondern alles, was aus Kontakteinschränkungen für unser Leben folgt. Die Vorstellung, dass es wohl kaum die letzte Pandemie gewesen sein wird, verstärkt solche Vermutungen.

          Jürgen Kaube
          Herausgeber.

          Um weitere Epidemien mit solch tiefgreifenden Effekten besser in den Griff zu bekommen, wird sich das Leben ändern müssen. Die alte Sitte des Händewaschens und das Lernen von asiatischen Traditionen wenig „taktilen“ Auftretens im öffentlichen Raum sind erste Lerneffekte, die womöglich überdauern. Manche fürchten aber viel mehr Disziplinierung: die Heraufkunft eines Gesundheitsstaats, der dauerhaft diesem Wert, „Gesundheit“, im Konfliktfall mit anderen Werten zumeist den Vorzug einräumt. In einem Präventions- und Versicherungsstaat leben wir ohnehin seit langem; die Komplexität der modernen Gesellschaft lässt nichts anderes zu.

          Gewohnheiten verschwinden

          Doch auch diesseits von Befürchtungen, die Vorsorgeverwaltung werde nun immer wieder Freiheiten einschränken, ist es unklar, was von alten Gewohnheiten übrig bleiben wird. Wird es noch Inlandsflüge geben? Ist das Niveau, auf dem zuletzt geschäftlich und aus touristischen Interessen gereist wurde, in Zukunft zu halten? Wird das Geisterspiel, der Fern- oder Abstandsgottesdienst zur Norm? Werden auf Bühnen zukünftig mehr Monologe aufgeführt werden?

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          Wird es dauerhaft altersabhängige Unterschiede in den Bewegungsprofilen der Individuen geben? Kommt es zur Durchsetzung von digitalen Technologien vom Typ der „Corona-App“? Mit welchem Immobilienbedarf ist zu rechnen, wenn die Epidemie gezeigt hat, dass Präsenz in weiten Bereichen der Wissensökonomie nur eine von mehreren Möglichkeiten des Arbeitens ist?

          Das epidemiegerechte Leben

          Die kuriosen Plastikboxen, die ein italienischer Designer entworfen hat, um aerosolabgedichtete Strandurlaube mit Mindestabstand zu ermöglichen, sind insofern nur eine erste und vermutlich bald verworfene Innovation am Rand der Problemzonen, die durch die Epidemie definiert worden sind. Auf sie werden vermutlich Entwürfe von epidemiegerechten Restaurants, Kinos, Schulen, Einkaufszentren, Stadien und Städten folgen.

          Bis weit ins neunzehnte Jahrhundert hinein waren die Kanalisation und Müllentsorgung der allermeisten europäischen Städte stark unterentwickelt, und es waren nicht zuletzt Seuchen, besonders die Cholera, die zum Aufstieg der hygienepolizeilich konzipierten Stadt führten. Analoges wird auch jetzt zu erwarten sein. Weniger defensive Varianten der These „Corona ändert alles“ treten zusätzlich dafür ein, anlässlich der Pandemie die Politische Ökonomie von Gesellschaften zu überdenken, in denen Flugbenzin subventioniert wird, um nur ein Beispiel dafür zu nennen, dass der gesamte Wohlfahrtsstaat daraufhin durchgemustert werden könnte, wie seine Ausgaben sich aus der Perspektive der Umweltverträglichkeit oder einer stärkeren Krisenfestigkeit gegenüber Epidemien darstellen.

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