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„Work from Bali“ : Schöner arbeiten am Strand und das Hotelgewerbe retten

Schöne Aussicht: Rund 10.000 Staatsdiener aus der Hauptstadt Jakarta sollen nun ihren Dienst aus den Strandhotels auf der Ferieninsel ausüben. Bild: Reuters

Seit Ausbruch von Corona stehen fast alle der rund 150.000 Hotelzimmer auf Bali leer. Jetzt schickt Indonesien Beamte auf die Ferieninsel und hofft auf einen Herdeneffekt.

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          Es ist eine außergewöhnliche Idee für den öffentlichen Dienst, bei der aber alle nur gewinnen sollen: Indonesien, die größte Volkswirtschaft Südostasiens, will ihre Beamten nach Bali auslagern. So soll dort der Tourismus wieder angekurbelt werden. Seit Ausbruch von Corona stehen fast alle der rund 150.000 Hotelzimmer auf der Insel leer.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Unter dem Programm „Work from Bali“ arbeitet die Regierung auch an einer besseren Infrastruktur und attraktiven Visa für Digitalnomaden, um diese auf die Insel zu locken. Obwohl das benachbarte Singapur gerade seine Großkonferenzen wie das Weltwirtschaftsforum im Herbst gestrichen hat, plant Jakarta weiter mit zwölf internationalen Konferenzen auf Bali in diesem Jahr.

          Geringe Bettenbelegung

          „Wir hoffen auf einen Herdeneffekt. Den Beamten sollen Angestellte und Akademiker folgen, so dass sich der Effekt für Bali multipliziert“, sagte der indonesische Tourismusminister Sandiaga Uno. Rund 10.000 Staatsdiener aus der Hauptstadt Jakarta sollen nun ihren Dienst aus den Strandhotels auf der Ferieninsel ausüben. Derzeit müssen sie ihre Arbeit die Hälfte der Zeit von zu Hause aus verrichten. Nur für das Zimmer dürfte die Entsendung der Beamten in den Stranddienst den Staat umgerechnet rund 200 Euro je Monat kosten.

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          Die Bettenbelegung auf der Insel, die sehr gerne von australischen Touristen besucht wurde, liege bei nur 8 bis 10 Prozent, heißt es. Die Hotels melden nur 350 ausländische Gäste für das erste Quartal, nach 1,2 Millionen im Vergleichsquartal des vergangenen Jahres. Mehrmals hatte die Regierung versucht, die Bade- und Kulturinsel wieder zu öffnen. Dann aber kam es zu immer neuen Corona-Wellen in Indonesien mit seinen rund 270 Millionen Menschen. Zugleich untersagte Australien seinen Bürgern, das eigene Land zu verlassen.

          Knapp sieben Milliarden Dollar Wirtschaftshilfe

          Nun sollen die Beamten für Buchungen sorgen. Das Investitionsministerium in Jakarta plant eine bis Jahresende währende Kampagne, um ihnen einen Aufenthalt zu finanzieren. „Sie ist Bestandteil der Anstrengungen der Regierung, Nachfrage für die Hotels und Restaurants auf Bali zu schaffen, so dass sie überleben“, hieß es dort. „Entsprechend den Regeln des Gesundheitsministeriums verzeichnet Bali derzeit die höchste und schnellste Impfrate unter allen indonesischen Provinzen.“ Bis Juli sollen dort 60 Prozent der Insulaner geschützt sein.

          Die Insel ist ein wichtiger Devisenbringer für Indonesien. Da sie aber nahezu vollkommen am Tropf der Touristen hängt, schrumpfte ihre Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr um knapp 10 Prozent – während die Indonesiens insgesamt um gut 2 Prozent zurückging. Die Regierung hat den Balinesen umgerechnet knapp sieben Milliarden Dollar Wirtschaftshilfe versprochen.

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