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Zerstörungswut von Sars-CoV-2 : Mehr als nur eine Lungenkrankheit

Eine mit dem Coronavirus (grünliche Punkte) erkrankte menschliche Zelle, die Anzeichen einer Apoptose zeigt. Bild: EPA

Aus heiterem Himmel ein Schlaganfall, Blutgerinnsel, tödliche Thrombosen ohne bekannte Vorerkrankungen: Wie zerstörerisch Sars-CoV-2 bei Menschen ist, erschließt sich Ärzten und Wissenschaftlern erst jetzt. Der ganze Körper kommt ans Limit.

          3 Min.

          Im Kampf um das Leben schwer erkrankter Covid-19-Patienten lernen die Ärzte und Helfer dazu. Hunderte Klinikberichte aus aller Welt werden jede Woche öffentlich. Manchmal sind noch die erfahrensten Kliniker schockiert. So war es, als jetzt ein Bericht der „Washington Post“ über vergleichsweise junge Opfer erschien. Personen im Alter von 30 bis 40 Jahren hatten ohne vorangegangene Symptome der Coronavirus-Erkrankung und aus heiterem Himmel einen Schlaganfall erlitten. Blutgerinnsel ohne jede Vorwarnung. Tödliche Thrombosen bei Personen ohne bekannte Vorerkrankungen. Als man das Gehirn eines Verstorbenen untersuchte und mit einer feinen Nadel das Gerinnsel zu entfernen versuchte, so berichtete ein Mediziner, habe er beobachten können, wie sich das Blut vor seinen Augen verklumpte. Eine Erklärung dafür gibt es bisher nicht.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Solche plastischen Schilderungen findet man selten in den wissenschaftlichen Studien, die Kliniker zur Begutachtung bei Kollegen einreichen. Aber auch in diesen Studien trat in den vergangenen Wochen immer klarer zutage, wie sehr das Pandemievirus die Mediziner ins Schleudern bringt. Formal gesehen war Covid-19 im Februar bei der Weltgesundheitsorganisation als infektiöse Lungenkrankheit registriert worden. Doch eine Lungenentzündung, die Folge der massiven Virenvermehrung tief im Innern in den lebenswichtigen Lungenbläschen, ist bei empfänglichen Menschen offensichtlich nur der erste Schritt in die Katastrophe. Jeder siebte bis neunte Fall – über alle Altersgruppen betrachtet – verläuft nach etwa einer Woche so schwer, dass die Infizierten in die Klinik müssen, bei jedem 20. Patienten nimmt die Lunge in kurzer Zeit so großflächig Schaden, dass die Kurzatmigkeit immer stärker wird und das für die Krankheit typische Atemnotsyndrom eintritt. Der Schwerpunkt der Virenvermehrung hat sich dann vom Nasen-Rachen-Raum tief in die Lungen verlagert.

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