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Chinas Staatschef in Wuhan : Xi sieht Coronavirus in Hubei „im Wesentlichen eingedämmt“

  • Aktualisiert am

Der chinesische Präsident Xi Jinping Anfang März beim Besuch eines Krankenhauses in Wuhan. Bild: dpa

Chinas Staatschef hat die Millionenmetropole Wuhan besucht. Dort war das Coronavirus im Dezember erstmals bei Menschen aufgetreten. Im Kampf gegen die Epidemie habe sich das „Blatt gewendet“, sagt Xi.

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          Die Coronavirus-Epidemie ist in ihrem bisherigen Epizentrum nach Einschätzung von Chinas Staatschef Xi Jinping „im Wesentlichen eingedämmt“. Es gebe „Anfangserfolge“ bei der Stabilisierung der Lage in der besonders stark betroffenen Provinz Hubei und deren Hauptstadt Wuhan, sagte Xi am Dienstag nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Damit habe sich im Kampf gegen die Epidemie das „Blatt gewendet“.

          In der Elf-Millionen-Einwohner-Metropole Wuhan war das neuartige Coronavirus im Dezember erstmals bei Menschen aufgetreten. Seitdem wurden in Festlandchina mehr als 80.700 Infektionen sowie mehr als 3100 Todesfälle registriert, die meisten in Hubei. Seit einigen Tagen geht die Zahl der Neuinfektionen in China allerdings zurück.

          Wegen der Epidemie hatten die Behörden Ende Januar ganz Hubei mit seinen rund 56 Millionen Einwohnern unter Quarantäne gestellt. Am Dienstag verkündeten die Behörden eine Lockerung der Restriktionen: Gesunde Menschen dürfen demnach nun innerhalb der zentralchinesischen Provinz wieder reisen. Xi besuchte am Dienstag erstmals seit dem Ausbruch der Epidemie Wuhan.

          Bei seinem unangekündigten Besuch wollte er laut Xinhua im Laufe des Tages die Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie inspizieren. Geplant waren demnach Treffen mit Mitarbeitern des Gesundheitswesens, mit Polizisten, Soldaten, Patienten und Einwohnern. Der Besuch war ein weiteres Anzeichen dafür, dass die chinesische Staatsführung offenbar glaubt, die Epidemie inzwischen unter Kontrolle gebracht zu haben.

          Der sonst in den chinesischen Medien geradezu allgegenwärtige Xi hatte während der starken Ausbreitung des Coronavirus ab Januar das Rampenlicht weitgehend gemieden. Er überließ es Regierungschef Li Keqiang, die Maßnahmen gegen die Epidemie zu beaufsichtigen. Li hatte bereits zuvor Wuhan besucht.

          Im Kampf gegen den Erreger, der auf einem Markt für Wildtiere in Wuhan erstmals auf den Menschen übertragen worden sein soll, hatten die chinesischen Behörden drakonische Maßnahmen ergriffen. Die gesamte Provinz Hubei, in der rund 56 Millionen Menschen leben, ist seit Ende Januar weitgehend von der Außenwelt abgeriegelt. Ein ranghoher chinesischer Regierungsvertreter deutete aber Ende vergangener Woche an, die Abschottung der Provinz könnte möglicherweise schon bald beendet werden.

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          Die Abschottungsmaßnahmen scheinen Wirkung gezeigt zu haben, denn die Zahlen der Neuinfektionen in China zeigen schon seit einer Weile einen Abwärtstrend. Am Dienstag gab die Regierung nur 19 landesweit neu bestätigte Ansteckungsfälle seit dem Vortag bekannt. Dies war die niedrigste Zahl von Neuinfektionen, seit die Regierung am 21. Januar mit der Veröffentlichung der täglichen Bilanzen zum Coronavirus begonnen hatte. Mehr als 80.750 Menschen haben sich in China nach den offiziellen Statistiken mit dem Coronavirus angesteckt, die amtliche Zahl der dortigen Todesopfer lag am Dienstag bei 3136.

          Inwieweit aber die offizielle Statistik die wahre Lage widerspiegelt und wie hoch die Dunkelziffer ist, scheint unklar. Seit einer Änderung der Zählweise Mitte Februar hat sich der täglich berichtete Anstieg der neuen Infektionen mit dem Sars-CoV-2 genannten Virus und der Todesfälle in der amtlichen Auflistung spürbar reduziert.

          So werden nach Medienberichten beispielsweise Personen, die nachweislich infiziert sind, aber keine Symptome der Covid-19 genannten Krankheit zeigen, seit Anfang Februar nicht mehr bei den neu nachgewiesenen Ansteckungen mitgerechnet, sondern anderweitig aufgeführt. Solche Personen können auch ansteckend sein.

          Infizierter in Mongolei

          Auch wurden klinische Diagnosen ausgenommen. Dabei stellt der Arzt nur anhand der Symptome oder Vorgeschichte des Patienten die Infektion fest, ohne dass ein DNA-Test gemacht wird. Zumindest nach vereinzelten Berichten werden zudem infizierte Personen nicht in der Statistik einer Provinz aufgeführt, wenn ihre Wohnortanmeldung woanders liegt.

          Amtliche Stellen verweisen gerne auf den Rückgang der Zahlen, wenn dazu aufgerufen wird, in weniger betroffenen Gebieten zur Normalität zurückzukehren und auch die Produktion in den Betrieben wieder aufzunehmen. Die meisten der nach Ausbruch des Erregers in Wuhan eingerichteten 16 provisorischen Krankenhäuser wurden laut Xinhua inzwischen wieder geschlossen.

          Das Nachbarland Mongolei meldete unterdessen seinen ersten Fall einer Infektion mit dem Coronavirus. Dabei handelt es sich nach Regierungsangaben um einen Franzosen, der in dem Land für ein Energieunternehmen arbeitet. Für sechs Tage wurde in allen Städten der Mongolei die Ein- und Ausreise verboten. Bereits vor diesem ersten bekannten Corona-Fall hatte die Mongolei ihre Grenzen zu China geschlossen.

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